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Caritas-Auszubildende berichten über die Lehre während Corona

Pflegeschüler berichten : Corona: Herausforderung für Ausbildung

Auszubildende des Caritas-Schulzentrums in Saarbrücken berichten, wie Lehre während und trotz der Pandemie funktioniert.

Die Corona-Pandemie stellt auch und besonders diejenigen vor große Herausforderungen, die gerade ihre Ausbildungen im Gesundheitswesen absolvieren. Das Caritas Schul-Zentrum Saarbrücken bildet neben Pflegefachkräften auch Hebammen und Logopäden aus und hat einige von ihnen dazu befragt.

Darunter Ali Dev, der seit Anfang Oktober seine Ausbildung zum Pflegefachmann absolviert. „Für uns Auszubildende im Gesundheitswesen stellt Corona eine große Herausforderung dar, und es gibt einige Hindernisse, die wir nur gemeinsam und mit der Unterstützung durch die Gesellschaft bewältigen können“, sagt er. „Dabei ist in den Vordergrund gerückt, wie wichtig die Gesundheit eines Menschen ist.“

Das sieht auch Anna-Lena Bernarding so: „Auszubildende als Pflegefachfrau während der Corona- Zeit zu sein bedeutet für mich, dass ich mir meiner gesellschaftlichen Verantwortung nochmal bewusster wurde und auch im familiären Umfeld nach meinem Kenntnisstand aufgeklärt und informiert habe. Ich finde, die Pandemie hat der Gesellschaft im Allgemeinen noch einmal bewusster gemacht, warum wir als Pflegepersonen so wichtig sind. Ebenso hat mich die Situation angeregt, mich selbstständig weiter zu informieren und auf qualifizierten Internetseiten einzulesen, um korrekte Informationen weitergeben und diskutieren zu können.“ 

Ihre Mitschüler aus der Pflegeschule berichten von Herausforderungen durch die verschärften Hygienemaßnahmen während ihrer täglichen Arbeit: „Eine FFP2-Maske zu tragen ist wirklich sehr anstrengend – aber der Schutz geht vor“, sagt einer von ihnen.  Die meisten sind sich ihrer Verantwortung auch im Privatleben sehr bewusst und schrauben ihre privaten Kontakte auf ein Minimum zurück:  Ihre Kolleginnen, die derzeit im Bereich der Altenhilfe eingesetzt sind, erzählen, dass in Zeiten der Kontaktbeschränkungen der Kontakt zu den Bewohnern immer wichtiger und enger wird.

Auch die Pflegeschule lehrt online. Nicht für jeden die einfachste Variante, vor allem, wenn auch Kinder im Haus sind.  Dennoch überwiegt für viele der  Gedanke, kranke und hilfebedürftige Menschen auch in dieser besonderen Situation unterstützen zu können. 

Lehrerin Isabel Schuler hat großen Respekt vor ihren Schülerinnen und Schülern in dieser Zeit: „Sie müssen in der Theorie sehr viel selbstgesteuert lernen. Dazu kommt, dass das Virtuelle nicht für jeden von Vorteil ist. Die komplexen Themen können dort zwar besprochen werden, dennoch läuft alles über Online-Unterricht und der Austausch ist leider nicht wie im Präsenzunterricht. In den Praxiseinsätzen versuchen die Auszubildenden, die Kollegen bestmöglich zu unterstützen. Aber aufgrund der aktuellen Lage bleibt nicht viel Zeit für große Erklärungen oder Anleitungen. Allgemein versuchen die Azubis, für sich das Beste daraus zu machen.“  

Ihr Kollege Stefan Schneider unterstreicht einen positiven Aspekt:  „Als Lehrer in unserer Schule empfinde ich seit Corona ein starkes Wir-Gefühl. Corona stabilisiert unser Fundament für eine gelebte wertschätzende Ausbildungskultur. Unser Gemeinschaftsgeist prägt noch mehr als zuvor die tägliche Zusammenarbeit.“ Iris Stuppi-Felten stimmt zu: „Die Situation hat durchaus auch positive Aspekte. Ich hätte mich vorher nie in diesem Maße mit den neuen Unterrichtsmedien beschäftigt und ich merke aufs Neue, wie gut die Zusammenarbeit – auch in dieser sehr anstrengenden Zeit – in unserem tollen Team funktioniert.“

Bei den Hebammen in spe sieht es ähnlich aus. „Unsere Schülerinnen stellen sich auf die besondere Situation mit viel Flexibilität gut ein“, sagt Claudine Schmitt-Matysiak, fachliche Leiterin der Hebammenschule. „Der fachpraktische Unterricht mit  Übungen ist momentan nur in Kleingruppen und unter besonderen Hygienebestimmungen möglich. Das erfordert viel Zeit. Praxisbegleitungen waren anfangs gar nicht möglich.“ Lena Weyrich, 26, lobt das Hygienekonzept der Schule und die gute Gestaltung des Online-Unterrichts mit vielen Praxisbeispielen. „Was mir fehlt, ist das direkte Feedback und der persönliche Kontakt – sowohl zu den Lehrern als auch zu den Mitschülerinnen.“ Ihre Kolleginnen Anna und Annemarie (beide 33) ergänzen: „Dass wir anfangs nicht in der Praxis arbeiten konnten, war sehr schade. Es ist sehr schwierig, unter diesen Bedingungen einen Externatsplatz bei freiberuflichen Hebammen zu bekommen.“

Die Ausbildung in der Logopädie besteht aus theoretischen und praktischen Anteilen. E-Learning funktioniere bei der Theorie gut, sagt Lehrlogopädin Elif Can Hessel. Ihr Kollege Boris Aschauer ergänzt: „Der praktische Unterricht in Form von logopädischen Therapien, die von Studierenden vorbereitet, schriftlich geplant und unter Supervision durch die Lehrlogopäden durchgeführt und reflektiert werden, finden nur unter äußerst schwierigen Bedingungen statt. Aufgrund von strengen Hygienemaßstäben ist die Behandlung direkt am Patienten stark eingeschränkt. Artikulationstherapie beispielsweise mit FFP2-Masken ist kaum möglich. Abgesehen davon, ist es unter diesen Umständen auch schwierig, Patienten zur Therapie zu motivieren. Viele ältere Patienten bleiben aus Angst vor Ansteckung zu Hause.“ Umdenken und Umstrukturierung der gewohnten Abläufe sei erforderlich, so Hessel. „Gleichzeitig ermöglicht es das Entdecken neuer Perspektiven.“

Mit der fachpraktischen Ausbildung musste die Schule zu Beginn der Pandemie für einige Wochen aussetzen, sehr zum Bedauern der Lehrer und Schüler:  „Mein Kurs und ich befinden uns aktuell im dritten Semester der Ausbildung und wir sollten längst mit Patienten arbeiten. Die aktuelle Corona-Situation sorgt leider dafür, dass wir nun viel später als geplant in unsere Fachpraxis starten können“, sagt beispielsweise Lara Alles.

Ihre Mitschülerin Barbara Lauer fügt hinzu: „Wir sind froh darüber, zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin selbst therapieren zu dürfen, aber die Hospitationen bei anderen logopädischen Therapien entfallen derzeit leider. Dies konnte nur teilweise im Unterricht aufgefangen werden. Außerdem können praktische Übungen im Unterricht zurzeit nicht stattfinden, obwohl diese wichtig wären, um im Hinblick auf verschiedene Störungsbilder zusätzliche Erfahrungen im Bereich Therapie und Diagnostik zu sammeln. Trotz dieser Hürden finde ich, dass die Lehrkräfte unseren Unterricht im virtuellen Klassenzimmer nach wie vor gut organisieren und den Schülern Zeit und Raum für Austausch und Diskussionen geben.“

Christa Stolz, fachliche Leitung der Logopädie-Schule, lobt ihre Schülerinnen und Schüler: „FFP2-Masken, Visiere, Spuckschutzwände – all das mussten wir in das praktische Arbeiten mit Patienten integrieren, und vor allem müssen wir für jede Therapie deutlich mehr Zeit einplanen.“ Abläufe seien komplett verändert worden, auch um den Mindestabstand einhalten zu können. Die Auszubildenden seien aber sehr motiviert.

Pflegeschülerin Jasmin Lenz fasst es stellvertretend für alle zusammen: „Wenn wir älter sind, können wir alle mal sagen, dass wir trotz Pandemie für die Patienten da waren und unser Bestes gegeben haben.“