Serie Fairer Handel „Das ging mit der Friedensbewegung los“

Saarbrücken · Am Anfang hieß er Dritte-Welt-Laden, heute ist es der Welt-Laden. Alle Produkte sind fair gehandelt.

 Liane Witte, Ute König und Ursula Schulz-Trieglaff im Saarbrücker Welt-Laden.

Liane Witte, Ute König und Ursula Schulz-Trieglaff im Saarbrücker Welt-Laden.

Foto: Foto: Heiko Lehmann

Aufgeräumt, klein, schick und gemütlich ist der erste Eindruck, den der Weltladen in der Evangelisch-Kirch-Straße 8 beim Betreten vermittelt. Man hört eine Uhr an der Wand ticken, und nur wenige Schritte nach dem Eingang wird man herzlich von Liane Witte empfangen. Sie ist eine von etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weltladens. „Ich war vor fünf Jahren hier einkaufen, und mir hat es so gut gefallen, dass mir spontan die Idee kam, hier helfen zu wollen“, erklärt Liane Witte, während Ute Kröning an der Kasse ein Geschenk für einen Kunden einpackt.

„Ich bin seit vier Jahren dabei. Ich hatte irgendwie das Gefühl, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen“, sagt Ute Kröning und übergibt dem Kunden Wolfgang Zieger das gekaufte Geschenk. „Ich komme mit meiner Frau seit mehr als zehn Jahren in den Weltladen zum Einkaufen. Unsere Tochter ist Dritte-Welt-Fan, sie hat uns darauf gebracht“, erzählt der Saarbrücker. Wenn es in Saarbrücken um fairen Handel geht, dann ist der Weltladen so etwas wie das Gründungsmitglied. „Im Prinzip ging das Ganze ja schon in den 70er-Jahren mit der Friedensbewegung los. Damals wussten viele schon, dass Bauern irgendwo auf der Welt einen Knochenjob für wenig Geld verrichten müssen, damit wir hier unseren Kaffee in die Tasse gießen können“, erklärt Ursula Schulz-Trieglaff, die im Jahr 1990 dabei war, als in der Evangelisch-Kirch-Straße der Weltladen, damals noch unter dem Namen Dritte-Welt-Laden, eröffnete.

Die eigentliche Idee zum Weltladen in Saarbrücken hatte der ehemalige sächsische Landesbischof Jochen Bohl. Jochen Bohl war vorher Jugendpfarrer in Saarbrücken und gründete den Weltladen mit jungen, engagierten Menschen. „Das waren damals Jugendliche, Studenten und junge Erwachsene“, sagt Ursula Schulz-Trieglaff. Hinter dem Weltladen steht der heute 70 Mitglieder starke Verein „Weltladen – Kreuz des Südens“. Es gibt sogar einen Weltladen-Dachverband, der alle etwa 700 Weltläden in ganz Deutschland vereint. Dieser Dachverband gibt auch regelmäßig eine Liste von Lieferanten heraus, die anerkannt sind und die fairen Handel weltweit umsetzen.

Der St. Johanner Weltladen bietet rund 1000 Produkte aus etwa 40 Ländern der Erde. Es gibt Seife aus Syrien, Cola aus Costa Rica aber auch Öle aus dem Bliesgau. Die Produktpalette ist groß. Für den täglichen Bedarf gibt es fast alles. „Die Klangschalen aus Nepal sind zurzeit der Renner. Ein herrliches Instrument, wenn man zur Ruhe kommen möchte“, sagt Liane Witte, während Ute Kröning den nächsten Kunden bedient. „Brauchen Sie eine Tüte?“, fragt Ute Kröning den Kunden. „Nein, danke“, heißt wie in fast jedem Fall die Antwort. Die meisten Kunden des Weltladens leben nicht nur den Fair-Trade-, sondern auch den Umweltgedanken. „Das Bewusstsein der Menschen hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert, und die Menschen achten viel mehr auf das, was sie tun oder kaufen. Es hat aber sehr lange gedauert, bis es zu dieser Bewusstseins-Änderung kam“, berichtet Ursula Schulz-Trieglaff aus ihrer 26-jährigen Erfahrung im Weltladen. Darin geht es eigentlich immer ruhig und gelassen zu. Und darin werden die Kunden damals wie heute auch ein kleines Stück überzeugt von einem Leben mit fair gehandelten Waren.

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