Bundeswehr will Saarland-Brigade aufrüsten

Kostenpflichtiger Inhalt: Ankündigung von Generalinspekteur Eberhard Zorn : Bundeswehr will Saarland-Brigade aufrüsten

Die Fallschirmjäger in der Region sollen künftig mit neuen Fallschirmen aus neuen Flugzeugen abspringen – und am Boden auf moderne Technik zurückgreifen können. Das verspricht jetzt Generalinspekteur Eberhard Zorn. Erstmals sind auch unbemannte Fahrzeuge geplant.

Die Transall-Maschinen der Bundeswehr, aus denen die Fallschirmjäger der Saarland-Brigade über dem Saargau abspringen, fliegen seit 1970. Noch länger hält sich in der Truppe schon das Modell der Automatik-Fallschirme T10, an denen sie zu Boden gleiten. Nur zwei Beispiele für den Investitionsstau des Elite-Verbandes. Auch auf eine verschlüsselte und für intensive Gefechte geeignete Fernmelde-Ausstattung, die mit ausländischen Verbündeten kompatibel ist, warten die Fallschirmjäger bisher vergebens.

Die 4400 Soldaten der Brigade in Saarlouis, Merzig, Lebach, Zweibrücken und Seedorf (Niedersachsen) werden deshalb die Botschaft ihres obersten militärischen Vorgesetzten gerne hören: Für die Luftlandetruppe würden derzeit „zahlreiche Rüstungsprojekte“ umgesetzt, in den nächsten Jahre werde „sukzessive mehr Material zur Verfügung“ gestellt, kündigte Generalinspekteur Eberhard Zorn (59) in einem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Deutsche Fallschirmjäger“ des Bundes Deutscher Fallschirmjäger an. Zorn, ein gebürtiger Saarbrücker, war von 2010 bis 2012 selbst Kommandeur der Brigade.

Die Fallschirme vom Typ T10 sind seit Jahrzehnten im Einsatz. Sie sind aber nicht mehr geeignet und sollen ersetzt werden. Foto: Bundeswehr / S.Wilke/Sebastian Wilke

Der Vier-Sterne-General kündigte unter anderem an, dass die Bundeswehr ab 2026 über eine „hochmoderne und vielseitig einsetzbare Lufttransportflotte“ verfügen werde, die insbesondere der Fallschirmjägertruppe spürbaren „Aufwind“ geben werde. So sollen Fallschirmjäger etwa bis Mitte 2020 mit dem Automatikschirm aus der Seitentür des neuen Transportflugzeugs Airbus A400M abspringen können. Zwar sind bereits 31 Maschinen dieses Typs bei der Bundeswehr im Einsatz; diese haben bisher aber noch nicht die nötigen Zulassungen für Fallschirm- und Absetzsysteme. Bis gleichzeitig aus beiden Türen gesprungen werden könne, dauere es voraussichtlich noch weitere zwei Jahre, erläuterte Zorn.

Vom kommenden Jahr an erwartet die Bundeswehr zudem die ersten Transportflugzeuge vom Typ Herkules C130J, die nach der Ausmusterung der Transall zum Einsatz kommen sollen, wenn der neue Airbus zu groß ist, etwa bei der Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Krisengebieten – eine Kernaufgabe der Luftlandebrigade 1. „In absehbarer Zeit“ soll auch der aus den 1970er Jahren stammende Transporthubschrauber CH-53 abgelöst werden. „Im ersten Halbjahr 2021 sollen die Verträge geschlossen werden, damit 2024 die ersten Hubschrauber zulaufen können“, so Zorn.

Ab Mitte 2020 sollen Fallschirmjäger aus dem Transportflugzeug A400M abspringen können. Bislang fehlt die Freigabe dafür. Foto: Bundeswehr /Bienert/Andrea Bienert

Auch bei den Fallschirmen soll sich etwas tun. Das altbewährte Modell T10 entspreche beim Absprunggewicht und bei der Sinkgeschwindigkeit nicht mehr den aktuellen Anforderungen und solle deswegen in den kommenden Jahren durch einen moderneren und leistungsfähigeren Automatikfallschirm ersetzt werden, kündigte Zorn an. „Wir prüfen derzeit, ob wir diesen gemeinsam mit internationalen Partnern beschaffen können.“

Zorn erläuterte in seinem Beitrag weiter, dass für die schweren Fallschirmjägerzüge – also jene Einheiten, die mit Mörsern, Maschinenkanonen und Panzerabwehrwaffen Feuerunterstützung leisten – derzeit unbemannte Fahrzeuge zum Transport von Waffen und Munition in der Planung sind. Erste Versuche wurden demnach bereits mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Wehrverwaltung und der Truppe durchgeführt. Diese Fahrzeuge werden entweder ferngesteuert oder programmiert, sie können auch mit Waffen ausgestattet werden. Einen Zeitpunkt, wann diese neuartigen Fahrzeuge beschafft werden sollen, konnte ein Heeressprecher auf SZ-Anfrage nicht nennen. Derzeit würden unterschiedlichste Nutzungsmöglichkeiten untersucht und erprobt. Welche Geräte zukünftig bei den Fallschirmjägern eingesetzt werden könnten, sei noch nicht entschieden.

Bei den Fahrzeugen der Luftlandetruppe soll bis Mitte des Jahrzehnts „eine querschnittliche Plattform“ beschafft werden, die mit Rüstsätzen an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden und mit Fallschirmen abgesetzt werden kann. Zorn kündigt zudem die Beschaffung einer modernen und leistungsfähigen Fernmelde-Ausstattung speziell für die Fallschirmjäger an. Die schweren Fallschirmjägerkompanien in Zweibrücken und Seedorf sollen in den nächsten Jahren einen Aufklärungszug erhalten, der auch Drohnen ausgestattet sein soll.

Der Transporthubschrauber CH-53, hier bei einer Evakuierungsübung, wird ausgemustert. Derzeit wird ein Nachfolger gesucht. Foto: Bundeswehr/Carsten Vennemann/Carsten Vennemann

Alles in allem sehe er Fallschirmjäger und Luftlandetruppe mit den geplanten und bereits angeschobenen Modernisierungen auf einem sehr guten Weg, schrieb Zorn. „Auch wenn nicht jedes neue Luftfahrzeug morgen im Hangar steht oder jeder neue Schirm übermorgen im Depot liegt – der Bedarf ist erkannt, die Weichen sind gestellt.“