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Wirtschaft
Chancen für Menschen mit wenig Aussicht auf Ausbildung oder Job

Rolladen Kessler in Dudweiler hat  den Deichmann-Förderpreis gewonnen. Unser Bild zeigt: (v.l.)   Auszubildender Fabian Gau, Geschäftsführer Helmut Kessler und Prokurist Tim Alt.     
Rolladen Kessler in Dudweiler hat den Deichmann-Förderpreis gewonnen. Unser Bild zeigt: (v.l.)  Auszubildender Fabian Gau, Geschäftsführer Helmut Kessler und Prokurist Tim Alt.    FOTO: BeckerBredel
Dudweiler. Von Becker & Bredel

Über den Fachkräftemangel zu jammern, das hat die Firma Rollladen Kessler längst aufgegeben und verfolgt eine ganz eigene Strategie.


„Wir geben Menschen eine Chance, die auf dem Arbeitsmarkt nur schwer Aussicht auf einen Job haben“, sagt Prokurist Tim Alt und berichtet von gezielten Einstellungen von Migranten oder deutschen Jugendlichen mit schwieriger Familien- oder Krankheitsgeschichte.

Das ganze sei nicht ohne Rückschläge, lohne sich aber in der Gesamtschau für das Handwerksunternehmen, weil man zahlreiche langjährig treue und loyale Mitarbeiter auf genau diese Weise gewonnen habe. „Natürlich ist das schon schiefgegangen, aber man darf sich nicht zurückwerfen lassen, wenn einer der jungen Leute abspringt“, sagt Katharina Frings, die Frau von Unternehmenschef Helmut Kessler.



„Wir haben einen jungen Mann eingestellt, der durch ein  Krebsleiden in der Jugend viel Schulzeit versäumt hat und sehr introvertiert war. Er hat sich in der Ausbildung prächtig entwickelt“, sagt Frings, die immer wieder Menschen eine Chance gibt, deren Bewerbungen bei anderen Firmen von vornherein durchs Raster fallen.

Die Firma hat für ihr Engagement gerade den Deichmann Förderpreis für vorbildliche Integration gewonnen (wir berichteten). „Da wurde das Migrantenthema betont. Wir machen aber viel mehr“, sagt Kessler und sieht in seiner Rekrutierungsmethode einen Weg, um an besonders loyale Mitarbeiter heranzukommen.

„Einer unserer besten Monteure hatte keine abgeschlossene Ausbildung, als er zu uns kam. Wir haben ihn intern angeleitet und zu vielen Schulungen geschickt. Er ist heute einer der wichtigsten Mitarbeiter. Einen Gesellenbrief hat er immer noch nicht. Aber er beherrscht sein Handwerk“, sagt Kessler, der auch einen Bäcker im Team hat. Hier sei es ähnlich gewesen.

„Wir machen das natürlich, weil wir unter Fachkräftemangel genauso leiden, wie andere Unternehmen auch. Aber wir investieren ungebrochen in Ausbildung und das ist für uns ein vielversprechender Weg“, sagt Prokurist Tim Alt, der genau weiß, dass sich junge Leute nicht vorrangig als Rolladenmonteur bewerben, wenn sie die Schule verlassen.

Sozialministerin Monika Bachmann besuchte die Firma kürzlich und lobte das Engagement, das sich fortsetzen wird. Die drei Firmenchefs wollen am bisherigen Kurs auf jeden Fall festhalten. Rollladen Kessler hat heute 40 Beschäftigte in Dudweiler und in einem Ladenlokal in der Innenstadt von Saarlouis.

„Wir haben vor genau 50 Jahren klein angefangen. Mein Vater hatte in Heusweiler-Holz das Lager in der Garage und das Büro im Wohnzimmer. Seit 2010 sind wir in Dudweiler. Und das Besondere ist, dass wir viele Mitarbeiter haben, die unserer Firma seit Jahrzehnten treu sind“, sagt Kessler.

Er führt genau diesen Umstand darauf zurück, dass sich seine Firma so intensiv um das Menschliche bemühe. Dazu gehört auch, dass man am Berufsschulstandort Pirmasens eine möblierte Wohnung für den Blockunterricht der Azubis angemietet hat. „Die sind oft erst 16 und haben keinen Führerschein. Wir kennen aber eine ältere Dame, die bringt den Firmennachwuchs unter“, sagt Alt.