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Brunner und Barscheck blicken im Internet satirisch auf 2020 zurück

Saarbrücken : Dieser Rückblick prickelt auch im Netz

Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner ließen das seltsame Jahr Revue passieren. Gründe zum Kopfschütteln gab’s genug. Nicht nur wegen Corona.

Auch wenn 2020 kaum was klappte und das Jahr sämtliche Erwartungen unterlief, auf eines kann man sich verlassen: dass beim Jahresrückblick von Brunner & Barscheck ebenfalls irgendwas nicht funktioniert. Pannen gehören bei der kabarettistischen Rückschau von Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner dazu. Beim 15. Jahresrückblick machte den Satirikern nun, wie allen Kulturschaffenden, zunächst Corona einen Strich durch die Rechnung: Die retrospektivische Spottschau, die bislang immer live über die Bühne ging, gibt’s diesmal nur via Internetstream.

Das Video hätte am Sonntag online sein sollen. Hätte. Tagelang kämpfte das Duo mit dem Bearbeitungsprogramm, einer zweiten Tonspur und der Datenmenge.  Seit gestern läuft der Stream. Er ist mit 60 Minuten deutlich kürzer als die sonstige Live-Ausgabe. „War eh immer zu lang“, frotzelt Scheck.

Der Galgenhumor ging den Lästermäulern auch sonst nicht flöten: Als Präsenz-Publikum lauschen Stofftiere. Und alle paar Minuten wird das Fenster aufgerissen, um das TiV durchzupusten – wie in echt. Zum theatralischen Auftakt kommt uns Brunner als fliegender Holländer, der in nautischen Alliterationen vor sich hin flucht, weil er die Orientierung verloren hat. Nicht, weil ihm wegen der Alltagsmaske die Brille beschlagen wäre, sondern weil die Faktenlage düster und die Klippen des „Informationsozeans“ steil sind.

Das Schiff hält Kurs auf Corona-Eiland, weit und breit kein rettender Drosten in Sicht, dazu das orangefarbene Blendfeuer von Trump. Kann der Steuermann die Chose retten? „Steuerfrau!“, korrigiert Scheck. Nach diesem wunderbar metaphorischen Einstieg mit einem Shanty zu mundgeblasener Melodika statt Schifferklavier und einem Schluck aus der Desinfektions-Buddel geht‘s weiter wie üblich: Monat für Monat wird abgehakt, nur dass die beiden ihre jeweiligen Erkennungslieder selbst singen müssen – aus GEMA-rechtlichen Gründen.

War überhaupt was, außer diesem verfluchten Virus? Fast schon verdrängt: etliche Jubiläen. Das Beethoven-Jahr etwa fand weitgehend auf dem Sofa statt. Und der erste Aufreger des Jahres, das „Umweltsau“-Lied des WDR. Dabei sei die Kritik an der Oma als Klima-Schädling doch berechtigt, meint Brunner: „Wer im Hühnerstall Motorrad fährt, muss eine Groß-Legebatterie besitzen.“ Gleich danach kamen der große Corona-Bums mit dem Karneval in Heinsberg und der Eklat um FDP-Mann Thomas Kemmerich und die braunen Thüringer Würstchen. Gefolgt vom großen Staunen: Wo kommt nur plötzlich diese Pandemie her, vor der das RKI schon 2013 gewarnt hatte?

Wer hätte außerdem gedacht, dass das Autokino ein Revival erleben und einen Schritt Richtung kulturelle Normalität bedeuten würde?  Im Sommerloch machten sich die Verschwörungstheoretiker breit, denen man das Oberstübchen kräftig stoß- und querlüften sollte, ätzen B & B. Beachtlichen Realitätsverlust bescheinigen die Spötter auch dem abgewählten US-Präsidenten, der die Fakten weiter hartleibig leugnet.

Lokale Häme zielt auf die entfernten Graffiti unter der Wilhelm-Heinrich-Brücke: „Ist zwar Kunst, kann aber trotzdem weg.“ Weil im deutschen Lockdown („Räudiges Regelwerk!“) die Kultur ja sowieso zur Unterhaltung degradiert und mit Bordellen und Spielhöllen gleichgesetzt wird. B & B: „Da wächst zusammen, was nicht zusammen gehört!“ Und im Dezember? Nix mit „Lustig, lustig, trallerallala“. Tja. Wie war das mit Kurshalten? Gar nicht so einfach in der heutigen Zeit. Bis 10. Januar steht der Jahresrückblick im Netz.

dastiv.de/videos