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ADFC: Das erste Lastenfahrrad heißt „Radlader“

ADFC : Das erste Lastenfahrrad heißt „Radlader“

Wer in der Stadt mehr eingekauft hat, als er schleppen kann, der kann sich jetzt für den Heimweg kostenlos den „Radlader“ ausleihen.

„Am Anfang ist es etwas wackelig, da es einen längeren Radstand hat als ein normales Fahrrad. Aber nach 300 Metern geht es. Es macht Spaß und ist im Prinzip leicht zu fahren“, sagte Peter Gillo am Freitag am Haus der Umwelt in der Evangelisch-Kirch-Straße 8. Der Regionalverbandsdirektor war der Erste, der das neue Saarbrücker Lastenfahrrad testen durfte.

Ab sofort steht das Lastenfahrrad mit Elektro-Hilfsmotor jedem kostenlos zur Verfügung, der möchte. Auf dem Sankt Johanner Markt einkaufen, alles in den Frontanhänger des Rades laden, bequem nach Hause fahren und anschließend das Rad wieder zurückbringen.

„In anderen Städten gibt es einen regelrechten Lastenfahrrad-Boom. Konstanz hat eine ganze Flotte davon, und sie werden sehr viel genutzt“, sagte Tommy Abel vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), der den Anstoß für das Projekt gab. „Wir wollen den Fahrradverkehr auch in Saarbrücken vorantreiben, und das Lastenfahrrad ist ein tolle Alternative. Vor allem durch den zusätzlichen Elektromotor sind auch die Berge in Saarbrücken kein Problem mehr“, sagte Thomas Fläschner, ebenfalls vom ADFC.

4400 Euro hat das Lastenfahrrad gekostet. 1500 Euro kamen als Förderung vom Wirtschaftsministerium, den Rest hat der Regionalverband bezahlt. Das Wirtschaftsministerium hat sogar ein eigenes Lastenfahrrad-Förderprogramm, bei dem Städte, Kommunen und Unternehmen Zuschüsse bekommen, wenn sie sich ein Lastenfahrrad anschaffen.

„Wir sehen das Ganze hier als Pilotprojekt und hoffen, es wird von der Bevölkerung angenommen. Wen dem so ist, werden wir unser Angebot erweitern. Vielleicht gibt es demnächst aber auch einen kommerziellen Anbieter der Fahrräder, so wie es in vielen anderen Städten Deutschlands der Fall ist“, sagte Peter Gillo.

Derzeit gibt es in ganz Deutschland etwa 50 000 Lastenfahrräder, von denen etwa zwei Drittel für Postdienstleitungen genutzt werden. Das erste Saarbrücker Lastenfahrrad wurde auf den Namen „Radlader“ getauft und kann in seiner aus recyceltem Kunststoff hergestellten Transportbox Einkäufe bis 100 Kilogramm transportieren. Die Gesamtmaßnahme dient dazu, das Fahrradfahren in Saarbrücken attraktiver zu machen.

„Vier Prozent aller Verkehrsteilnehmer in Saarbrücken sind Fahrradfahrer. In Münster sind es 43 Prozent und im holländischen Groningen sogar 60 Prozent. Als ich vor zwei Jahren nach Saarbrücken gezogen bin, gab es hier insgesamt zwei Lastenfahrräder. Heute sind es schon 20“, sagte Tommy Abel vom ADFC.

Marcus Del Fabro von der Regionalentwicklung im Regionalverband weiß: „Man kann eine Verkehrskultur, wie sie in Saarbrücken gewachsen ist, nicht von heute auf morgen ändern. Das braucht Zeit. Mit solchen Maßnahmen wie dem Lastenfahrrad sind wir auf einem guten Weg.“

Und das nächste Projekt des ADFC ist auch schon in Arbeit. Dabei handelt es sich um sogenannte Fahrrad-Garagen, die zentral platziert werden sollen und in denen Menschen ihr Fahrrader über Nacht stehen lassen können, ohne es aufwändig in die Wohnung mitschleppen zu müssen. Dieses Projekt steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Und der Zeitpunkt der Umsetzung ist noch nicht absehbar, wie der ADFC mitteilte.

Das kostenlose Lastenfahrrad „Radlader“ kann jedermann von Montag bis Samstag zwischen 9 und 20 Uhr beim ADFC Saar in der Evangelisch-Kirch-Straße 8 ausleihen. Eine Ausleihe über mehrere Tage ist nicht möglich. Telefonische Reservierung unter der Nummer (0151) 674 070 44.