Bettina Scheuritzel, Schauspiel-Karriere startete in Saarbrücken

Bettina Scheuritzel : Eine bewegte Schauspiel-Karriere

Bettina Scheuritzel erinnert sich gerne an ihre Saarbrücker Zeit. Nach Jahren in Berlin, auch bei Einar Schleef, spielt sie nun in Aachen.

„Es war toll, in Saarbrücken zu studieren“, sagt Bettina Scheuritzel. Seit 2006 lebt und arbeitet sie als Schauspielerin mit Fest­engagement am Theater Aachen und hat ihre Berufswahl nie bereut. „Theater ist für mich immer noch eine der aufregendsten Künste, weil es live passiert, es funktioniert ja nur mit Zuschauern, die im selben Moment im selben Raum sind“, schwärmt die heute 50-Jährige.

Auf die Schauspielschule ging sie 1993 „auf den letzten Drücker“, mit 24 erst, fast schon an der Altersgrenze. Weil sie lange brauchte, um den Mut für diesen Beruf zu finden, wie sie erzählt. Dabei sprach doch alles dafür. Schon im Schülerclub des Schauspiel Frankfurt bewährte sie sich auf der Bühne, in Inszenierungen, die bis zu 40-mal gespielt wurden. Als sogar der legendäre Einar Schleef, damals Hausregisseur in Frankfurt, sie in seinen Produktionen mitwirken ließ, war sie erst recht Feuer und Flamme – „Er war ein Berserker“. Doch die ersten Absagen von Schauspielschulen, eigentlich etwas völlig normales, machten Scheuritzel arg zu schaffen. „Ich war halt nie ein Gretchen- oder Julia-Typ“, meint sie rückblickend, nie der Typ für die klassischen Mädchen-Rollen. In Saarbrücken störte das aber keinen. „Die haben immer schon ein bisschen besondere Leute aufgenommen, die etwas schräg, etwas anders waren.“ Hier fühlte sich Scheuritzel genau richtig. Durch Detlef Jacobsen als Leiter habe die Schule damals neues Renommee bekommen, die Klassen waren klein, nur sieben Studenten pro Jahr, das alles garantierte intensives Arbeiten und Lernen. „Man hatte halt keine Ablenkung, Saarbrücken ist nicht Berlin, man konnte die ganze Aufmerksamkeit in die Ausbildung stecken und hat sich abends immer noch im kleinen Studio getroffen, um die Szenen noch mal zu proben“, resümiert Scheuritzel.

Unglaublich bereichernd fand sie auch, dass an der Schule sowohl Dozenten aus dem Osten wie auch aus dem Westen Deutschlands lehrten. „Die Ost-Lehrer legten mehr Wert auf Technik und Handwerk, die West-Lehrer mehr darauf, wie man Sachen erfühlt.“ Nur einen Haken habe es dabei gegeben: Bei den Prüfungen konnte man es nie beiden Seiten recht machen. Trotzdem hat sie die Abschluss-Prüfung sogar schon vorzeitig, nach nur drei Jahren ablegen können. Der Grund: Als sie gerade ihr zweites Jahr hinter sich hatte, rief Einar Schleef wieder an, um Scheuritzel für Brechts „Puntila und sein Knecht Matti“ am Berliner Ensemble anzuwerben. Wer könnte da nein sagen! Mit einer Ausnahmegenehmigung ließ die Schule sie ziehen und, als sie einen Anschlussvertrag erhielt, das Diplom vorziehen.

Dann aber kam der Hammer: Einar Schleef erhielt vom BE den Laufpass, damit stand auch die hoffnungsvolle Scheuritzel plötzlich auf der Straße. Mehrere Jahre arbeitete sie daraufhin frei, abwechselnd in freien Gruppen der Berliner Szene und in Gastengagements an Berliner Häusern und an Stadttheatern von Essen bis Darmstadt. „Damals konnte man noch gut und günstig in Berlin wohnen,“ sagt die Schauspielerin. Aber weil dieser ständige Wechsel, verbunden mit viel Fahrerei und Unsicherheit, auf die Dauer doch mühsam war, war sie froh, 2006 fest in Aachen unterzukommen. Das Stadttheater, das ungefähr so groß wie das Saarbrücker Staatstheater ist, bietet ihr nicht nur tolle Rollen und die Möglichkeit ihr komödiantisches Talent auszuspielen. Die Arbeit in einem festen Ensemble-Zusammenhang, „wo man nicht immer wieder bei Null anfangen muss“, möchte Scheuritzel ebenfalls nicht mehr missen.

Bettina Scheuritzel heute – seit 2006 lebt sie in Aachen. Foto: Wiebke Berndt

Auch vor der Filmkamera steht die Schauspielerin gelegentlich, etwa als Mutter im Doku-Drama „Meine Tochter Anne Frank“. Apropos Film: Da fällt Scheuritzel noch ein Saarbrücken-Erlebnis ein. „Als es das große Hochwasser gab, standen wir mit den Musikstudenten im Keller und haben Wasser geschöpft, um den Pegel zu halten und die Instrumente zu retten.“ Aufregende Zeiten! „Davon habe ich sogar noch einen Super-Acht-Film, den ich gedreht hatte.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung