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Hans Dahlem in der galerie am Staden
Dahlems Ziel: Das verborgene Wesen der Dinge ergründen

Blieskastel/Saarbrücken. Eine sehenswerte Retrospektive des bedeutenden saarländischen Malers Hans Dahlem in der Galerie am Staden.

In der „Retrospektive Hans Dahlem 1928 - 2006“ wirft Galerist Gernot Neuheisel einen schönen Blick auf die Entwicklung eines Malers, der die saarländische Kunstgeschichte entscheidend mitgeprägt hat. Denn Hans Dahlem gehörte nicht nur zu den ersten Schülern der „Schule für Kunst und Handwerk“, die im November 1946 den Lehrbetrieb in Saarbrücken aufnahm. Er hinterließ mit seinen Werken auch ganz individuelle, unverkennbare Spuren im Kunstgeschehen unserer Region. Schon früh hatte sich der 1928 in Blieskastel geborene Mann der Kunst verschrieben und allen abstrakten Strömungen zum Trotz seinen eigenen Stil entwickelt, der dem Gegenständlichen stets verbunden blieb. Sein Hauptthema, Bewegung und Veränderung, Wachstum und Zerfall wurde zwar vielfach in surreale Formen eingebettet. Doch es blieb stets als mikroskopischer Ausschnitt unserer Welt erkennbar.


Eindrucksvoll zeigt die aktuelle Ausstellung in der Galerie am Staden verschiedene Stadien seiner Entwicklung. Die ältesten Werke stammen aus den Jahren 1950 und 1955 und damit aus der Zeit, als ein Stipendium den Schüler des legendären Saarbrücker Professors Boris Kleint nach Paris an die „Académie de la Grande Chaumière“ und die „École des Beaux Arts“ führte. Während diese Gemälde noch Dahlems formale Verbundenheit mit dem damals herrschenden Kubismus spiegeln, offenbart die Farbgestaltung bereits eine ganz individuelle Handschrift: Blau herrscht vor und wird als Form und Struktur gebende Materie genutzt.

Nach seiner Rückkehr aus Paris im Jahr 1956 und der sich anschließenden freiberuflichen Tätigkeit als Maler und Grafiker brillierte Dahlem in zahlreichen Ausstellungen, war Mitglied des Saarländischen Künstlerbundes und der Pfälzischen Sezession. Doch im Jahr 1963 vollzog sich ein entscheidender Wandel in seiner Kunst, als er den Gedichtband „Taschenkosmogonie“ des surrealistischen, französischen Lyrikers Raymond Queneau (1903 bis 1976) kennenlernte. Fortan wurde „Kosmogonie“ zum immer wieder variierten Bildthema. In vielen der präsentierten Werke offenbart sich diese detailreiche Art der Darstellung.

Es geht um surreale Mikrokosmen, um Kleinstes wie Zellstrukturen, Wucherungen, Verästelungen, die an geologische Formationen, an Erdschichtungen, aber auch an Gebilde aus der Pflanzen- und Tierwelt denken lassen. Das Wesen der Dinge, das verborgene Sinnhafte zu ergründen, das offenbart sich hier ganz klar als Ziel seiner Kunst. Das zeigt sich nicht nur in vielen fantastischen, linienbasierten Blättern, sondern auch in imposanten Gemälden wie „Falkenturm“ oder „Teufelsmoor“, in denen die Farbe gleichsam als verdichtendes Element fungiert.

Auf Werken wie diesen gründet sich der Ruhm des saarländischen Künstlers, der zudem auch als brillanter Zeichner und Chronist aktiv war. So werfen die ausgestellten Saarbrücker Lithographien aus den späten 70er-Jahren einen aufschlussreichen Blick auf vergangene Ansichten. Und die ausgestellten Zeichnungen aus verschiedenen Jahren und Regionen zeigen Dahlem als topographisch genauen, meisterhaften Beobachter und Zeichner. So erschließt diese gelungene Retrospektive, die mit dem letzten Blatt aus dem Jahr 2006 endet, ein saarländisches Künstlerleben.



Retrospektive „Hans Dahlem 1928 - 2006“ (zum 6. April): Galerie am Staden, Bismarckstraße 62 in Saarbrücken. Geöffnet am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie am Donnerstag und Samstag von 9 bis 13 Uhr.