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Bei Konzert des Stefan Münzer Trios platzt Terminus in Saarbrücken aus allen Nähten

Terminus : Jazz-Konzert in Sauna-Atmosphäre

Beim Konzert des Stefan Münzer Trios platzt das Terminus in Saarbrücken aus allen Nähten. Dabei ist das Musikbistro noch nicht mal offiziell eröffnet.

„Wenn jetzt das Corona-Virus hier drin wäre, hätte es garantiert jeder“, meint eine Zuhörerin. Stimmt: Zuverlässiger als im Terminus könnte man sich nicht anstecken. Das Musikbistro, das von Sarreguemines in die Saarbrücker Bleichstraße umgezogen ist, lockt am Freitag so viele Neugierige an, dass es dem Ansturm kaum standhält. Dabei ist noch nicht mal Eröffnung – im Vorlauf darauf findet eins jener Jazz-Konzerte statt, für die der Terminus berühmt ist, weswegen sich hier auch viele die üblichen Verdächtigen tummeln. Und wahre Blue-Note-Fans sind bekanntlich hart im Nehmen.

Wie die Druckknöpfe hocken die Gäste im bestuhlten Bühnenbereich des schlauchartigen Raums aufeinander. Sogar in den Nischen zu den sanitären Anlagen pfropft sich alles. Wer ein Foto machen möchte, muss die Leute freundlich auch just dorthin schieben, um einigermaßen freie Sicht zu haben.

Im breiteren Thekenbereich vorne am Eingang, durch den es beständig nachquillt, steht man ohnehin so dicht gedrängt, dass man sich kaum drehen und daher auch nicht umfallen kann. Das hat durchaus Vorteile, weil einige in der Sauna-artigen Atmosphäre tatsächlich fühlen, wie die Ohnmacht nach ihnen greift: Von all den dampfenden Leibern ist es so warm und stickig, dass einige japsend nach draußen in die kühle Nacht flüchten. Luft! Manche kommen nicht wieder, andere wagen sich beherzt zurück ins Gewühl – schließlich will man die Musik hören.

Das Stefan Münzer Trio stellt sein erstes Album „Utopia“ vor, das mit einem hohen Anteil freier Improvisation Einflüsse aus Jazz, Klassik und Neuer Musik integriert. Pianist Stefan Münzer, Kontrabassist Jan Oestreich und Schlagzeuger Christian Fischer gehen das unvoreingenommen, sensibel und zupackend an. Mal subtil klangforscherisch. Mal straff strukturiert mit Anleihen an Bachs Kunst der Fuge – weiträumige offene Passagen wechseln mit stimulierenden Grooves und mitreißendem Flow. Ein Zuschauer fühlt sich an die skandinavischen Klanglandschaften des Esbjörn-Svensson-Trios erinnert, während ein anderer heraus zu hören meint, dass der Bandleader im Brotberuf Psychologe ist. „Der spielt die berühmten Freud‘schen Rückungen“, ulkt er.

Hinter der Theke wischt sich Geoffroy Muller, Jazz-Trompeter, Performance-Künstler und nervenstarker Patron des Etablissements, erschöpft den Schweiß von der Stirn, um sich dann wieder mit einem Tablett kunstvoll durch das Gedränge zu schlängeln. Auch die Mädels vom Service machen an diesem Abend ihr Diplom im Gläser-Jonglieren. Einige Gäste halten Handtasche und Jacke eng an sich gepresst und haben gar keine Hand frei für ein Getränk. „Kein Problem, ich leg Dir einen Schlauch!“, bietet die Bedienung an – eine schlagfertige Mischung aus Mutterwitz, Geschäftstüchtigkeit und Pragmatismus.

Mit der alten Räumlichkeit hat der neue Terminus wenig gemein. Statt Plüsch, Mustertapete und Kronleuchtern herrscht die neue Sachlichkeit: große Fenster, moderne Strahler, Alu, Holz. Das Mauerviereck, aus dem Farne keck ihre Triebe in die Gegend strecken, wirkt da schon regelrecht verspielt. Ab März sollen laut Chef Geoffroy Muller vorerst freitags ab 21 Uhr Konzerte stattfinden. Und auch die original französische Küche will spätestens im April mit hausgemachten und saisonalen Gaumenfreuden ihren Betrieb aufnehmen.

Beständig zischt ein ermahnendes „Pssst!“ durch den Eingangsbereich, wo das Mitteilungsbedürfnis der Gäste damit kollidiert, dass das Stefan Münzer Trio sein Konzert live mitschneidet. Von den unmikrofonierten Ansagen des Bandleaders kriegt man hier leider kaum etwas mit, außer der Hoffnung, dass die neue Spielstätte gut angenommen werde. Wenn es so weitergeht wie an diesem Abend, besteht wenig Anlass zur Sorge.

Die offizielle Eröffnung des Musikbistros Terminus in der Bleichstraße 23 in 66 111 Saarbrücken ist am kommenden Donnerstag, 20. Februar, um 11 Uhr.