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Corona-Krise verschärft Überschuldung im Regionalverband Saarbrücken

Armut im Regionalverband : Corona treibt die Schulden hoch

Die Folgen der Pandemie treffen Tausende Haushalte im Regionalverband. Vor allem in Saarbrücken und Völklingen. Aber es gibt Hilfe.

Entlassungen, Kurzarbeit für Zehntausende, Einkommensverluste: Die Negativnachrichten reißen nicht ab. Seit Beginn der Corona-Krise im März haben sich die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt im Regionalverband Saarbrücken verdüstert wie seit Jahrzehnten nicht. Das reißt Löcher in viele Haushaltskassen.

Und das in einer Region, in der bereits vor der Pandemie Tausende von Haushalten überschuldet waren. Der deutschlandweite „Schuldneratlas“ der Wirtschaftsauskunftei Creditreform weist schon für 2019 im Regionalverband tiefrote Zonen aus, wo die Zahl der überschuldeten Haushalte am höchsten ist. Betroffen sind die großen Stadtteile Saarbrückens und ganz Völklingen.

Die Lage hat sich angesichts der dramatischen Daten vom Arbeitsmarkt mit Sicherheit weiter verschlechtert. Der nächste Schuldneratlas der Creditreform dürfte dies im November zeigen.

Allein gelassen mit ihren Problemen sind überschuldete Menschen nicht. Wer mit seinem Geld nicht mehr über die Runden kommt, findet selbst in Corona-Zeiten Hilfe. Zum Beispiel in der Saarbrücker Ursulinenstraße. Dort ist die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale Saarland zu finden. Matthias Wafzig arbeitet dort. Er rät allen, die jetzt in Schwierigkeiten geraten sind, sich rasch Hilfe zu suchen. Noch versuchten viele, ihre Situation selbst in den Griff zu bekommen – und kämen dann doch zu den Schuldnerberatungsstellen. „2021 erwarten wir auf jeden Fall einen Zuwachs“, sagt Wafzig. Und das bei jetzt schon 200 bis 300 neuen Fällen pro Jahr und Beratungsstelle.

„Am ehesten hapert es bei Krediten, die Menschen nicht mehr bedienen können, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren“, sagt Wafzig. Er nennt hohe Rechnungen, Nachzahlungen und Nebenkosten als weitere Möglichkeiten, warum so viele Haushalte in Geldnot zu geraten. Erst recht, wenn plötzlich wegen Kurzarbeit in Corona-Zeiten große Teile der Einnahmen wegbrechen.

Und sowieso, wenn Knall auf Fall Pandemie-bedingt der Arbeitsplatz weg ist. Betroffene waren schon bei den Beratern in der Ursulinenstraße. Zum Beispiel, weil kleine Unternehmen, in denen sie beschäftigt waren, schließen mussten. Dabei sind Helfer wie Wafzig selbstverständlich nach wie vor für jene da, die schon lange verschuldet sind und jetzt dieses Problem lösen wollen. Und für Notfälle, die es immer schon gab, stehen die Berater genauso bereit. Männer und Frauen geraten ja nach wie vor in Not, wenn plötzlich der Partner stirbt oder eine Scheidung das private Finanz-Gefüge einstürzen lässt. Solches Leid sei durchgängig geblieben. Auch in einer Zeit, die so viele wegen der Angst vor dem Virus und wegen der Einschränkungen zusätzlich stresst.

Wer jetzt Rat bei der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale sucht, hat Wafzig zufolge mit einer Wartezeit von sechs bis acht Wochen zu rechnen. In der Beratungsstelle gelten die üblichen Vorkehrungen gegen eine Virus-Weitergabe, sei es die Maskenpflicht oder die Desinfektion der Hände.

Waffzig appelliert an alle, die in Geldschwierigkeiten stecken, gerade jetzt in die Beratungsstellen zu gehen – und nicht zu warten. „Unsere Botschaft ist immer: Früh kommen, damit man früh noch gucken kann. Warten Sie nicht, bis der Gerichtsvollzieher kommt und der Strom abgestellt wird.“