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Football
Darth Vader und die andere Perspektive

Broke Dale (Nummer 12) hat für die Universität von Kalifornien gespielt. Sein Trainer war Dan Hawkins, der 2015 mit den USA Weltmeister wurde.
Broke Dale (Nummer 12) hat für die Universität von Kalifornien gespielt. Sein Trainer war Dan Hawkins, der 2015 mit den USA Weltmeister wurde. FOTO: Wayne Tilcock
Saarbrücken. Die Saarland Hurricanes haben einen neuen Spielmacher: Brock Dale kommt aus den USA. Er wechselte auch, um über den Tellerrand hinauszuschauen. Von Jonas Grethel

Als Kind war Brock Dale ein großer Star-Wars-Fan. „Als mich meine Mutter mit sieben in ein Football-Camp mitgenommen hat und ich dann zum ersten Mal diesen Helm aufgesetzt hatte, habe ich mich gefühlt wie Darth Vader. Da war mir klar, dass das mein Sport ist“, erinnert sich der neue Quarterback des Football-Zweitligisten Saarland Hurricanes. Nach dem Ausfall von Stamm-Spielmacher Alexander Haupert, der sich in der vergangenen Saison einen Kreuzbandriss zuzog, verpflichtete der Bundesliga-Absteiger erstmals seit einigen Jahren wieder einen Spielmacher aus dem Mutterland des Footballs für die gesamte Saison. Los geht diese am 21. April mit dem Spiel bei den Montabaur Fighting Farmers.


Für Dale ist es die erste Station im Ausland. Geboren im kalifornischen Greenbae nahe San Francisco entdeckte der 1,83-Meter-Mann in den Mannschaften seiner Schulen sein Talent für den beliebtesten Sport seines Heimatlandes. „Am Anfang habe ich immer in der Defensive gespielt, irgendwann aber festgestellt, dass ich den Ball auch ziemlich gut werfen kann“, erzählt der 24-Jährige. Es folgte die Ausbildung zum Spielmacher.

Dale wechselte mit 18 Jahren ans Long Beach City College und zwei Jahre später an die Universität von Kalifonieren  in Davis. „Dort habe ich im letzten Jahr unter Dan Hawkins trainiert, der 2015 mit den USA Weltmeister geworden ist. Ihn hatte ich vom Namen her schon lange vorher gekannt und es war natürlich großartig, mit ihm zusammenzuarbeiten“, erinnert sich Dale: „Ich habe viel von ihm gelernt – nicht nur sportlich, sondern auch die wichtigen Dinge im Leben. Er war eine große Inspiration.“



In Davis erlebte Dale als Kapitän seine erfolgreichste Zeit als Footballer. Mit dem „Big sky unsung hero award“, dem „Captain award“ und dem „Phil Wells teammate of the year award“ sammelte er nicht nur Auszeichnungen: Der damalige Wirtschaftsstudent bekam von seiner Universität wegen seiner unter Beweis gestellten Führungsrolle auf dem Platz mit 23 Jahren eine Trainerrolle angeboten. Darauf hatte der Quarterback aber keine Lust. Ein weiteres Jahr als Spieler sollte her, und das am besten so weit weg von zuhause wie nur möglich.

„Ich wollte einfach etwas Neues machen, mich als Mensch weiterentwickeln und Dinge erleben, die ich noch nicht erlebt habe“, sagt Dale: „Wenn man sein Leben lang in den USA lebt, hat man einen ziemlich einseitigen Blick auf die Welt – und ich will einfach mal eine andere Perspektive kriegen und neue Erfahrungen machen.“ Da passte das Angebot der Saarland Hurricanes wie bestellt. Nach einigen Gesprächen mit Neu-Trainer Joe Sturdivant, der sich laut eigener Aussage „einen Führungsspieler, der das Team auf dem Feld in die Verantwortung nimmt“ wünschte, war der Wechsel nach Europa perfekt.

Mit den Hurricanes schließt sich Brock Dale einer Mannschaft an, die 2017 den unerwarteten Absturz in die Zweitklassigkeit erlebte. Das spielte bei der Vereinssuche Dales, der neben seiner Tätigkeit auf dem Platz auch beim Training der Jugendmannschaften helfen soll, aber keine Rolle: „Ich weiß, dass es hier letztes Jahr nicht so gut gelaufen ist. Mehr interessiert mich aber auch nicht. Ich glaube sogar, dass es der richtige Zeitpunkt ist, hierher zu kommen. Der Verein muss in der zweiten Liga nochmal komplett von vorne anfangen und ich freue mich darauf, Teil dieses Neustarts zu sein.“

Wenn man Trainer Sturdivant Glauben schenkt, können sich die Hurricanes-Fans auf eine erfolgreiche Saison freuen: „Brock ist der am härtesten trainierende Spieler in der Mannschaft. Er wird ein Top-Teamspieler und mit seinen Führungsqualitäten, seiner Mentalität und seiner Disziplin eine richtige Verstärkung sein.“ Bis zur Rückkehr Hauperts wird Dale beim Projekt Wiederaufstieg der unumstrittene Spielmacher sein – wie es danach weitergeht, steht in den Sternen.