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Charmante Hinterhof-Feste in der Mainzer Straße in Saarbrücken

Mainzer Straße : Im Vordergrund die Hinterhöfe

Mit ganz besonderem Charme können die Hoffeste in der Mainzer Straße aufwarten – überall gibt es etwas zu entdecken.

Kunst, Kultur, Musik, Tanz, Sonnenschein – und das ganze gepaart mit einem ganz besonderen Hinterhof-Charme. Die Feste in diesem Jahr in Saarbrücken werden es schwer haben, an das extravagante und exklusive Flair der 11. Hoffeste in der Mainzer Straße heran zu kommen. Am 1. Mai kamen bei herrlichem Wetter etwa 5000 Menschen in die Mainzer Straße und feierten in den ansonsten verschlossenen Hinterhöfen.

„Es ist einfach richtig gemütlich hier. Überall gibt es etwas zu entdecken. Wir verbringen den ganzen Tag hier“, sagte Mark Schmidt, der mit seiner Familie aus Saarlouis nach Saarbrücken kam. Ein Lob für die tollen Feste, das Ewald Blum und Gerd Leidinger runter ging wie Öl. Ohne die beiden würde es diese Feste nämlich nicht geben, und ohne die beiden wäre die Mainzer Straße wohl immer noch in ihrem Dornröschen-Schlaf.

Ende der 1990er Jahre blickte man in den Abendstunden der kalten Jahreszeit vom St. Johanner Markt in die Mainzer Straße wie in ein schwarzes Loch. „Es war schlimm damals. Die Beleuchtung war eine Katastrophe. Das Weihnachtsgeschäft fand so gut wie nicht statt. Die Menschen hatten schon fast Angst, in die Mainzer Straße zu gehen“, blickt Gerd Leidinger zurück. Damals standen etwa 60 Prozent der Ladengeschäfte in dem Quartier leer. Und was noch schlimmer war: die Einwohner und Nachbarn kannten sich untereinander nicht. „Es fehlte an allen Ecken und Enden an Lebensqualität. Wir wollten das unbedingt ändern“, sagt Ewald Blum.

Leidinger und Blum fingen an, die Leute untereinander bekannt zu machen. Ein erstes Nachbarschaftsfest wurde auf die Beine gestellt – das Vorgängerfest der heutigen Hoffeste. Schnell wurde aus den Bewohnern der Mainzerstraße ein richtiger Haufen und man kannte sich untereinander. Der Verein Quartier Mainzer Straße wurde gegründet, und seit dem geht es steil bergauf. Die Straße bekam eine neue Beleuchtung, die Vereinsmitglieder gingen auf Marketing-Tour, um ihr Quartier wieder attraktiver zu machen. „Die Hinterhöfe in unserer Straße sind richtige Schätze mit historischem Hintergrund. Dort gab es früher viele Handwerksbetriebe und Viehhaltung“, erklärt Gerd Leidinger.

Heute leben in dem Quartier, das begrenzt wird von der Großherzog Friedrich-, der Bleich-, Bismarck-, Graf Johann-, Heinrich-Böcking- und Hellwigstraße, mehr als 5000 Menschen. Nirgendwo sonst in Saarbrücken ist die Dichte an Künstlern und kulturschaffenden Menschen so hoch wie im Quartier Mainzer Straße. „Leerstehende Geschäfte gibt es nicht mehr. Unser Viertel ist wieder richtig attraktiv geworden. Es hat sich sehr viel getan, darauf können wir alle stolz sein“, sagte Gerd Leidinger, der zweiter Vorsitzender des Quartier-Vereins ist.

Ohne Ewald Blum (links) und Gerd Leidinger würde es die Hoffeste nicht geben und die Mainzer Straße wäre wohl immer noch eine graue Maus. Foto: Heiko Lehmann

Mit Spenden und dem Erlös aus Festen hat der Verein im vergangenen Jahr das Großprojekt der hübschen Baumbeleuchtungen realisiert. In den kommenden Jahren soll es mit weiteren Maßnahmen weiter gehen. Gerd Leidinger gefällt die Aufenthaltsqualität in der Mainzer Straße nicht. „Parkzonen an den Straßenrändern könnte man, wie in Köln, mit Stühlen und Tischen bestücken, wo man sich hinsetzen und was essen kann. Wir müssen die Straße mehr für Fußgänger einbinden. Die Autos müssen langsamer fahren und es muss ein Zusammenspiel zwischen Autofahrern und Fußgänger geben. In Barcelona funktioniert das wunderbar“, sagt der 66-Jährige. Die Aufenthaltsqualität bei den elften Hoffesten in der Mainzer Straße fanden gestern tausende von Menschen ganz toll und sie wollen alle wieder kommen, wenn im kommenden Jahr am 1. Mai die zwölften Hoffeste beginnen.