Boris Pietsch hat Musik veröffentlicht, die in Saabrücken entstanden ist

Ehemaliger Saarbrücker Schauspieler macht Musik : John Peach und der nasse Hund

Der ehemalige Staatstheater-Schauspieler Boris Pietsch hat Musik veröffentlicht, die in Saabrücken entstanden ist.

Dass Major Jones von Bord gehen musste, lag daran, dass Major Jones jetzt wirklich Major Jones sein musste. Der Major Jones, der das Kommando auf der Joyce/Medea, dem kleinen Schiff, das mitten auf dem Saarbrücker Landwehrplatz stand, führte, wurde ein paar Meter weiter  in der Alten Feuerwache zu dem Major Jones, der in Graham Greenes „Stunde der Komödianten“  zusammen mit einem resignierten Hotelbesitzer und einem reichen Ehepaar zu Beginn der blutigen Diktatur von Doc Duvalier auf Haiti in ein dubioses Spiel gerät.

Ein Major, der einen Major spielt. Es klingt kompliziert. Aber einfach wollte es der Mann, der der Major war, sich und anderen nicht machen. Als ein Labor hat er das Schiff verstanden, das er mit Freunden für einige Monate auf den Landwehrplatz gestellt hatte. Ein Labor für ein wissenschaftliches Experimentierfeld, auf dem „die Wirklichkeit ein Stück verschoben“ werden sollte, um den Blick frei zu kriegen auf das wirkliche Leben. Ein Leben, das den Menschen nicht wie ein Tiger jagt, wie der Major sagte.

„Lerne den Tiger zu reiten, von innen, sonst wird dein Rennen sich beschleunigen bis zum unausweichlich letzten Kampf“, stand in dem „Manifest“, das an den Bug des Schiffs geklebt war. Es stimme etwas nicht in dieser Welt. Und es sei an der Zeit, „echte Fragen zu stellen“. Diese zum Beispiel: „Was wollen wir mit unserer Gesellschaft tun, damit wir nicht weiter gegen die Wand fahren?“

Sieben Jahre sind seitdem vergangenen. Boris Pietsch, der damals der Major und Schaupieler im Ensemble des Saarländischen Staatstheaters war, lebt inzwischen in München. Von dort meldet er sich nun als John Peach. Als ein Musiker, der er auch schon in Saarbrücken gewesen sei. Die Geschichte, die der Mann, der Major Jones war, erzählt, geht so:

Vor einiger Zeit, als er der Schauspieler Boris Johannes Pietsch am Staatstheater in Saarbrücken war, nahm John Peach zwischen den  Auftritten und Proben des Schauspielers in dessen Schlafzimmer „Wet Dog“ auf. Der „nasse Hund“ ist eine Sammlung von zehn Musikstücken, die man seit einigen Wochen im Internet runterladen kann. Ein „Zoom H4-Recorder“, eine Akustikgitarre, ein Wasserkocher, etwas Reis, Holzsticks, ein Glas, eine winzige Trommel, eine Kalimba, auch Daumenklavier genannt, ein Pinsel und Papier, etwas Regen draußen und eine Mundharmonika - mehr habe es nicht gebraucht.

Das, was dabei entstanden ist, beschreibt John Peach als „ruhiges und zartes Album wie eine Meditation, eine Art Experiment und mit einem Hauch von Indie-Folk“.

„Die Songs entstanden hauptsächlich aus direkt aufgenommenen Improvisationen auf dem 4-Spur-Recorder. In zwei Titeln kann man immer noch den Kauderwelsch singen hören, der für John Peach immer vor dem Schreiben der Texte kommt. Auf einer Spur hört man sogar das Klingeln des Telefons und seines Anrufbeantworters“, erklärt er selbst - und wird, auch wenn er durchs Reden über sich in der dritten Person Distanz zu schaffen versucht, persönlich: „Das Lied ,Water the Light’ wurde für seine Freundin geschrieben, die weit weg in Wien lebt. Es geht um diese Trennung und die starke Verbindung, die sie von weitem spüren.“ Jahre später habe er zwei Musiker in München getroffen. Nach einigen Jam-Sessions saßen sie in einer Kneipe, in der John ihnen von seinen Experimenten erzählte. So keimte die Idee, das alte Album zu veröffentlichen. Und an diesem Abend in der Kneipe beschlossen die drei Musiker, mit diesen musikalischen Experimenten fortzufahren.

Das und die Musik von John Peach klingen so wie das, was Boris Pietsch, als er noch der der Major war, damals in Saarbrücken tat: „Innehalten – und eine Welt betreten, die uns der sozialen und ökonomischen Neurosen für eine Weile entledigt.“ Und zwischen all dem taucht eine Frage auf, die den Major schon auf der „Joyce/Medea“ umtrieb: „Kann es geschehen, dass wir uns selbst dabei nicht verlieren, sondern möglicherweise sogar finden?“

Die Musik von John Peach gibt es im Internet zu kaufen unter https://johnpeach.bandcamp.com

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