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Ferngesteuert: Bereits 1300 Flieger in Saarbrücken von der Ferne aus gelotst

Ferngesteuert : Bereits 1300 Flieger in Saarbrücken von der Ferne aus gelotst

Seit Anfang Dezember sitzen die Fluglotsen für den Flughafen Saarbrücken mehr als 400 Kilometer entfernt - in Leipzig. Die Umstellung ist gut gelungen - auch wenn es kleine Aussetzer gab.

Bereits rund 1300 Flugzeuge am Flughafen Saarbrücken sind in den ersten rund sieben Wochen seit der Umstellung aus der Ferne von Fluglotsen in Leipzig überwacht worden. Die Umstellung sei planmäßig gelaufen, sagte der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), Stefan Jaeckel, der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Es habe keine Probleme gegeben, nur „kleine Kinderkrankheiten, die uns zu neuen Erkenntnissen verholfen haben“. Das System habe sich jetzt schon bewährt.

Seit 4. Dezember wird der Flugverkehr in Saarbrücken von Fluglotsen in mehr als 400 Kilometern ferngesteuert. Im Dezember seien insgesamt 753 Flieger aus Leipzig gelotst worden, in den ersten drei Wochen im Januar seien es 543 gewesen.

Der Flughafen Saarbrücken ist der erste internationale Flughafen in Deutschland, der nicht mehr vom örtlichen Tower aus überwacht wird. In 2020 soll Erfurt angeschlossen werden, später Dresden. Dann würden die drei kleinsten internationalen Flughäfen Deutschlands ferngesteuert.

Zu „kleinen Aussetzern“ nach der Umstellung in Saarbrücken habe einmal ein Ausfall einer Infrarot-Kamera gezählt, berichtete Jaeckel. Da habe sich dann aber - wie geplant - automatisch sofort eine andere Kamera zugeschaltet, bis das defekte Gerät ausgetauscht worden sei. Zur Kontrolle des Flugverkehrs nutzen die Lotsen in Leipzig Video- und Infrarotkameras vor Ort in Saarbrücken. Bei der Sicherheit gibt es nach DFS-Angaben keine Abstriche.

Neue Erkenntnisse habe man zudem bei der Infrarot-Technologie gewonnen, sagte der Sprecher. „Wir hatten uns da bei Nebel etwas mehr erhofft.“ Man habe aber festgestellt, dass da die „normale Panoramasicht“ ohne Zuschaltung von Infrarot „immer noch mehr hilft als Infrarot“. „Das hat uns ein bisschen überrascht, aber es ändert ja nichts dran, dass die Funktionsweise trotzdem funktioniert.“

Ein großes Plus sei die Infrarotkamera beim Erkennen von Flugzeugen, wenn diese noch sehr weit entfernt seien, sagte Jaeckel. Sie erkenne die Maschinen automatisch und mache am Bildschirm „einen Kasten darum herum“, so dass der Fluglotse diese und eine andere Maschine über das normale Kamerabild gleichzeitig im Blick behalten könnte. Ende März werde es ein Update geben, mit dem die Technik noch besser werde.

Die anfangs gewonnenen Erkenntnisse seien gut: „Die kann man nur im Live-Betrieb bekommen, die kriegt man vorher nicht“. Es seien alles Erkenntnisse, „die das Ganze noch mehr verfeinern, die aber nicht bedeuten, dass wir das Projekt noch mal überdenken müssen“.

Von der „Fernsteuerung“ erwartet sich die Flugsicherung, dass sie durch das System ihr Personal effizienter und flexibler einsetzen kann. Das soll Kosten senken und die Produktivität erhöhen. Wann Dresden mit an Bord komme, sei noch offen. „Wir haben da noch keine Jahreszahl“, hieß es. Nach der Ausweitung auf Erfurt im nächsten Jahr werde man sich noch mal zusammensetzen und „validieren“, bevor man dann in Dresden starte.

Der Start des Konzepts „Remote Tower Control“ war lange vorbereitet worden, die Kameratests begannen vor gut vier Jahren. Im Tower in Saarbrücken war nach dem Start in den ersten Wochen noch ein Lotse, um notfalls bei Problemen mit dem neuen System eingreifen zu können. „Dafür gab es aber die ganze Zeit keine Veranlassung.“