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Bernd Rohr ist Fan der Matineen von Sonntags ans Schloss

Jäger und Sammler : Passionierter Fan von Blues und Malerei

Bernd Rohr lässt sich seit rund 20 Jahren keine Bluesmatinee am Schloss entgehen. Er hat rund 10 000 CDs gesammelt. Und er ist Mitglied der Walter-Bernstein-Förderstiftung.

Er ist kein Mann der ersten Stunde: Als die Reihe „Sonntags ans Schloss“ (SaS) 1989 an den Start ging, war Bernd Rohr noch nicht dabei. Aber seit rund 20 Jahren sitzt der heute 70-Jährige bei jeder Bluesmatinee in der ersten Reihe. Rohr sticht heraus, denn er hat nicht nur eine Leidenschaft für den Blues, sondern auch für farbenfrohe Herrenoberbekleidung. Und für Goldschmuck: Den markanten Ring mit dem Signet BLUES hat er eigens anfertigen lassen. Und weil er obendrein passionierter Autogrammjäger ist, lässt Rohr sich jedes Programmheft von jedem einzelnen Mitglied jeder Band, die hier spielt, signieren. Selbst wenn er den Musikern hinterherlaufen muss – bei vielköpfigen Formationen kann das schon mal in Arbeit ausarten. Und wenn nach dem Gig einer verschwindet, dann wartet Rohr so lange, bis er wieder auftaucht – seine Frau rechnet eh nicht damit, dass er pünktlich zum Mittagessen zuhause ist. Denn der pensionierte Oberstudienrat für Deutsch und Geschichte, der die letzten 27 Berufsjahre an einem Gymnasium in Kaiserslautern unterrichtete und außerdem über 30 Jahre lang Dozent für Deutsch am Ausländerkolleg der HTW war, düst jedes Mal aus Mainzweiler bei Ottweiler an.

Seine Affinität zum Blues entwickelte sich schleichend. Als Halbstarker mochte er zunächst fast alles, was anders war als die Musik, die seine Eltern hörten. „Ich bedaure, dass ich selbst kein Instrument spielen kann“, seufzt Rohr. An der Gitarre hatte er sich in Jugendjahren mal versucht, holte sich aber als Linkshänder nur Frust, weil der Musiklehrer ihn, genau wie die Pauker in der Schule, partout zum Rechtshänder umerziehen wollte. Aber viele seiner Mitschüler, Kumpels und späteren Kommilitonen waren aktive Musiker, zum Beispiel die Snobs, und Rohr ging oft mit ihnen auf Tour.

Überhaupt kennt er sich in der hiesigen Musikszene bestens aus und schleppt oft ein handsigniertes Exemplar der „Saar Rock History“ mit sich herum, das er hütet wie den Heiligen Gral – es könnte ja sein, dass er zufällig jemanden trifft, dessen Autogramm ihm noch fehlt. Alben sammelt er außerdem. Mit dem Horten von Aufnahmen habe er aber erst angefangen, als das Medium CD aufkam, sagt Rohr. Davor lieh er sich die Platten von Kumpels aus und nahm sie nicht auf Cassetten, sondern tatsächlich auf Tonband auf; Rohr erinnert sich an regelrechte Kopier-Sessions. Heute hat er über 10 000 CDs zuhause im Schrank stehen – Ehrensache, dass er sich auch davon sehr viele bei Gelegenheit persönlich signieren ließ und lässt. Genau wie die Fotos, die er bei Konzerten schießt. Denn meist führt Rohr auch eine Kamera mit sich – seine Aufnahmen zierten sogar schon Flyer und Plakate des legendären Freudenburger Duc-Saals, für Rohr eine Art zweites Wohnzimmer. „Es gab Zeiten, da hätte ich da einziehen können!“, sagt er lachend. Ja, Rohr ist bekennender Jäger und Sammler, auch saarländische Maler sind nicht vor ihm sicher. So ist er etwa Mitglied der Walter-Bernstein-Förderstiftung, die sich dem Werk dieses Schiffweiler Industriemalers widmet. Und natürlich ist er besonders im Raum Neunkirchen sowohl in der Musik- wie in der Kunstszene bekannt wie ein bunter Hund und könnte glatt als wandelndes Lexikon durchgehen.

Im Laufe der Jahre lernte er aber nicht nur Lokalmatadoren, sondern auch internationale Größen persönlich kennen. Den in Israel geborenen urigen Gitarristen und Sänger Abi Wallenstein etwa, eine Hamburger Legende, die früher häufig bei SaS gastierte. Und es gibt zwei Menschen, die er regelrecht verehrt: den deutschen Musiker und Grafiker Klaus Voormann, auch als „fünfter Beatle“ bekannt, den er wegen seiner feinen und bescheidenen Art schätzt. Und den in diesem Februar verstorbenen Straßburger Grafiker, Schriftsteller und Illustrator Tomi Ungerer, dessen rigorose und kompromisslose Haltung Rohr bewundert.