1. Saarland
  2. Saarbrücken

Corona: Saarland will Lohnersatz für Ungeimpfte schnell stoppen

Im Quarantäne-Fall : Saarland will Lohnersatz für Ungeimpfte schnell stoppen

Eine finanzielle Entschädigung für Ungeimpfte in Quarantäne soll nach den Plänen der Saar-Koalition schon Ende des Monats nicht mehr gezahlt werden.

Das Saarland wird voraussichtlich schon in Kürze keine Lohnfortzahlung mehr für Menschen übernehmen, die in Quarantäne müssen, aber nicht gegen Corona geimpft sind. Das Gesundheitsministerium wird dem Ministerrat nach den Worten von Staatssekretär Stephan Kolling (CDU) vorschlagen, dass die bisherige Praxis am 27. September, also in knapp zwei Wochen, endet. Er begründete dies damit, dass dann jedem ein Impfangebot gemacht worden sei. Lohnersatz werde das Saarland dann nur noch in Fällen zahlen, in denen eine Impfung nicht möglich sei.

Die Regierungsfraktionen CDU und SPD hatten sich bereits für ein Ende des Lohnersatzes für Ungeimpfte ausgesprochen, sodass eine Entscheidung im Ministerrat als Formsache erscheint.  Linke und AfD warnen vor zusätzlichem Druck auf ungeimpfte Menschen. Laut Kolling hat das Land bisher 20 000 Anträge auf Lohnersatzleistungen in Fällen von Quarantäne geleistet und dabei knapp 17 Millionen Euro ausgezahlt.

Für die kommenden Wochen kündigte Kolling an, alles für eine Steigerung der Impfquote von derzeit 73 Prozent zu tun. 14 mobile Teams seien im Land unterwegs, etwa in Pflegeheimen, Behinderten-Einrichtungen, Brennpunkten, Moscheegemeinden, Hochschulen und Schulen. Ein Team bestehe aus Mitarbeitern, die sich mit Zuwanderern in ihrer Muttersprache unterhalten können. Kolling appellierte, bis 30. September könne man sich in den vier Impfzentren ohne Termin impfen lassen. Erstmals wies das Gesundheitsministerium die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag differenziert nach Impfstatus aus. Demnach liegt die Inzidenz bei Voll-Geimpften und Genesenen bei 12,4 je 100 000 Einwohner, bei Ungeimpften bei mindestens 135. Das zeige, dass die Impfung wirksam sei.

Sorgen bereiten Kolling indes Impfdurchbrüche bei Geimpften. In den Pflegeheimen, wo knapp 80 Prozent aller Bewohner vollständig geimpft sind, sind derzeit 27 Bewohner infiziert, darunter 23 vollständig Geimpfte. Von den derzeit 18 infizierten Beschäftigten seien sieben komplett geimpft. Kolling sagte, es handele sich um milde Krankheitsverläufe – das sei ein Erfolg der Impfkampagne. Bisher haben demnach 378 Bewohner die dritte Impfung erhalten. Bis 11. November sollen die Dritt-Impfungen beendet sein.

Eine „tolle Perspektive“ nannte Kolling es, dass das Unternehmen Biontech sich bald um eine Zulassung seines Impfstoffes für Fünf- bis Zwölfjährige bemühen will. Kinder-Impfungen sind in der Landespolitik allerdings stark umstritten: Die Linke hält sie für unverantwortlich.