Bürger kämpfen für 100 Bäume am Heidenkopferdell in Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Heidenkopferdell in Saarbrücken : Der Boden am Waldrand wird auf Gift geprüft

Bürger am Heidenkopferdell wollen rund 100 Bäume zwischen dem Kaninchenberg und dem kontaminierten SHD-Gelände behalten.

Letzter Hoffnungsschimmer für die umkämpften rund 100 Bäume am Rande des neuen Baugebietes auf dem ehemaligen SHD-Gelände am Fuße des Kaninchenberges. Einstimmig hat der Stadtrat jüngst die aktuelle, vierte Fassung des Bebauungsplanes „Ehemaliges SHD-Gelände und östliche Quellenstraße“ abgesegnet.

Die vorausgegangenen Versionen des Planes hatten seit 2015 mehrfach harsche Kritik geerntet. Bewohner der Siedlung Heidenkopferdell hatten sich zur Interessengemeinschaft Heidenkopferdell (IGH) zusammengetan und erfolgreich Änderungen an dem Bebauungsplan angeregt.

Das wichtigste Anliegen der Bürger betraf den Autoverkehr in die künftige Siedlung auf dem ehemaligen SHD-Gelände (die SZ berichtete). Zunächst sollten alle Autos durch das Gässchen „Am Heidenkopferdell“ fahren, dann sollte nur noch ein Teil der Autos diesen Weg nehmen – und in der jetzt beschlossenen Variante heißt es: „Die Erschließung für den motorisierten Individualverkehr erfolgt künftig ausschließlich über die Quellenstraße, lediglich Fußgänger- und Radfahrverkehr wird über die „Heidenkopferdell“ abgewickelt; hierzu wurden die Flächen für Stellplätze und Tiefgaragen angepasst und der Ein- und Ausfahrtbereich in der Straße „Heidenkopferdell“ zugunsten eines Bereiches ohne Ein- und Ausfahrt zurückgenommen.“

Auch die Gebäude in der neuen Siedlung werden kleiner als ursprünglich vorgesehen. Im Plan heißt es jetzt: „Die Geschossigkeit und die Höhe der Gebäude wurde reduziert und damit einhergehend die Grund- und Geschossflächenzahlen angepasst.“

Wie die neuen Wohnblocks auf dem SHD-Gelände genau aussehen werden, ist der Stadtverwaltung allerdings noch nicht bekannt. Im Bebauungsplan sind lediglich die Außenmaße der Gebäude festgelegt.

Nach diesen Erfolgen wollten die Bürger zuletzt auch noch die rund 100 Bäume retten, die zwischen dem umzäunten SHD-Gelände und dem Spazierweg um den Kaninchenberg stehen.

Die Bürger hatten gehofft, dass der Standort der Bäume nicht zum SHD-Gelände gehört – denn die Bäume stehen außerhalb des Zaunes, der das Gelände umgibt. Das Gelände selbst ist vergiftet, der Boden muss rund zehn Meter tief abgetragen werden, bevor dort jemand Wohnhäuser bauen darf. (Die Firma SHD hatte das Gelände bereits vergiftet übernommen.)

Auf SZ Anfrage stellte Stadt-Pressesprecher Thomas Blug klar: Auch der Streifen, auf dem die 100 Bäume stehen,  gehört zum „Geltungsbereich des Bebauungsplanes“. Blug betont, das Gift sei über das gesamte SHD-Gelände verteilt. Der Bauherr der neuen Siedlung müsse „mindestens 1,5 Millionen Euro“ allein für die Sanierung des Geländes, also fürs Ausbaggern und den Abtransport der vergifteten Erde, investieren. Erst danach dürfe er bauen.

Und selbst beim Ausbaggern habe der Bauherr nicht freie Hand. Er müsse sich vielmehr an einen Sanierungsplan halten, den er mit dem Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (Lua) abstimmt. Das Lua überwache die Arbeiten.

Erst im Laufe der Sanierung könne endgültig geklärt werden, wie tief das Gift in den Boden gesickert ist, wie groß die vergiftete Fläche ist und ob auch der Streifen vergiftet ist, wo die umkämpften 100 Bäume stehen. Und falls dieser Streifen sauber ist, verspricht Blug, werde die Stadt „gemeinsam mit dem Investor prüfen, ob und wie viele Bäume erhalten bleiben können.“ Vorausgesetzt, die „Standsicherheit der Bäume“ sei gewährleistet.

Derzeit erarbeiten Stadt und Bauherr einen „städtebaulichen Vertrag“ über die Geländesanierung.  Darin werde zwar „der Erhalt einzelner Bäume nicht festgelegt“. Blug versichert aber: „Wir stimmen zurzeit einen Termin mit dem Investor ab, in dem wir uns auf das weitere Vorgehen zum Erhalt von Bäumen  gesondert vereinbaren wollen.“

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