Birgit Steiner hilft Jugendlichen in Güdingen auf dem Weg zum Beruf

Unterstützung nach der Schulzeit : Seniorin hilft Jugendlichen auf dem Weg in den Beruf

Birgit Steiner unterstützt Jugendliche an der Gemeinschaftsschule Güdingen, zum Beispiel die 17-jährige Ruba aus Syrien.

Ruba lächelt scheu, doch ihr Blick ist offen und direkt. Die 17-Jährige, die mit ihrer Familie vor drei Jahren aus der syrischen Kriegshölle flüchtete, weiß genau, was sie will – nämlich Ärztin werden. „Schon als kleines Mädchen hatte ich diesen Wunsch“, erzählt sie. „Wenn in Syrien Krankenwagen an unserem Haus vorbeifuhren, wollte ich am liebsten hinterherlaufen und den armen Menschen, die in die Klinik gebracht wurden, irgendwie helfen“, erinnert sie sich.

Diesen Traum und diesen Berufswunsch hat sie nach Deutschland hinübergerettet und will ihn unbedingt in die Tat umsetzen. Doch sie ist kein kleines Mädchen mehr und sich der Hürden bewusst, die sie noch nehmen muss.

Auf dem Pfad zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird sie von Birgit Steiner begleitet. Die resolute Frau, die zuletzt für die Saarbrücker Wirtschaftsfördergesellschaft Saaris arbeitete, ist, seitdem sie in Rente ist, ehrenamtlich beim Senior Experten Service (SES) tätig. Bei dieser Organisation mit Sitz in Bonn engagieren sich Tausende ehemaliger Fach- und Führungskräfte. Sie sind überall dort zur Stelle, wo ihre Expertise gefragt ist. Eines der SES-Projekte heißt „Vera“. Die dort tätigen Senioren helfen dabei, dass Jugendliche einen möglichst reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf finden. Im Rahmen dieses Projekts betreut Steiner an der Gemeinschaftsschule Güdingen jedes Jahr mehr als ein Dutzend junge Leute.

Im Spätsommer vergangenen Jahres traf sie Ruba. „Ich war sofort von ihrer Willensstärke angetan“, erinnert sie sich und nahm die junge Syrerin unter ihre Fittiche. An der Gemeinschaftsschule besucht Ruba, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, derzeit die 9. Klasse.

Eine erste Abfuhr hatte sie damals schon wegstecken müssen. Ihre Bewerbung an einer Saarbrücker Klinik um einen Praktikumsplatz erhielt sie prompt zurück. Auf Nachfrage nach den Gründen antwortete die Personalsachbearbeiterin, dass die Bewerbung voller Fehler und nicht zu gebrauchen gewesen sei. „So etwas wandert bei uns sofort in den Papierkorb.“

Doch das Schreiben von Bewerbungen kann man üben. Das taten Ruba und Steiner dann auch. Schon im Oktober klappte es mit einem Praktikum in einer Saarbrücker Praxis für Allgemeinmedizin. „Diese Wochen, in denen ich dort arbeiten durfte, haben mir sehr gut gefallen“, erzählt sie.

In ihrem Praktikumszeugnis, in dem unter anderem Interesse, Pünktlichkeit, Belastbarkeit oder Höflichkeit bewertet werden, ist „sehr gut“ die Standardnote. Geholfen hat dabei auch, dass Ruba sich ins Erlernen der deutschen Sprache richtig reingekniet hat. Sie habe sich dadurch „sehr gut ausdrücken können“, heißt es in der Bescheinigung der beiden Ärzte.

So konnte sie beispielsweise an der Rezeption mithelfen oder bei Hör- und Sehtests assistieren. „Zu Patienten war sie sehr höflich, ebenso im Umgang mit Ärzten und Personal“, heißt es weiter. „Bei Patienten aus dem arabischen Raum habe ich mit Übersetzen helfen können“, erinnert sie sich.

Ruba sieht sich jetzt auf dem richtigen Weg, auch wenn dieser noch lang und beschwerlich ist. Dessen ist sie sich inzwischen bewusst. „Doch ich will Abitur machen und Medizin studieren“, steht für sie unerschütterlich fest. Sie schaut sich bereits nach weiteren Praktika im Medizin-Umfeld um. Die passende Lektüre steht schon zu Hause in ihrem Regal. „Ich lese gerade ein Buch über Anatomie.“

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