Camping im Saarland: Buntes Angebot lockt immer mehr Touristen an

Camping im Saarland : Aus dem Alltag einfach mal ausbrechen

Saarländische Campingplätze gewinnen an Beliebtheit. Deren Angebot reicht von geruhsamer Ordnung bis zum erlebnisreichen Ökotrip.

Besucher von Gabi Brechs Campingplatz in Saarlouis mögen es ordentlich. „Im Vergleich zu vielen anderen Plätzen, ist es hier sehr sauber“, lobt Jutta Obruzeit. Zusammen mit ihrem Ehemann geht die Hamburgerin schon seit den späten 60er zum Campen. Sowohl die Nähe zur Stadt, als auch die modern eingerichteten Sanitäranlagen sind für das Rentnerpaar ein Pluspunkt. „Das hat uns auch einiges gekostet“, erzählt Brechs Mann Willi, der sich um die Technik auf dem Platz kümmert. Erst vor Kurzem ist eine barrierefreie Sanitäranlage dazugekommen. Gesamtwert über 50.000 Euro. Auch eine hochmoderne Wasseraufbereitungsanlage gehört zur Ausstattung. Krankheitserreger wie Legionellen haben seitdem keine Chance mehr auf dem Gelände.

Doch nicht nur die sauberen Toiletten und Duschen haben es dem Ehepaar Obruzeit angetan. „Eigentlich haben wir Plätze mit Dauercampern immer gemieden. Doch die Leute sind alle so nett hier“, erzählt die Hamburgerin.

Die meisten Gäste von Gabi Brech kommen bereits seit mehreren Jahren hierher. Viele kennen sich mit Vornamen. Das Ehepaar Karpentier ist schon seit über 40 Jahren jeden Sommer zu Besuch und dadurch schon ein fester Bestandteil der Anlage und für die Familie Brech geworden. Doch Gabi Brech macht in ihrem Beruf auch immer mal wieder kuriose Neu-Bekanntschaften. So sind vor kurzem zwei Männer aus Russland zur Camping-Gemeinschaft gestoßen, die tagsüber immer an die Saar zum Angeln gehen. Einen frischen Fang bringen sie dabei nur selten zurück. „Fische gehören ins Wasser und wir gehören in den Campingwagen“, sagen sie dann immer.

Wie die meisten anderen Dauergäste begrüßen sie Gabi Brech als ihre „Chefin“. Und die achtet auch auf dem Campingplatz darauf, dass jeder sich sofort wohl fühlt. Selbst Gäste, die während der eher ruhigen Mittagszeit eintreffen, bekommen von Brech direkt einen Stellplatz zugewiesen.

Bis zu 100 Quadratmeter gepflegte Freiheit, eingerahmt durch gestutzte Hecken und einen schnurgeraden Weg, können ihre Gäste nutzen. Mehr als noch vor einigen Jahren. Da die Campingwagen immer größer werden, haben sie und ihr Mann sich zu diesem Schritt entschlossen. „Man braucht ja auch Platz“, erklärt Gabi Brech. Obwohl hier alles strukturiert und ordentlich ist, wie in einer Sardinendose soll es dann doch nicht sein.

Auch Vincent Rentenaar mag es  überschaubar und gemütlich. Das fängt schon bei ihm selbst an. Kurze Sommerhose, Sonnenbrille und halboffene Schuhe, in die man bequem reinrutschen kann. Der typische Look von jungen Leuten, die in den Urlaub fahren, oder an sonnigen Wochenenden am „Chillen“ sind. Nichts was darauf hindeutet, dass der 29-Jährige, der ursprünglich aus den Niederlanden kommt, in Wahrheit Betreiber eines Campingplatzes ist.

Auf seinem „Landgut Girtenmühle“ in der Nähe von Losheim möchte Rentenaar seinen Gästen die Möglichkeit geben, Ungewohntes auszuprobieren. Dies dürfte für viele schon bei der Auswahl der Speisen anfangen, die täglich angeboten werden. Rentenaar und seine Freunde, die den Campingplatz und das dazugehörige Landhaus mitverwalten, bieten ausschließlich vegetarische Gerichte an. Nichts also für Bratwurst-Liebhaber. Doch auf Fleisch müssen Rentenaars Gäste nicht komplett verzichten. Einmal in der Woche gibt es Wild, das der Holländer auf dem selbstgeschweißten Schwenker zubereitet. Frisch vom lokalen Jäger versteht sich.

Auch die Getränkeauswahl in der selbstgebauten Bar beschränkt sich ausschließlich auf Bioprodukte. Vom Bier, über den Wein und Vodka, alles hat das bekannte kleine grüne Siegel drauf. Bio-Cola sucht man allerdings vergeblich. „Die schmeckt einfach nicht“, sagt Rentenaar.

Den Campingplatz sehen er und seine Freunde mehr als ein Projekt, als einen reinen Erholungsort an. Sie wollen den Menschen die Möglichkeit geben, aus ihrem gewohnten Umfeld auszubrechen. „Der Campingplatz ist dafür ein guter Start“, sagt Rentenaar. Für das Projekt haben er und seine Freunde ihr altes Leben hinter sich gelassen. Studium, Bürojob, gewohntes Zuhause - alles wurde an den Nagel gehängt oder verkauft. „In der Welt passiert soviel Negatives. Wir wollen dem etwas Gutes entgegensetzen.“

„Back to nature“ schreit es daher fast aus jeder Ecke des Campingplatzes. Feste Stellplätze für Dauercamper gibt es nicht. Der Untergrund ist zu weich für die großen Wohnmobile. Stattdessen findet man verwinkelte Wege, ungezähmte Grasflächen und mehrere Zelte und Holzhütten, die Rentenaar und sein Team als Übernachtunsmöglichkeit aufgebaut haben. Sogar in einem Zelt, welches einige Meter frei über dem Boden zwischen mehreren Bäumen aufgespannt ist, können mutige Besucher übernachten. „Viele unserer Gäste sind deswegen junge Familien“, erklärt Rentenaar. Vor allem Leute aus den Niederlanden, Deutschland und Belgien kämen oft hierher.

Das alte Landgut, welches er und seine Freunde vor drei Jahren zusammen mit dem Campingplatz erworben haben, ist generalüberholt wurden. Statt dem üblichen Styropor als Wärmedämmstoff sind mehrere Zentimeter dicke Hanfblöcke zwischen den Wänden angebracht. Teurer, aber auch umweltfreundlicher. „Natürlich lachen viele Deutsche darüber. Ein Haus voller Holländer und Hanf.“ Rentenaar muss selber bei dieser Aussage schmunzeln. Das Ganze ist schon irgendwie zu klischeehaft.

Auf dem Campingplatz in Saarlouis mögen Betreiber und Gäste es ruhig und ordentlich. Die Lage im Stadtgebiet ist für viele Gäste ein Grund, jedes Jahr wieder zu kommen. Foto: Tom Peterson

Die typischen Camperklischees, wie Gartenzwerge vor dem Wohnmobil, oder lautstark pöbelnde Mitcamper kann man jedoch weder auf dem „Landgut Girtenmühle“, noch auf dem Campingplatz der Familie Brech in Saarlouis finden. So sehr sich beide Plätze in ihrer angesprochenen Zielgruppe unterscheiden, so sehr ähnelt sich doch die Freude der Menschen, die auf ihnen Zeit verbringen. Einer der vielen Gäste beschreibt treffend: „Sobald die Schranke zum Platz hochgeht, ist es für mich so, als ob alle Sorgen abfallen.“

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