Daniel Flormann wurde für seine Unterwasser-Fotografie ausgezeichnet

Kostenpflichtiger Inhalt: Geheimnisvolle Unterwasserwelten : Den schwimmenden Jägern auf der Spur

Der Saarbrücker Biophysiker Daniel Flormann (31) ist mit einem Branchen-Preis für seine Unterwasser-Fotografie ausgezeichnet worden.

Wer im Urlaub auf Kuba einen Tauchkurs belegt, freut sich meist auf hübsche Korallen oder bunte Südsee-Fische, die das karibische Meer bevölkern. Beim Anblick eines Hais würden dagegen die meisten sofort zurück ins Boot flüchten und für die nächsten Ferien vorsorglich einen Trip in die Alpen buchen.

Nicht so Daniel Flormann. Es sind Begegnungen wie diese, auf die er hofft, bei denen er mit seinen Objektiv ganz dicht heran geht. Dabei war das Verhältnis des Saarbrückers zu den gefürchteten Raubfischen am Anfang auch eher kompliziert. „Ich habe als Kind wohl zu früh ‚Der weiße Hai’ gesehen“, sagt er schmunzelnd. Diese Angst hat er aber inzwischen längst wieder verloren. Der 31-Jährige taucht seit seinem zwölften Lebensjahr, seit fast 15 Jahren geht er dabei am liebsten mit Haien auf Tuchfühlung – ohne Käfig, der ihn vor einem Angriff schützen könnte. Das sei aber auch gar nicht nötig, sagt er. In all der Zeit sei ihm noch nie etwas passiert, und das Gefühl, neben einem vier Meter langen Hai zu schwimmen, sei ohne Sicherheitsgitter ein völlig anderes.

Die Faszination für die Jäger und ihre Unterwasserwelt hat ihn dann schließlich auch zu seiner zweiten Leidenschaft geführt: der Fotografie. Eines der Bilder, die seither entstanden sind, wurde kürzlich von UnderwaterPhotography.com als bestes Foto in der Kategorie „Weitwinkel – marines Leben“ ausgezeichnet. Die Website war eine der ersten ihrer Art und ging bereits 1996 online, zu einer Zeit also, als viele noch nie etwas vom Internet gehört hatten. Dementsprechend groß ist die Community. Das Bild entstand ausnahmsweise beim Schnorcheln und zeigt keinen Hai, sondern ein amerikanisches Salzwasserkrokodil, das sich – mitsamt gefährlich spitzer Zahnreihen – in der Wasserunterfläche spiegelt. Aufgenommen hat es Flormann im kubanischen Jardines de la Reina, den „Gärten der Königin“ – einem Archipel, dessen Korallenriffe noch nahezu unberührt sind, weil es in einem Naturschutzgebiet liegt, wo die erlaubten Tauchgänge streng reguliert werden. Offiziell dürfen nur 1000 Taucher im Jahr die dortige Unterwasserwelt erforschen. Flormann ist regelmäßig dort und bietet sogar Touren an. Auf seiner Website SeaMoreExpeditions.com kann man ein Komplettpaket buchen. Zu dem kubanischen Atoll schreibt er: „Neben einigen Makro­lebewesen sind karibische Riffhaie und Seidenhaie praktisch garantiert.“ Die örtliche Tauchgenehmigung sei inklusive. „Dazu braucht man Kontakte“, teilt er auf Nachfrage mit.

Fotograf und Biophysiker Daniel Flormann Foto: Flormann. Foto: Daniel Flormann

Klimaforscher warnen seit langem vor den verheerenden Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Korallenriffe der Erde. Davon hat Flormann bisher an seinen liebsten Tauchorten noch nicht viel bemerkt – wohl aber von einem anderen Verbrechen gegen Natur und Umwelt: dem „Finning“, bei dem Haie gefangen werden, um ihnen die Flossen abzuschneiden. Getrocknet gelten diese in Asien als Delikatesse, das restliche Fleisch der Haie dagegen ist für die Fischer praktisch wertlos und wird zurück ins Meer geworfen. Die Tiere leben zu diesem Zeitpunkt noch, können aber nicht mehr schwimmen und verenden nach einem manchmal tagelang dauernden Todeskampf qualvoll. In den meisten Gebieten der Erde ist diese Praxis immer noch erlaubt oder wird kaum geahndet, obwohl jährlich schätzungsweise 100 Millionen Haie auf diese Art sterben und die Population immer weiter sinkt. Infolgedessen bekommt auch Flormann immer weniger Haie vor seine Linse.

Nach Kuba geht es wieder im April – jetzt ist aber erst einmal Herbst und Winter in Deutschland angesagt. In dieser Zeit sucht Flormann sich andere Motive und Beschäftigungen. Er verkauft seine Bilder auf seiner Website, ein Artikel von ihm über Jardines de la Reina erscheint demnächst in einer Fachzeitschrift, die nächste Ausstellung seiner Werke muss auch geplant werden. Und dann ist da ja noch sein eigentlicher Job: Er ist Biophysiker, beschäftigt sich an der Universität des Saarlandes mit dem Aufbau der Zelle und hat kürzlich promoviert. „Mein Herz hängt eben auch an der Wissenschaft“, antwortet er auf die Frage, ob er sich nicht vorstellen könnte, auszuwandern und auf Vollzeitbasis mit Haien zu tauchen. „Manche Sachen sollten einfach Hobby bleiben.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fotografien von Saarbrücker Fotograf und Biophysiker Daniel Flormann

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