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Coronavirus-Krise im Saarland: Saar-Studierende helfen Bedürftigen

Hilfsaktion in der Coronakrise : Saar-Studierende helfen Bedürftigen

Der Asta der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft hat für eine Hilfsaktion in der Krise viele Mitstreiter mobilisiert.

Schon von weitem fällt am Dienstag in der ungewohnt leeren Stadt die Schlange von Menschen auf, die sich gegenüber des Saarbrücker Staatstheaters gebildet hat. Die meisten tragen Handschuhe und Mundschutz. Einige ältere Menschen mit Rollator sind dabei, darunter auch Gabriele Schuhler. Die Saarbrückerin wartet darauf, dass sie auf dem Gelände der evangelischen Kirchengemeinde St. Johann Lebensmittel und Hygieneartikel abholen kann. Sonst geht sie dafür zur Saarbrücker Tafel am Burbacher Markt, aber die ist seit 16. März wegen der Coronakrise geschlossen. Rund 3000 Menschen im Regionalverband werden dort normalerweise versorgt, sagt die Pressestelle der Einrichtung.

 „Die Tafel kann in ihren Räumlichkeiten nicht garantieren, dass der erforderliche Abstand eingehalten wird. Wir können das hier im Freien schon. Daher haben wir von Oberbürgermeister Uwe Conradt eine Sondergenehmigung für die Ausgabe bekommen“, erklärt Silke Portheine, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde St. Johann. Immer dienstags und freitags werden seit Ende März Tüten mit Milch, Nudeln und Keksen, aber auch frische Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben.

Die Kirchengemeinde erhält dabei Unterstützung aus der Saarbrücker Studierendenschaft: Der Asta der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat über die sozialen Medien dazu aufgerufen, der Gemeinde bei ihrer Aktion „Care-Pakete für Hilfsbedürftige“ zu helfen. Die Resonanz sei überwältigend, sagt der Asta-Vorsitzende Elias Friedrich. „20 Helfer stehen bereit und teilen sich die Arbeit an den beiden Ausgabetagen auf. Und es werden immer mehr“, so Friedrich. Es hätten sich Leute aus Homburg und von noch weiter weg gemeldet und bereit erklärt, nach Saarbrücken zu kommen, um zu helfen, sagt Friedrich. Auch Klaus Rößler, Student der Sozialwissenschaften an der HTW, hat bei seinen Kommilitonen Werbung für die Hilfsaktion gemacht. „Um den logistischen Rahmen kümmert sich die Kirchengemeinde, sie holen die Lebensmittel ab, führen Listen und stellen den Ort. Wir koordinieren unsere Helfer, packen die Tüten und geben sie aus“, erklärt Rößler.

Ein Teil der Lebensmittel werde mit Spendengeldern gekauft, der Rest vom Warenhaus Globus in Güdingen gespendet, erklärt Herwig Hoffmann, Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde. Die Krise bringe viele Menschen in finanzielle Schwierigkeiten. Die Gemeinde wolle helfen und habe deshalb die Aktion gestartet. Etwa 70 Bedürftige seien am vergangenen Freitag da gewesen, sagt Friedrich. Der Andrang nehme von Mal zu Mal zu. „Letzte Woche hatten wir noch Reste, heute sieht es nicht danach aus“, sagt Gianna De Fazio. Sie ist Dozentin an der Musikhochschule Saarbrücken. Ich bin letzte Woche hier vorbeigekommen und habe mich entschieden mitanzupacken“, so die 27-Jährige.

 „Ich bewundere die Menschen, die das hier für uns tun“, sagt Gabriele Schuhler. Sie ist verwitwet und lebt von der Grundsicherung. Das Geld reicht nicht, um sich ohne die Tafel zu versorgen. Schuhler gehört zur Risikogruppe und muss besonders vorsichtig sein. Dennoch kommt sie selbst zur Ausgabe. „Die Menschen hier halten Abstand. Da mache ich mir keine Sorgen“, sagt sie. Nur fünf Personen dürfen gleichzeitig auf das Gelände der Kirchengemeinde, darauf wird streng geachtet. Sie werden nach und nach eingelassen. Alle Helfer tragen bei der Ausgabe Masken und Handschuhe.

Auch Laura Pecorino, Lehrerin an einer Saarbrücker Gemeinschaftsschule, verteilt an diesem Tag Joghurts, Wurst und andere frische Lebensmittel. „Die Menschen sind dankbar. Die allermeisten sind sehr zurückhaltend und nehmen lieber zu wenig als zu viel, weil sie niemandem etwas wegnehmen möchten.“

In der Schlange steht auch Judith Gier. Die Alleinerziehende hat zwei ihrer drei Kinder dabei. Ihr Sohn freut sich über den Osterhasen in der Tüte. Nach der Trennung von ihrem Partner rutschte die Hebamme in Hartz 4. „Ich war von jetzt auf gleich auf Hilfe angewiesen“, so die Saarbrückerin. Sie sei das erste Mal bei der Ausgabe, Freunde unterstützten sie. „Ich sehe das hier auch als eine Möglichkeit mich selbst zu versorgen.“ Sie sagt, mit den Anderen anzustehen, sei für sie auch eine gute Erfahrung. „Zu sehen: Wir sind alle gleich, niemand hat Schuld an seiner Bedürftigkeit. Das stecken viele verschiedene Lebensgeschichten dahinter“, sagt Gier. Sie sei zuversichtlich nach der Krise wieder eine Anstellung zu finden. „Ich denke, diese Krise kann uns helfen, zu einem neuen Wir zu finden. Dafür muss man sich nicht mögen, nur akzeptieren.“