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Malerei
„Bel Air“ von Ute Lehnert zeigt Bilder voll leuchtender Farben

Ute Lehnert in einer früheren Ausstellung.     
Ute Lehnert in einer früheren Ausstellung.    FOTO: Foto ¬© Rich Serra - www.rich-se / Rich Serra
St. Arnual. Von Nicole Baronsky-Ottmann

„Es war der ausdrückliche Wunsch meiner Mutter, dass die Ausstellung stattfindet“, erklärte Claudia Lehnert bei der Eröffnung der Ausstellung „Bel Air“ im Heimatmuseum St. Arnual am Samstag. Denn die Saarbrücker Künstlerin Ute Lehnert, deren jüngste Werke in der Ausstellung zu sehen sind, ist am 9. September verstorben. Obwohl sie die letzten Jahre gesundheitlich angeschlagen war, hatte sie sich auf diese Ausstellung akribisch vorbereitet, die Gemälde für den Raum, sogar für die einzelnen Wände gemalt, die gesamte Ausstellung genau konzipiert.


Ute Lehnert, die 1938 in Saarbrücken geboren wurde, studierte in den 1950er Jahren an der Werkkunstschule Saarbücken, absolvierte die Grundlehre bei Prof. Holweck. Sie war diplomierte Grafik-Designerin, als Malerin jedoch Autodidaktin, die schon seit 1968 ihre Gemälde in Ausstellungen in Saarbrücken, aber auch deutschlandweit und international häufig präsentierte. Ute Lehnert hatte einen sehr wachen Geist, war vielseitig interessiert. Daher engagierte sie sich neben der eigenen Kunst auch für ihre Umgebung.

Als sie in den 1970er Jahren ihr Atelier in der Fröschengasse hatte, gründete sie die Arbeitsgemeinschaft Bildender Künstler (ABK) Saarbrücken mit dem Ziel, Kunstwerke im Öffentlichen Raum zu verankern. Das erste Projekt der Arbeitsgemeinschaft war eine Mitgestaltung der Dorfmitte von Auersmacher, das zweite, sehr bekannte Projekt war die Mitarbeit beim Gestaltungsrahmenplan der Fußgängerzone am St. Johanner Markt. Ein Schwerpunkt dieser Gestaltung ist die Platzanlage und das ursprünglich aus drei Einzelbrunnen bestehende Brunnenensemble am Obertor, deren Entwürfe von Ute Lehnert stammen.



Später widmete sich die Künstlerin mehr und mehr ihrer Malerei, verbrachte viele Monate in der Bretagne, deren Licht, Stimmung und Farben Eingang in ihre Kunstwerke fanden. Ab 1998 führte Ute Lehnert ihr Atelier in St. Arnual, das für sie „ihr Quartier“ wurde, daher stellte sie gerne und mehrfach in den historischen Räumen des Heimatmuseums St. Arnual aus.

Ihre Malerei der letzten Jahre war ungegenständlich, meist schichtete die Künstlerin verschieden Farben in durchscheinenden Lasuren und mit Kreiden übereinander, brachte Schicht um Schicht auf die Leinwände auf, wobei es ihr gelang, dass die Farben trotzdem leuchteten, die Gemälde aus der Tiefe heraus strahlten. Und immer waren irgendwo Anleihen des Gegenständlichen, der Natur, der Landschaft oder der Figur. In den letzten Jahren hat Ute Lehnert durch die Flüchtlingsthematik, die sie an die eigene Flucht erinnern ließ, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Schwarz-weiß-Zeichnungen angefertigt, die nur wenig von der Leichtigkeit der Gemälde vermittelten. „Das war schon schwere Kost“, erklärte auch Claudia Lehnert, die Tochter über diese Phase.

Umso erstaunlicher, dass die letzten Gemälde, an denen Ute Lehnert gearbeitet hat, wieder vor Licht und Farbe leuchten, wie man das aus früheren Zeiten kannte.

Ute Lehnert war gesundheitlich angeschlagen, als sie sich auf die aktuelle Ausstellung im Heimatmuseum vorbereitet hat, aber ihr Tod kam doch sehr plötzlich. Dass die Ausstellung trotzdem stattfindet, ist wunderbar. Denn das Zusammenspiel von viel Blau mit Rot und Weiß sowie das Glänzen und die Tiefe der Farben, die Akzente mit Pastellkreide, die Landschaftsanleihen von Horizonten und Meereswogen machen die Gemälde dieser letzten Serie „Bel Air“ strahlend, leuchtend, zu einer wahren Pracht.

Die Ausstellung „Bel Air“ von Ute Lehnert im Heimatmuseum St. Arnual, Augustinerstraße 7, Saarbrücken. Geöffnet bis 4. November, sonntags von 15 bis 18 Uhr. Eine Dauerausstellung der Werke von Ute Lehnert wird im Hotel-Restaurant Bruchwiese, Preußenstraße 68, Saarbrücken, gezeigt.