Bund will Funklöcher im Saarland schließen

Kostenpflichtiger Inhalt: Netzabdeckung : Bund will Funklöcher im Saarland schließen

Größere Mobilfunklöcher gibt es hierzulande offenbar im Bereich Freisen und Rehlingen-Siersburg. Von der Ankündigung des Bundes, die Funklöcher zu schließen, erwartet sich gerade das grenznahe Saarland viel.

Man schließe Deutschlands größtes Funkloch. Das ließ Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor wenigen Tagen verbreiten. Gemeinsam mit der Bundesnetzagentur und den Mobilfunkanbietern will sein Ministerium die Netzqualität in Grenzregionen wie dem Saarland verbessern. Dort klaffen bisher viele Funklöcher. Und das, obwohl entlang der Grenzen zahlreiche LTE-Stationen stehen. Nur nutzen durften die Netzbetreiber sie nicht. Oder sie mussten die Leistung der Masten herunterfahren. Das lag daran, wie hierzulande die Vorschriften zur sogenannten Auslandskoordination interpretiert wurden. Sie regeln die Ausstrahlung des deutschen Mobilfunks ins benachbarte Ausland.

Wer sich im Saarland mit seinem Smartphone an der Grenze zu Frankreich bewegt, kennt das Phänomen: Das eigene Netz entschwindet, während gleich mehrere Betreiber aus dem Nachbarland vollen Empfang anbieten. Jetzt will der Bund in diesen Problemzonen für eine stärkere Netzabdeckung sorgen. Davon sollen in den deutschen Grenzregionen mindestens 780 000 Haushalte profitieren.

„Wir haben einen Nachholbedarf“, sagt Thomas Haböck über das Saarland. Bedingt durch die Grenze. Haböck ist Projektleiter im sogenannten „Breitbandbüro“, angesiedelt beim Zweckverband eGo Saar der Kommunen und gefördert durch das Land. Er rechnet nach der Ankündigung des Verkehrsministeriums mit messbaren Verbesserungen. Wobei sich durch das Roaming in der Europäischen Union (EU) der Handyempfang zwischen Deutschland und Frankreich bereits etwas getan hat. Seit 2017 kann man ohne Aufpreis über ausländische Netze telefonieren oder surfen. „Das Roaming war ein ganz großer Schritt, eine deutliche Verbesserung“, sagt Haböck.

Trotzdem ärgern sich im Saarland viele Menschen über schlechten Handyempfang. Um das zu dokumentieren, zählt Haböck seit dem vergangenen Sommer Funklöcher. Damals richteten das Breitbandbüro und die Staatskanzlei im Internet eine „Funkloch-Meldestelle“ ein, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Und diese wird rege genutzt. Insgesamt 3200 Hinweise von Bürgern sind in der Zwischenzeit bei Haböck eingegangen. „Wir erfassen die Funklöcher, um eine Bürgersicht zu bekommen“, sagt er.

Dabei ist Funkloch nicht gleich Funkloch. Auf dem Meldeformular im Internet muss man genauere Angaben machen. Welchen Netzanbieter hat man, was kann das eigene Gerät? Steht man im Wald oder mitten in der Stadt? Geht das Telefon nicht – oder lahmt nur das Internet? „Beim Festnetz haben Sie zu Hause einen Anschluss, der geht oder geht nicht, aber der Funk ist Nachrichtentechnik pur“, erklärt Haböck. Wobei er sagt: „Die Telefonie sollte eigentlich immer gehen, es sei denn, man steht im Wald zwischen lauter Bäumen.“

Häufen sich die Meldungen von Funklöchern an einer Stelle, fahren Haböck und seine Leute los. Dann nehmen sie eigene Messungen vor. Mit drei Handys. Um die Netze der Telekom, von Vodafone und Telefónica (O2) testen zu können. Die Ergebnisse besprechen die Experten mit den Unternehmen. „Eine Ballung haben wir in den Gemeinden Freisen und Rehlingen-Siersburg festgestellt“, sagt Haböck. Nun sucht man gemeinsam mit den verschiedenen Telefonfirmen nach schnellen Lösungen.

Grundsätzlich haben die Kommunen und das Land auf die Netzqualität einen überschaubaren Einfluss. „Der Mobilfunkausbau ist ein Bundesthema“, erklärt Haböck. „In den Gemeinden können wir versuchen, mehr Transparenz hinzubekommen, wo die Funklöcher sind.“ Doch den großen Hebel, etwas zu bewirken, habe der Bund, sagt er. Als einen solchen Hebel betrachtet Haböck den neuen Mobilfunkstandard 5G. Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch wollen für 5G-Frequenzen insgesamt 6,55 Milliarden Euro. Im vergangenen Monat schloss der Bund mit diesen Anbietern einen Vertrag. Er gestattet ihnen eine Ratenzahlung bis 2030, unter einer Bedingung: Ende 2021 soll 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mindestens LTE zur Verfügung stehen.

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