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| 20:31 Uhr

Werbung für Dinge, die es gar nicht gibt
Das Saarland, als wären es wieder die Sixties

Saarbrücken. Sein Saarbrücken-Plakat war im Sommer der Renner in den sozialen Netzwerken. Jetzt hat sich der Designer Markus Jungen gleich das ganze Saarland vorgenommen. Von Gerrit Scherer

In seinem Regal steht eine Flasche „Hofers Pilsener“. Aber das darin vermutete Bier gibt es gar nicht. Nicht einmal die Brauerei existiert. Trotzdem hat Markus Jungen viel Mühe in das Design gesteckt und unter dem Label „nevermade“ noch viele weitere Produkte und Werbeplakate designt.

Der Grund: „Ich probiere gerne herum“, sagt er. Kreativität gehört zum Beruf des gelernten Mediengestalters, dessen Projekte weit über bloße Auftragsarbeiten hinausgehen. In der Werbeagentur g-nau am Landwehrplatz gestaltet der 37-Jährige Websites, CD-Cover und Plakate, zum Beispiel für das Saarbrücker Altstadtfest. Auch das Logo des Rocko-del-Schlacko-Festivals stammt aus Jungens Feder. Sein neustes Projekt: ein Saarlandkalender für das Jahr 2018, der die Sehenswürdigkeiten des Bundeslandes gestalterisch ganz neu in Szene setzt.

Die Motive erinnern mit ihren Farbtönen und Formen an Illustrationen aus den 60er-Jahren. Gestalterisch hat Markus Jungen eine Vorliebe für diese Zeit. „Damals waren die Darstellungen reduzierter. Und gleichzeitig hat man sich viel mehr getraut“, findet er. Bei Filmplakaten sei es zum Beispiel vor allem auf ein interessantes Design angekommen, nicht darauf „mit der Tür ins Haus zu fallen“, wie er es nennt, also möglichst viele Eindrücke aus dem Film zu zeigen.

In Markus Jungens Werken ist dieser Stil allgegenwärtig. So sind auch die Gebäude und Orte in seinem Kalender nur schemenhaft zu erkennen. Details fallen unter den Tisch, Formen sind auf das Wesentliche reduziert. Dennoch genügt meist ein Blick, um zu erkennen, worum es sich handelt.

„Das liegt an der Art, wie es gemacht ist“, erklärt Markus Jungen. Grundlage für die Illustrationen sind Fotos der Objekte. Die werden dann mit Farben und Linien überbaut. „So stimmen die Proportionen“, erläutert er. Und doch entstehen beim Reduzieren der Formen neue Muster, wenn zum Beispiel die vielen Fenster des Pingusson-Baus an der Stadtautobahn zu breiten, parallelen Linien verschmelzen.

Das ehemalige Kultusministerium wollte Markus Jungen unbedingt im Kalender haben. „Ich mag das Gebäude. Und ich habe extra auch Motive ausgesucht, die man nicht im Kalender erwarten würde“, erzählt der 37-Jährige und fügt hinzu: „Das soll eine neue Perspektive auf sie schaffen.“ Der Schaumbergturm gehöre hingegen zu den Klassikern.

Den Kalender verkauft Markus Jungen im eigenen Onlineshop. Dort ist auch das Markus Jungens Saarbrücken-Plakat erhältlich, das sich im Juli wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien verbreitete. „Das hat mich schon ziemlich überrascht“, sagt er. Besonders gut gehen in seinem Shop auch Jungens Plakate für Kinder, die er zusammen mit seiner Frau, die Grafikerin ist, designt.

Bei seinem eigenen Nachwuchs kommen die auch gut an. Der älteste Sohn des dreifachen Vaters ist sieben Jahre alt. „Raketen und Dinosaurier gehen da immer“, lacht Jungen. Aber der Kreative behandelt auch ernste Themen. Für den Naturschutzbund hat er zum Beispiel Postkarten und Flyer zum Artenschutz gestaltet. Oft haben die auch Elemente von Freihandzeichnungen.

Umweltschutz liege ihm besonders am Herzen, so Jungen. „Schließlich habe ich lange mitten im Wald gewohnt.“ Insgesamt sei er froh, dass sich Auftragsarbeiten und freiere Projekte die Waage hielten. „So kann man beidem gerecht werden und verliert nicht den Blick für das, was es noch alles gibt“, sagt der Designer. Das Tolle an seinem Beruf sei es, dass er mit vielen unterschiedlichen Themen zu tun hätte, von der Werbung für eine Arztpraxis bis zur erfundenen Biermarke.

Bleiben bei dem jungen Kreativen bei so viel Zufriedenheit überhaupt noch Wünsche offen? „Es wäre super, wenn es mehr Filmproduktionen im Saarland gäbe. Film war schon immer eines meiner Lieblingsthemen.“ Vielleicht könnte er dann noch mehr seiner „nevermade“-Produkte an den Mann bringen. In einige Filmproduktionen haben es die Marken, die es gar nicht gibt, nämlich bereits geschafft.

Den Kalender gibt es für 19,90 Euro im Format A3 in der SZ-Einkaufswelt und in Markus Jungens Onlineshop unter www.made-my-yeah.de