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Blühendes Paradies auf dem heimischen Balkon

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Mein schöner Garten – Teil 9 : Grünes Paradies auf wenigen Quadratmetern

Wer keinen Garten hat, auf bunte Blumen und viel Grün aber nicht verzichten mag, sollte einen Blick nach oben werfen. Auch auf einem Balkon lässt sich ein Garten anlegen. Eine Expertin gibt Tipps, wie man aus kleinen, kahlen Ecken eine grüne Oase schafft.

Gerade in Städten ist das mit dem eigenen Garten so eine Sache. Doch auch auf der kleinsten Fläche ist Platz für Pflanzen. Mit der richtigen Beratung und einigen Hilfsmitteln lässt sich jeder Balkon in eine grüne Oase verwandeln. Nicole Birkenmeier von der Gärtnerei Birkenmeier in Saarbrücken erklärt, welche Pflanzen sich besonders gut eignen, und worauf jeder Balkon-Gärtner achten sollte.

Bevor man in die Gärtnerei rast und sich ordentlich mit Blumen eindeckt, muss die Standortfrage geklärt werden. „Das ist ganz, ganz wichtig. Gerade wenn man zum ersten Mal seinen Balkon begrünt“, sagt Birkenmeier. In welcher Himmelsrichtung liegt der Balkon? Werden die Pflanzen Sonne, Wind und Regen ausgesetzt sein? Es spielt auch eine Rolle, wann die Sonne kommt. „Die Morgensonne kann man nicht mit der Mittagssonne vergleichen.“ Man sollte zu verschiedenen Uhrzeiten prüfen, wie die Sonne wandert. „Im Zweifelsfall sollte man sich von einem Fachmann beraten lassen“, empfiehlt Birkenmeier.

Klassiker der Balkonbepflanzung sind Geranien, Petunien und Sanvitalia, auch Husarenknöpfe genannt. Sie lieben die Sonne, sagt die Expertin. Diese Blumen werden vor allem in Kästen gepflanzt, die am Geländer angebracht sind. Fuchsien, Begonien und fleißige Lieschen mögen hingegen weniger Licht und Wärme. Wem Kästen zu altbacken sind, der kann mit saisonalen Solitärpflanzen Akzente setzen. „Die schwarzäugige Susanne kann man als Säule in einen schönen Kübel pflanzen. Sie braucht zwar regelmäßig Wasser, will aber volle Sonne und ist ansonsten anspruchslos.“ Richtige Hingucker sind Margeriten und der Bauernjasmin. Der benötigt jedoch einen schattigen und geschützten Platz.

Hobby-Gärtner sollten auf jeden Fall an die Pflege ihrer Pflänzchen denken. Die Margeriten sind zwar anspruchslos was den Standort betrifft, aber sehr aufwändig zu pflegen. „Was verblüht ist, muss man mit der Schere bis zum Blattanfang abschneiden“, betont Birkenmeier. Pro Tag können das schon mal an die 30 Blüten sein. Dagegen sind Klassiker wie die Geranien sehr pflegeleicht. Sie sind stabil, früh groß und blühen grundsätzlich immer. Während Schneeflocken (Sotera) wenig Dreck verursachen, ist beim Bauernjasmin „Ärger mit dem Nachbar programmiert“. Die verwelkten Blüten landen schnell ein Stockwerk tiefer oder nebenan. Bei Petunien besteht die Gefahr, dass die herabgefallenen Blüten den Boden verfärben. „Bei empfindlichem Belag sollte man also lieber zu einer anderen Sorte greifen.“

Kleinere Zitrus- und Olivenbäumchen sorgen für Urlaubsstimmung auf dem heimischen Balkon. Aber Vorsicht: „Über Winter müssen die Bäumchen an einen kühlen Ort mit viel Tageslicht gestellt werden. Das Wohnzimmer ist kein geeigneter Platz“, sagt Birkenmeier. Ideal ist der Hausflur. Wer in einem Mehrparteienhaus wohnt, sollte das zuerst mit der Hausgemeinschaft besprechen.

Ein weiterer Trend sind Obst und Gemüse. Auf dem Balkon kann man sich vieles ganz einfach selbst ziehen. Ob Auberginen, Zucchini, Peperoni, Physalis, Bohnen und Gurken – einige Gärtnereien haben sich sogar auf das Naschgemüse und -obst spezialisiert. „Man kann alles ausprobieren und sollte sich einfach beraten lassen“, sagt Birkenmeier. Kräuter sind sehr einfach zu ziehen und wachsen super in Kästen. Ebenso Pflücksalat und Radieschen. Tomaten wachsen am besten in einem großen Eimer mit viel Erde. „Große Tomaten müssen aber immer unter einem Überstand stehen. Sie dürfen nicht dem Regen ausgesetzt sein, sonst werden sie faul.“ Die Expertin empfiehlt, kleine Cocktailtomaten zu ziehen. Sie sind schneller reif und vertragen auch ein paar Regentropfen.

Pflanzen sind nicht nur hübsch anzusehen, sie schützen auch vor neugierigen Blicken. Die Schwarzäugige Susanne wächst super schnell und bildet „ruckzuck meterweise“ einen natürlichen Sichtschutz, erklärt Birkenmeier. Dafür hält er aber nur bis zum Herbst. Wer etwas mehr Zeit hat, dem empfiehlt die Expertin Waldreben. Sie bieten dauerhaften Schutz, wachsen aber langsamer. Schön anzusehen, aber nicht komplett blickdicht sind die klassischen Blumenampeln. Sie gibt es mit allerlei Hängepflanzen und in verschiedenen Größen. Im Trend liegen Sichtschutzwände aus bepflanzten Europaletten. Die werden meist mit der langen Seite nach unten aufgestellt und mit Folie ausgelegt, so dass die Erde nicht herausfallen kann. Bei der Bepflanzung sind kaum Grenzen gesetzt und die braune Palette wird mit Farbakzenten verschönert.

Egal mit was man sich eine grüne Oase schafft, Balkon-Gärtner müssen bedenken: Die Pflanzen bekommen dort nicht die Nährstoffe, die sie aus dem Boden im Garten ziehen können. Deswegen kommt es auf die richtige Erde an. Birkenmeier rät auch hier, sich vom Fachmann beraten zu lassen. Für Kübel und Kästen eignet sich zum Beispiel Dauererde. Sie hat eine gröbere Struktur, ist leichter und lässt mehr Wasser durch. „Bei starkem Regen verklumpt die Erde nicht und die Pflanze säuft nicht ab.“ Gerade Staunässe kann die Pflanzen zerstören. Ein Überlauf schafft Abhilfe. „Aber man sollte immer ein Auge darauf haben, dass er nicht verstopft ist.“ Bei Dauerregen sollte man die Pflanzen so nah wie möglich an die Hauswand ziehen. Auch die Sonne setzt den Pflanzen ziemlich zu. Bei hohen Temperaturen sollte man auf jeden Fall abends gießen. „Gießt man früh morgens, wirkt das Wasser, das auf den Blättern steht, wie ein Brennglas“, sagt Birkenmeier. Zur Not kann man die Pflanzen auch mit einem Sonnenschirm oder einem Sonnensegel schützen.

Generell gilt beim Gießen: langsam und gleichmäßig. Die Expertin rät, beim Pflanzen einen so genannten Gießrand frei zu lassen. Statt die Kübel und Kästen bis oben mit Erde zu füllen, bleibt ein kleiner Rand frei. „Das Wasser kann auf der Oberfläche stehen und langsam einsickern.“ So bleibt auch der Balkon vom Nachbar darunter trocken.„Fährt man in Urlaub, ist es immer noch am besten einen Nachbar oder einen Bekannten zu fragen, der sich um die Blumen kümmert“, sagt die Expertin. Ist das nicht möglich, kann man beispielsweise in den Kästen Bewässerungssysteme mit einer Zeitschaltuhr installieren. Die bekommt man im Gartencenter und im Baumarkt je nach Ausführung ab 100 Euro. Ein an den Wasserhahn angeschlossener Schlauch gibt über Tröpfchen regelmäßig genügend Wasser ab.  Oder man befüllt Falschen mit Wasser und stellt sie umgedreht in die Kästen. „Die Pflanzen ziehen sich dann so viel Wasser, wie sie benötigen.“

Windräder geben Farbkleckse.Die Schwarzäugige Susanne ist eine schnell rankende Kletterpflanze mit schönen Blüten.  . Foto: Getty Images/iStockphoto/real444
Die Schwarzäugige Susanne ist eine dankbare, weil schnell rankende Kletterpflanze mit schönen Blüten. Foto: Getty Images/iStockphoto/kyoshino
Der Europäische Pfeifenstrauch gehört zu den Hortensiengewächsen. Foto: picture alliance / R. Goldmann/dpa Picture-Alliance / Ralph Goldmann
Petunien und Lobelien mögen es warm und sonnig. Foto: Getty Images/ iStockphoto/schnuddel
Fuchsien sollte man nicht in die pralle Sonne stellen. Foto: Getty Images/ iStockphoto/phanasitti
Geranien blühen oft und sehen toll in Töpfen aus. Foto: Getty Images/iStockphoto/PeJo29

Wer lange Freude an seinem kleinen Balkon-Paradies haben will, dem rät Birkenmeier zu Geduld. „Man sollte nicht bei den ersten Sonnenstrahlen im März in den Discounter rennen und sich irgendwelche Pflanzen kaufen.“