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Christian Hertel von Saar 05 Saarbrücken hat auch beim SFV von Corona zu tun

Fußball-Saarlandliga : Wenn die Tochter plötzlich der Trainer ist

Christian Hertel ist doppelt von der Corona-Krise betroffen. Als Stürmer kann er wegen der Zwangspause nicht für Saar 05 Saarbrücken auf Torejagd gehen. Als Mitarbeiter des Fußball-Verbands hat er mit allerlei Fragen rund um die Auswirkungen der Pandemie zu tun.

Christian Hertel ist mit acht Toren der treffsicherste Stürmer des Fußball-Saarlandligisten Saar 05 Saarbrücken. Obwohl wegen der Corona-Krise der Ball ruht, hat sich für den Torjäger nicht viel geändert. Normalerweise bekommt er von Trainer Timon Seibert Anweisungen, die er auf dem Platz umzusetzen hat. Während der Corona-Zwangspause übernimmt in den eigenen vier Wänden diesen Job Matilda. Die eineinhalb Jahre alte Tochter hat bei den Hertels das Sagen. „,Papa, komm wir spielen.’ Wenn dieser Satz fällt, bleibt einem eigentlich keine Wahl. Die junge Dame fordert die Aufmerksamkeit ein“, sagt Christian Hertel – und lacht.

Seine Frau arbeitet im Krankenhaus. Christian Hertel ist Sportökonom. Er arbeitet seit drei Jahren für den Saarländischen Fußball-Verband (SFV), hat dort die Stelle des sogenannten DFB-Masterplankoordinators. Derzeit arbeitet er von zuhause aus. „Normalerweise bringe ich Matilda morgens zur Kita und sehe sie erst am Abend wieder. Seit vier Wochen sehen wir uns den ganzen Tag. Ich genieße die Zeit, auch wenn es hier und da ein bisschen stressig wird“, sagt der gebürtige Ensheimer, der mit seiner Familie in Bübingen wohnt.

Mehrmals pro Woche gibt es Videokonferenzen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Wie geht es im Amateurfußball weiter? Wird die Saison zu Ende gespielt oder abgebrochen? „Wir sind in einer extremen Situation. Es weiß keiner, wann wieder gespielt werden kann. Ich persönlich glaube nicht, dass wir im nächsten Monat wieder spielen werden“, sagt Hertel. Und der SFV-Mitarbeiter ergänzt: „Wir haben im Saarland ja noch die Besonderheit mit den vielen Franzosen, die bei uns spielen. Wenn diese weiter Ausgangssperre haben und wir fangen wieder an zu spielen, wäre das vielleicht sogar Wettbewerbsverzerrung.“ Und der 29-Jährige sagt: „Es ist alles sehr kompliziert. Wir halten uns in erster Linie an die Vorgaben der Gesundheitsbehörden.“

Als Jugendspieler hat Hertel bei der DJK Ensheim angefangen. In der C-Jugend wechselte er zum SV Auersmacher. Dort blieb er zwölf Jahre und wurde 2009 Saarlandliga-Meister – mit dem heutigen Nationalspieler Jonas Hector. 2014 wechselte Hertel zu Saar 05 und stieg mit den Saarbrückern gleich in die Regionalliga auf. „Das war ein spannendes Jahr. Wir haben sehr viele Spiele verloren. Aber vor 9000 Zuschauern gegen den 1. FC Saarbrücken oder bei den Offenbacher Kickers zu spielen, ist etwas Besonderes. Bei manchen Auswärtsspielen waren wir von Freitagnachmittag bis spät in die Nacht zum Sonntag unterwegs. Regionalliga ist schon ein hartes Geschäft“, blickt der 29-Jährige zurück.