Christine Pape ist Umweltschutztechnikerin beim ZKE in Saarbrücken

Porträt : Sprengstoff entpuppte sich als Fensterkitt

Christine Pape ist Umweltschutztechnikerin beim ZKE. Sie passt auf, was im Wertstoffhof in die Container wandert.

Sie kennt sich mit fast allem aus, was die Menschen im Regionalverband Saarbrücken wegwerfen – denn Christine Pape ist staatlich geprüfte Umweltschutztechnikerin. Und „Am Holzbrunnen“, im größten Saarbrücker Wertstoffhof des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebs (ZKE), ist sie die Fachfrau für sämtliche Wertstoffe. Das reicht von der kleinen Batterie bis hin zur großen Tiefkühltruhe oder zur riesigen Bauschuttwanne.

Aber manchmal ist auch sie tatsächlich ratlos. „Einmal hat jemand eine Tüte mitgebracht und behauptet, darin könnte Sprengstoff sein. – Ja, das ist tatsächlich vorgekommen“, bekräftigt sie. Sie wusste sich zu helfen: „Ich habe dann bei der Polizei angerufen, und der ,Sprengstoff‘ hat sich dann als Fensterkitt oder Ähnliches entpuppt.“ Von da an ging es dann wieder pragmatisch weiter: Getrennt von der Plastiktüte war der vermeintliche Sprengstoff als Bauschutt zu entsorgen.

Fast ohne Umwege hat sich die Mittvierzigerin in ihr aktuelles Tätigkeitsfeld als Entsorgerin begeben. Drei Jahre Lehrgang in Lebach, eine schulische Ausbildung, wie sie sich erinnert. Zwischenzeitlich war sie dann für ein gewerbliches Entsorgungsunternehmen tätig. „Zuerst wollte ich Bau-Ingenieurin werden, das war mir dann aber zu stramm.“

Also kümmert sie sich seit sieben Jahren am Hammergraben um die Logistik, die An- und Abfuhr der Container, den Fuhrpark, das Personal und vieles mehr. Wenn es sein muss, fährt sie auch mal selbst den Gabelstapler. Auch für das städtische Öko-Mobil des ZKE ist sie zuständig. In einem Handwerksbetrieb wäre Pape wohl in der Position eines Meisters für die 15-köpfige Belegschaft.

Meist schafft es die Umweltschutztechnikerin, dass den Bürgern der Besuch im Wertstoffhof in positiver Erinnerung bleibt. „Gelegentlich gibt es aber auch Ärger, meist geht es dann um die Entsorgungsgebühr“, berichtet sie.

Dinge wie Altglas, Metalle, Leuchtstoffröhren, Elektroschrott dürfen die Bürger kostenlos da lassen – auch Kühlschränke (maximal zehn Elektrogeräte) und Sperrmüll bis zu einem Kubikmeter pro Tag. Selbst problematischer Müll wie Lacke, Fotochemikalien, Säuren, Laugen und gefüllte Spraydosen – alles kostenlos in haushaltsüblichen Mengen.

Unter den verbleibenden kostenpflichtigen Materialien wird es bei Baumischabfällen am teuersten: 70 Euro pro Kubikmeter. Die einzelnen Container müssen die Anlieferer selbst herbeifahren, und das meiste muss auch selbst abgeladen und in die Container geworfen werden. Und wo – vor allem mit Anhängern – rangiert wird, da gibt’s auch mal Blechschaden.

Erst recht am Wochenende, wenn die meisten Kunden ihr Zeugs loswerden wollen. Pape: „Der eine fährt vorwärts, der andere rückwärts – und schon scheppert’s.“ Übrigens gibt es in der Halle auch einen Betonpfeiler, der schon des öfteren angefahren wurde.

Die Belegschaft hat davor ein lebensgroßes Holzmännchen in Warnweste postiert: „In der Hoffnung, dass das besser gesehen wird, als der Pfeiler.“ Wird es zwar, dennoch war der Betonpfeiler immer noch nicht ausreichend gesichert: „Also haben wir noch ein Stahlgeländer montiert.“

Das Holzmännchen kommt aber prima an. Und weil er wie ein Hotelpage die Hand aufhält, finden die Bediensteten auch ab und an ein kleines Trinkgeld vor.

Wer Grünschnitt anliefert, muss nicht in die Halle. Bis zu drei Container fahren sie täglich vom Holzbrunnen zur Kompostieranlage nach Gersweiler. Nicht bevor eine riesige Rollenwalze, die vermutlich auch prima in die Mad-Max-Filme gepasst hätte, Laub und Äste verdichtet hat. Pape: „Sonst würden wir ja jede Menge Luft durch die Gegend karren.“

Übrigens engagiert sich die unverheiratete, aber fest liierte Pferdebesitzerin auch in der Freizeit für ihren ZKE – und zwar im Drachenboot-Team des ZKE.

Der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) unterhält Wertstoffhöfe „Am Holzbrunnen“ und in der Wiesenstraße. Eine Wertstoffinsel gibt es in Dudweiler an der Schlachthofstraße, eine Grünschnitt-Annahmestelle am Bauhof Brebach beim Rathaus in der Kurt-Schumacher-Straße. Die beiden Wertstoffzentren sind werktags ab 9 Uhr geöffnet, donnerstags und freitags bis 17.45 Uhr, sonst bis 16.45 Uhr. Samstags ist von 8 bis 13.45 Uhr offen.

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