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Das Kompetenzzentrum der Justiz hilft Opfern und Zeugen vor Gericht

Sie helfen Opfern und Zeugen : Das Kompetenzzentrum der Justiz in Saarbrücken lässt niemanden allein

Viele haben Angst, vor Gericht zu erscheinen, auch wenn sie nur als Zeuge aussagen sollen. Diesen Menschen steht das Kompetenzzentrum der Justiz zur Seite.

Eine Vorladung vom Gericht kommt meist im gelben Umschlag – ob man etwas verbrochen hat oder nicht. Selbst Zeugen werden förmlich vorgeladen und viele, die mit ihrer Aussage eigentlich nur das Gericht bei der Suche nach der Wahrheit unterstützen sollen, erschrecken erheblich. Zustellurkunde, Juristendeutsch, Drohung, falls man nicht erscheint. „Der eine oder andere hat nie zuvor mit der Justiz zu tun, und dann gibt es noch die Gruppe derer, die als Opfer aussagen und emotional besonders belastet sind“, sagt Sozial-Amtsrätin Birgit Derissen. Sie ist beim Kompetenzzentrum der Justiz für ambulante Resozialisierung und Opferhilfe unter anderem für die Begleitung von Zeugen zuständig.

Mit jeder Zeugenvorladung werde das Angebot verschickt, die Zeugenhilfe in Anspruch zu nehmen. Wer dann wirklich Angst habe, könne sich zunächst telefonisch, dann aber auch persönlich beraten lassen. „Und dann machen wir vielleicht eine Gerichtsbesichtigung und in den ganz drastischen Fällen begleiten wir die Zeugen im gesamten Verfahren. Das sind vielfach Opfer schwerer oder sexueller Gewalt, häufig auch Kinder. Da gehen wir mit zum Gerichtstermin, gehen mit in den Saal oder warten draußen, bis der Zeuge aufgerufen wird, was oft mit langen Wartezeiten verbunden ist. Diese Art Zeugen lassen wir nicht allein“, sagt Derissen.

Die Justiz bemühe sich auf diese Weise, nicht nur die Angst zu nehmen und eine entspannte Situation bei der Aussage zu schaffen, sondern eine erneute Traumatisierung zu verhindern. Gerade bei Kindern und bei Sexualstraftaten seien Zeugen oft Opfer und emotional sehr belastet, wenn sie dem Täter begegnen oder über das Geschehene reden sollen. Trotzdem sei das Angebot auch für Zeugen gedacht, die einfach nur große Schwellenangst hätten und denen jemand erklären müsse, was auf sie zukommt. Das seien die einfachen, aber nicht weniger wichtigen Fälle. Denn letztendlich gehe es um ein sicheres Verfahren.

Neben Birgit Derissen ist Nina Borovski eine der Mitarbeiterinnen im Kompetenzzentrum. Die 27-Jährige hat nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit bei der Justiz begonnen. Ihr Schwerpunkt ist neben der Zeugenbetreuung die Bewährungshilfe. Bis zu fünf Jahre lang betreue man Menschen, die vom Gericht besondere Auflagen erhalten hätten und helfe dabei, diese auch einzuhalten. „Wer geklaut hat, der hat oft finanzielle Probleme. Wir versuchen, diese Probleme zu besprechen, Hilfen anzubieten und haben oft Erfolg damit“, sagt Borovski. Derissen versichert, dass es nicht darum gehe „Straftäter zu betütteln“. Das Kompetenzzentrum vermittele umfangreiche Lebenshilfen und vermeide auf diese Weise neue Straftaten. Bei weitem nicht jeder Proband werde rückfällig.

Ein ganz besonderes Angebot der Justiz sei der „Täter-Opfer-Ausgleich“. Hier würden Täter und Opfer nach einer Straftat zusammengeführt und eine wiedergutmachende Lösung im Dialog gesucht. „Wir führen erst Einzelgespräche, schauen, wozu diese Menschen bereit sind. Dann gibt es einen gemeinsamen Termin und im besten Falle eine Einigung. Das Opfer muss vorher bereit sein, sich darauf einzulassen, und der Täter muss den Willen haben, sich ernsthaft zu entschuldigen. Dann kann man über einen Schadensersatz, ein Schmerzensgeld und eine Entschuldigung verhandeln. Insgesamt werden die Ergebnisse, die man hier erzielt, besser angenommen und akzeptiert als Urteile“, sagt Derissen und fügt hinzu, dass in aller Regel zwischen den Parteien eine vorangegangene Beziehung bestehe. Taten, bei denen sich Täter und Opfer völlig fremd seien, seien die absolute Ausnahme. Das Kompetenzzentrum bietet damit Zeugen, Tätern und Opfern gezielte Hilfen an.

Kontakt zu den Hilfsangeboten des Kompetenzzentrums der Justiz unter Tel. (06 81) 5 01 53 77.