Bouquinisten feiern erstes deutsch-französisches Freiluftbücherfestival

Kostenpflichtiger Inhalt: Schmöker und Geselligkeit : Schmöker an der Saar statt an der Seine

Bouquinisten feierten am Staden das erste deutsch-französische Freiluft-Bücherfestival. Mit leider feuchtem Finale.

„Bouquinist“, also Straßenbuchhändler oder Antiquar: Da denken Frankreich-Freunde an die Pariser Büchermeile, an das berühmte Areal entlang der Seine mit Hunderttausenden von alten Druckwerken. Und ihnen fallen deren Anbieter ein, die Bouqinisten eben. Jetzt hat dieses ganz besondere Geschäft mit der Literatur den Sprung an die Saar geschafft.

Nun gut: Ganz so üppig wie das Angebot in der Weltmetropole war das Angebot am Saarbrücker Staden am Samstag nicht. Eine Besonderheit stellte es dennoch dar, handelte es sich doch dem Veranstalter zufolge um das erste deutsch-französische Freiluft-Bücherfestival. Titel: „Bouquinisten an der Saar“.

Immerhin 25 Bücherstände hatte Organisator Jürgen Stuppi unterhalb des Ulanenpavillons versammelt. Stuppi begeisterte die Akteure der Kinder- und Jugendbuchmesse ebenso fürs Mitmachen wie die Tourismuszentrale der Großregion. Den Bücherverkauf umrahmte ein deutsch-französisches Kulturprogramm.

Auf die Idee war Stuppi aus drei Gründen gekommen: „Zum einen bin ich selbst Bücherfreund und habe zu Hause Hunderte von Büchern. Dann habe ich wahrgenommen, dass es in vielen deutschen Städten Bücherflohmärkte gibt, jedoch nicht im Saarland. Das Dritte ist die Grenzlage und die jahrhundertelange Tradition der Bouquinisten.“ Er sei dann auf die Ulanen-Gastronomie zugegangen, mit der sein Sohn schon andere Veranstaltungen gemacht habe.

Über Werbeplakate, Mundpropaganda und Aufrufe in der SZ fanden sich die Buchverkäufer. Vera Loos aus Saarbrücken hatte Stuppi sogar zufällig getroffen und danach den Entschluss gefasst, ihre Regale zuhause zu durchforsten. „Ich wollte vermeiden, dass die Bücher im Altpapier landen.“

Ursprünglich war im Begleitprogramm ein Auftritt des Gitarristen Guido Allgaier mit dem Chansonnier Noël Walterthum vorgesehen. Doch Allgaier starb im Juni. Die Lücke schloss das lothringische Trio Nono et Co. mit Chansons.

Chansons, deutsch-französischer Kulturaustausch? Da lag es nahe, sich an „Monsieur Chanson“, Gerd Heger, zu wenden. Er moderierte das Rahmenprogramm, war vom Literatur-Angebot hin und weg. Und er wäre, wie er sagte, deswegen fast in einen Kaufrausch geraten.

Den französischen Part bei den Lesungen übernahm Elodie Brochier. Bernd Rausch, Joachim Schmitt und Nelia Dorscheid stellten anschließend ihre deutschen Texte vor. Dann begann ein vom Netzwerk Dichterdschungel organisierter deutschsprachiger Poetry Slam. Die junge Saarbrückerin Clara Brill entschied ihn für sich.

Die Organisatoren hatten zwar auch an Zelte für Künstler und Publikum gedacht. Dennoch trübte der Regen den weiteren Ablauf dieses Treffens der Literaturfreunde. Schließlich bauten die Buchverkäufer ihre Stände frühzeitig ab, weil kaum mehr Publikum erschien.

Die Nässe setzte dem Programm nicht nur deswegen zu. Sie verwandelte den Boden in Morast, und an den zum Abschluss geplanten beschwingten Tanz war nicht mehr zu denken.

Anbieterin Ingrid Blasius hatte aus der Zeitung von dem Flohmarkt erfahren. Der Verkauf lief bei ihr eher schleppend, sodass die Einnahmen am frühen Nachmittag kaum die Standgebühr überstiegen. Aber: „Man sitzt an der frischen Luft, kann selbst auch lesen und führt das ein oder andere nette Gespräch.“

Und dann sprach sie aus, was wohl alle dachten, die beim ersten deutsch-französischen Bücherfestival an der Saar teilnahmen: „Wenn’s Wetter schön wäre, wäre es noch besser.“

Jürgen Stuppi ist jedenfalls zu einer Neuauflage der Saarbrücker Büchermeile bereit. Mut machten ihm jene, die eine Anschubfinanzierung gegeben haben: die Stadt Saarbrücken, der Regionalverband und das saarländische Kultusministerium. Die könnten sich Stuppi zufolge den Büchermarkt durchaus regelmäßig vorstellen.

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