Die Wunderübung im Theater im Viertel: Bitterböses Gemetzel im Ehe-Hafen

Die Wunderübung im Theater im Viertel : Bitterböses Gemetzel im Ehe-Hafen

Freie Szene präsentiert am Donnerstag das Stück „Die Wunderübung“ über eine turbulente Paar-Therapie.

Die Beziehung von Joana und Valentin Dorek steht am Tiefpunkt, dennoch unternehmen sie gemeinsam den Versuch, mit professioneller Hilfe etwas zu retten –„Sie, Frau Dorek, wünschen sich ein paar Schritte in die richtige Richtung, und Herr Dorek, Sie wünschen sich Frieden“, fasst die Therapeutin zusammen und belehrt das zerstrittene Ehepaar: „Sie haben keine Liebesbeziehung, Sie haben eine Kampfbeziehung.“

Joanas empörter Redeschwall trifft auf Valentins vermeintliche Gefühlskälte und Gleichgültigkeit, ein unentwegtes, vergiftetes Gestichel, rhetorisch brillant, in das mit den Tricks aus der Psychologenkiste nur schwer eine Schneise zu schlagen ist – bis die Therapeutin zum äußersten Mittel greift.

Der Autor Daniel Glattauer hat selbst als psychosozialer Berater gearbeitet, immer wieder greift er in seinen Büchern das Dialogverhalten von Paaren auf. „Die Wunderübung“ ist eine Komödie mit Tiefgang. Was auf der Bühne so witzig und temporeich daherkommt, hält dem schmunzelnden Publikum doch den Spiegel vor, das zermürbende Gezänk haben viele ganz ähnlich auch schon erlebt.

Die Probe im Theater im Viertel mit Miriam Gwosdz als Joana, Klaus-Dieter Hofmann als Valentin und Gabriele Bernstein als Therapeutin ist so energiegeladen und mimisch überzeugend, das sich sofort wohliger Voyeursgrusel und das Gefühl, wirklich dabei zu sein, einstellen, nicht im Theater, sondern in der Therapiestunde.

„Freie Theaterszene“ das heißt „wir kümmern uns um alles in Eigenregie“, vom Kauf der Autorenrechte über die Kostüme und das Bühnebild bis hin zur Inszenierung, erklärt Klaus-Dieter Hofmann. Die vielen unbezahlten Proben, das alles geht nur mit viel Engagement und Liebe zur Sache.

Miriam Gwosdz ist zum ersten Mal in der Freien Szene dabei, sie studiert an der privaten Schauspielschule „Acting and Arts“ in Saarbrücken, die Rolle der Funken sprühenden Kratzbürste macht ihr sichtlich Spaß.

Gabriele Bernstein ist Dozentin bei „Acting and Arts,“ sie war mehrere Jahre im Ensemble des Saarbrücker Staatstheaters. Die klassisch ausgebildete Schauspielerin ist selbst auch als systemische Therapeutin tätig, sie weiß, Glattauers Figur ist keine Parodie, so geht es tatsächlich zu in der Paartherapie.

Klaus-Dieter Hofmann spielt Theater seit seinem vierzehnten Lebensjahr, er träumte von einer Ausbildung zum Schauspieler, die Eltern drängten: „Lern’ was Anständiges.“ Aber über die Statisterie des Staatstheaters kam er doch zum Theater. Es braucht viel Erfahrung und Können, um aus einem Text lebendige und stimmige Charaktere herauszuarbeiten, Bernstein und Hofmann sind ein eingespieltes Team, sie können das, auch ohne Regisseur.

Premiere von „Die Wunderübung“  ist am Donnerstag, 5. Oktober, 19.30 Uhr, im Theater im Viertel am Landwehrplatz. Weitere Termine am Freitag, 6., und Samstag, 7. Oktober, je 19.30 Uhr. Karten: Telefon (06 81) 3 90 46 02 oder info@dastiv.de