Claudia Kohde-Kilsch verlässt die Linkspartei

Saarbrücker Stadtrat : Kohde-Kilsch verlässt Linken-Stadtratsfraktion

„Auf dem Platz und im Stadtrat die Nummer eins“ – mit diesem Slogan haben die Saarbrücker Linken im Kommunalwahlkampf für ihre Spitzenkandidatin Claudia Kohde-Kilsch geworben. Eine Amtsperiode, also fünf Jahre lang, war die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin aus Saarbrücken Vorsitzende der Linken im Stadtrat.

Im Mai wurde sie erneut für fünf Jahre in den Rat gewählt. Nummer eins der Linken will sie nun aber nicht mehr sein. Sie will überhaupt keine Nummer mehr sein in der Linken-Stadtratsfraktion. Sie hat die Fraktion verlassen, teilte die 55-Jährige am Dienstag mit.

Ob sie auch die Partei verlässt und sich einer anderen Fraktion im Saarbrücker Stadtrat anschließt, sei noch offen, sagt Kohde-Kilsch. Klar sei dagegen: „Ich bleibe als Stadtverordnete im Saarbrücker Rat.“

Das hält die Linken-Fraktion für inakzeptabel. „Entweder macht sie ihren Schritt ungeschehen und kehrt zur Fraktion zurück, wo sie nach wie vor herzlich willkommen ist; oder sie muss ihr Stadtratsmandat abgeben, das sie als Spitzenkandidatin der Partei Die Linke und amtierende Fraktionsvorsitzende errungen hat“, schreibt der stellvertretende Linken-Kreisvorsitzende und Stadtverordnete Manfred Meinerzag. „Ein Festhalten am Mandat ohne Mitarbeit in der Linksfraktion wäre eine Täuschung von Wählerinnen und Wählern“, sagt er. Kohde-Kilsch müsse ihr Mandat auch abgeben, weil sie „ausschließlich persönliche und keinerlei politische Gründe für ihren Schritt genannt“ habe.

Kohde-Kilsch sagt, sie wolle die Arbeit, für die sie gewählt wurde, fortsetzen. Aber: „Der Umgang untereinander in der Partei Die Linke missfällt mir bereits seit längerer Zeit und entspricht nicht mehr meinen Vorstellungen von ehrenamtlicher Kommunalpolitik.“ „Eine konzentrierte inhaltliche Arbeit“, insbesondere im sozialen Bereich, gestalte „sich jedoch in der Linkspartei schon seit längerem schwierig, was vor allem zwischenmenschlichen Gründen geschuldet“ sei. „Ich bin in die Politik gegangen, um mich den Problemen der Menschen zu widmen und nicht, um mich an parteiinternen Problemen abzuarbeiten“, sagt Kohde-Kilsch.

Sie bleibe im Stadtrat, weil sie sich „in der Verantwortung sieht, für eine soziale Politik zu kämpfen“. Wichtige Ziele seien unter anderem die Abschaffung der Kita-Beiträge sowie der Erhalt der Schwimmbäder und guter Sportstätten. Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber: „Um klarzusehen, reicht oft ein Wechsel der Blickrichtung.“

Alexander Hold Foto: Sebastian Kahnert/dpa. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Bereits kurz nach ihrer „Mitteilung in eigener Sache“ gab es die erste Interessenbekundung an einer Mitarbeit. Der als Fernsehrichter bekannt gewordene Landtagsabgeordnete der Freien Wähler in Bayern, Alexander Hold, sieht seine Partei als eine gute neue politische Heimat für die Saarbrückerin. Die von Kohde-Kilsch genannten Anliegen seien auch Anliegen der Freien Wähler. „Abschaffung der Kita-Beiträge, Erhalt der Schwimmbäder und soziale Gerechtigkeit – das liest sich wie das Programm der Freien Wähler Saar“, schreibt Hold auf der Internetplattform Facebook. „Bei unserem nächsten Charity Curling in Oberstdorf können wir ja gerne mal eine politische Diskussion einschieben“, antwortete ihm Kohde-Kilsch. Das findet Hold gut: „Erst die Steine, dann die politische Diskussion anschieben.“

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