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Darf’s auf den Ämtern im Regionalverband Saarbrücken Französisch sein?

Sprachkompetenz in den Verwaltungen : Darf’s auf dem Amt Französisch sein?

Frankreichstrategie im Kleinen: Die Grenzkommunen haben Französisch sprechende Mitarbeiter, brauchen aber auch Übersetzer.

Parlez vous français? Von den zehn Städten und Gemeinden im Regionalverband Saarbrücken liegen vier an der Grenze zu Frankreich: Saarbrücken, Völklingen, Großrosseln und Kleinblittersdorf, wobei die beiden letztgenannten mit Petite-Rosselle (Kleinrosseln) und Grosbliederstroff (Großblittersdorf) sogar Namensvettern auf französischer Seite haben. Wir wollten wissen, wie es um die französische Sprachkompetenz in den Verwaltungen der Kommunen und des Verbandes bestellt ist. Gibt es eigene Übersetzer für Korrespondenzen mit oder Anfragen aus Frankreich? Oder gibt es Mitarbeiter, die gut Französisch sprechen?

In der Verwaltung der Landeshauptstadt, so Pressesprecherin Michaela Kakuk, arbeiten mehrere zweisprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „insbesondere im Bereich Internationale Beziehungen, der im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt ist“. Benötigen andere Fachämter Übersetzungen, dann gebe es in dringenden Fällen kollegiale Unterstützung, in der Regel würden Übersetzungen aber nur im Rahmen des eigenen Aufgabengebietes geleistet. Bei besonders umfangreichen oder fachspezifisch anspruchsvollen Übersetzungen werden externe Übersetzer eingesetzt. Und bei Sitzungen mit französischen Partnern in der Großregion, etwa im Städtenetz QuattroPole oder im Eurodistrict SaarMoselle, würden Dolmetscher eingesetzt, damit jeder in seiner Muttersprache reden könne.

Und in der Verwaltung des Regionalverbandes? Für deren  Pressestelle fasst Denny Sturm zusammen: „In der Regel können Übersetzungen von – zum Teil zweisprachigen – Mitarbeitern innerhalb der Abteilungen erledigt werden. Gegebenenfalls wird auch abteilungsübergreifend ausgeholfen.“ Speziell im Jobcenter des Regionalverbandes könne zudem eine Dolmetscher-Hotline genutzt werden. Auf Übersetzungsbüros greife man in den Bereichen Regionalentwicklung, Planung und Tourismus zurück, wenn es um größere Sitzungen oder umfangreiche Dokumente geht. 

Aber wo genau gibt es eigentlich Berührungspunkte der Regionalverbandsverwaltung mit der französischen Sprache? Dazu Sturm: „Der Fachdienst Regionalentwicklung und Planung arbeitet in mehreren Bereichen grenzüberschreitend und hat dadurch viele Berührungspunkte mit der französischen Sprache. Beispielsweise in den Bereichen Tourismus, Kultur und Planung. Auf Arbeits- und Verwaltungsebene ist der Regionalverband Saarbrücken zudem in der Commission Permanente im Eurodistrict Saar-Moselle vertreten.“ Zudem habe die VHS des Regionalverbandes zahlreiche Teilnehmer aus den grenznahen französischen Gemeinden. „Anfragen auf Französisch werden dann telefonisch, per Mail oder auch persönlich beim Zentralen Dienst der VHS vorgebracht.“ Des Weiteren habe auch das Jobcenter französischsprachige Kunden im Regionalverband. Auch die meisten anderen Fachdienste hätten hin und wieder Kontakt zu französischen Behörden, etwa in Fragen des Sorgerechts, des Infektionsschutzes oder auch bei der Jagd- und Waffenbehörde.

Und wie sieht es in der Verwaltung von Großrosseln aus? Hauptamtsleiter Eduard Rupp antwortet: „In der Gemeinde sind Mitarbeitende beschäftigt, die übersetzen können. Bei offiziellen Schreiben und Terminen wird auch auf Übersetzungsbüros zurückgegriffen.“ Zwischen Privatpersonen und Vereinen auf beiden Seiten gebe es ebenfalls Kontakte – die auch Corona nicht zum Erliegen bringen konnte.

Ganz ähnlich, sagt Silke Donner, ist es in der Gemeinde Kleinblittersdorf: „Wir haben Mitarbeiter, die Französisch können.“ Für wichtige Dokumente greife man auf ein Übersetzungsbüro zurück. In den Verwaltungen von Klein- und Großblittersdorf kennt man sich. So gibt es auch Treffen der Bürgermeister Reiner Lang und Pascal Weisslinger, der übrigens gut Deutsch spreche. Und die Verwaltungen unterstützen sich auch gegenseitig, wenn es zum Beispiel Anfragen an Unternehmen auf der jeweils anderen Seite der Grenze gibt.

Für die Stadt Völklingen schreibt Pressesprecher Sebastian Feß: „Grundsätzlich orientiert sich die Stadt Völklingen am Saarländischen Verwaltungsverfahrensgesetz, worin geregelt ist, dass die Amtssprache Deutsch ist. Dies bedeutet, dass der/die Bürger/in in solch einem Fall dafür Sorge tragen muss, dass eine Person anwesend ist, welche dolmetschen kann. Solche Fälle sind allerdings sehr selten.“

Auf Jobsuche bei grenznahen Verwaltungen? Französischkenntnisse können die Chancen erhöhen. Für die Verwaltungen selbst gibt es manchmal ministerielle Übersetzungshilfe.