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Busfahren in Saarbrücken für Anfänger

Kolumne : Busfahren in Saarbrücken für Anfänger

An der Haltestelle bleibt oft reichlich Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel über Einsteigerkurse für den ÖPNV in der Landeshauptstadt.

Da heißt es immer, in Saarbrücken fahren keine Busse. An diesem Morgen braust einer nach dem anderen vorbei. Nur: Wann kommt unser Bus? Einen Augenblick überwiegt die Freude, es pünktlich zur Haltestelle geschafft zu haben, mit geputzten Zähnen und zueinander passenden Socken. Dann beginnt das Warten. Das Kind will in die Kita, ich zur Arbeit. Also grabe ich in der Jackentasche nach dem Smartphone. Die App des Saarländischen Verkehrsverbundes behauptet: dreizehn Minuten Verspätung. An einem hektischen Morgen bedeutet das reichlich Zeit zum Nachdenken.

Busfahren in Saarbrücken: Das ist ÖPNV für Fortgeschrittene. An der Volkshochschule sollten dafür Einsteigerkurse angeboten werden. Erste Lektion: Eine Haltestelle hat beliebig viele Bahnsteige – in einem Radius von gefühlt fünf Kilometern. Mehr oder weniger geordnet nach den Buchstaben des Alphabets.

So kann es passieren, dass man nach längerer Suche am Bussteig A ankommt. Während der Bus schon bei B ist und davonrauscht. Dieses Buchstabieren verwirrt sogar die Fahrer. Neulich ließ mich einer am Bussteig E stehen. Ich nahm zu Fuß die Verfolgung auf. Als ich den Bus an der nächsten Station eingeholt hatte und den Mann am Steuer keuchend fragte, warum er nicht angehalten habe, gab es darauf nur eine Antwort. Gelächter.

Zweite Lektion: Eine Buslinie kann mehrere Routen haben. A, B, C. Und so weiter. Mehr steht im Fahrplan. In den Fußnoten. Wer erfahren möchte, wo der Bus hält, in den er gleich einsteigt, sollte also eine Vorliebe für Kleingedrucktes haben, eine akademische Vorbildung mitbringen. Oder zur Übung täglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen seiner Hausbank studieren.

Aus dreizehn Minuten sind dreißig geworden. Eine halbe Stunde. Wir warten noch immer auf den Bus. Was nun? Ich rufe die Hotline des Verkehrsverbundes an. Und stelle offenbar eine ungewöhnliche Frage: Kommt der Bus noch? Die Dame am Telefon sagt, sie müsse sich beim privaten Busanbieter erkundigen. Warteschleife. Sie erreiche niemanden. Es tue ihr leid. Sie legt auf. Also suche ich die Nummer des Unternehmens heraus, rufe selbst an. Ob der Bus fährt? Da müsse sie nachfragen, sagt die Mitarbeiterin. Doch in der Leitstelle hebt niemand ab. Wie verbleiben wir? „Jemand wird Sie zurückrufen.“

Nach vier Stunden, ich bin längst auf der Arbeit, klingelt mein Telefon. Zu spät.