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Kolumne
Bei diesem Häuschen glühe ich vor Wut

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Die Leute können gerne Glühwein trinken. Aber der riesige Stand auf dem Christkindl-Markt in Form einer Almhütte ist eine Zumutung.

Sie haben mir meinen Weihnachtsmarkt kaputt gemacht. Seit Jahren schon freue ich mich immer darauf, wenn der Saarbrücker Christkindl-Markt öffnet. Auch wenn ich die Angebote an den Ständen mittlerweile auswendig kenne, es vergeht kein Advent, an dem wir nicht mindestens ein, zweimal dem fliegenden Weihnachtsmann zuschauen. Als meine Tochter klein war, waren wir sogar fast Stammgast dort. Seine Rudolf-Geschichte konnte ich fast auswendig.


Ich mag Weihnachten. Ich hab’ es auch gern mal ein bisschen kitschig. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die Weihnachtsmärkte generell blöd finden, wegen Kommerz und so. Das geht mir nicht so. Ich mag einfach die Stimmung, die Lichter, den Glühweinduft. . . Und beim Stichwort Glühwein sind wir auch schon bei meinem Ärger.

Als ich das neue Glühwein-Haus auf dem Saarbrücker ChristkindlMarkt das erste Mal gesehen habe, hat es mich fast umgehauen. Wie ein Ufo in Form einer Tiroler Berghütte ist es mitten auf unserem barocken Marktplatz gelandet. Es zerschlägt von den Proportionen her alles um sich herum.

Das Haus ist so hoch, dass man kaum noch die schönen Fassaden am St. Johanner Markt sehen kann. Nicht mal die Holzfarbe passt zu den übrigen Ständen – mal abgesehen davon, dass man schon gern wissen würde, was der grassierende Almhütten-Trend mit Weihnachten zu tun hat.

Erinnert sich noch wer, wie der Weihnachtsmarkt hier früher ausgesehen hat? Ein schreckliches Sammelsurium von Hütten war das, lieblos und geschmacklos. Was war ich seinerzeit froh, als die einheitlichen Hütten kamen, der Weihnachtsmann flog und der ganze Markt ein harmonisches Bild bot.



Und jetzt geht das schon wieder los mit der Geschmacklosigkeit. Ich habe absolut nichts dagegen, dass Leute Glühwein trinken, ich hab nicht mal was dagegen, dass jemand an Weihnachten Geld verdienen will. Muss ja auch mal sein. Aber doch bitte nicht so. Da fange ich vor Wut an zu glühen. Und kein Glühwein hilft.