Bei der Feuerwehr in Saarbrücken brennt’s an allen Ecken

Streit mit der Landeshauptstadt : Bei der Feuerwehr brennt’s an allen Ecken

Nicht nur bei der Berufsfeuerwehr gibt es Ärger: Der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken wurde abgesetzt – jetzt verklagt er die Stadt.

Bei der Saarbrücker Feuerwehr überschlagen sich die Ereignisse. Nach den Querelen um den Chef der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, Josef Schun, will nun auch der vom Dienst freigestellte Chef der Freiwilligen Feuerwehr gegen seine Abberufung klagen. „Marc Denzer hat einen Anwalt eingeschaltet und wird sich gerichtlich zur Wehr setzen“, kündigte Saarbrückens Sicherheitsdezernent Harald Schindel (Linke) am Mittwoch an.

Denzer war im Dezember als ehrenamtlicher Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Landeshauptstadt Saarbrücken vom Dienst freigestellt worden, nachdem er beim Brand des Feuerwehrgerätehauses in Altenkessel fünf Stunden lang trotz Alarmierung durch die Leitstelle nicht zum Einsatz kam und sich nach Angaben der Stadt auch nicht abgemeldet hatte. Der Einsatz in Altenkessel brachte das Fass zum Überlaufen, der Ärger schwelte schon Wochen zuvor. Sicherheitsdezernent Schindel ließ Denzer ein offizielles Schreiben zustellen und setzte ihn als Wehrführer ab. Sein Feuerwehrfahrzeug, ein roter Mercedes-Pkw, Funkgerät und Schlüssel zur Feuerwache 1 im Saarbrücker Hessenweg wurden eingezogen. Schindel warf Denzer vor, eigenmächtig Feuerwehrleute befördert zu haben. In einem Fall habe er einen persönlichen Freund bevorzugt und später versucht, Schindel eine Blanko-Urkunde zum Unterschreiben vorzulegen. Mit der Urkunde habe Denzer im Nachhinein eine Beförderung absegnen lassen wollen, die er Tage zuvor schon vollzogen habe. Denzer habe außerdem immer wieder wichtige Termine verpasst und sich mit seinen Stellvertretern und den Löschbezirksführern in Saarbrücken überworfen. Letztere hätten sich schriftlich an Schindel gewandt und eine Absetzung des Wehrführers gefordert.

 Bei der Stadt Saarbrücken, die seit Tagen immer wieder Auskunft zur Lage bei der Berufsfeuerwehr geben muss, ist man in Sachen Wehrführung wortkarg: „Die beiden Stellvertreter nehmen gemeinsam die Funktion der Wehrführung war und werden hierbei von den Löschabschnittsführern unterstützt. Weitere Angaben können wir derzeit nicht machen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt (siehe § 5 Abs. 2 Nr. 1 Saarländisches Mediengesetz)“, schrieb gestern Stadt-Pressesprecher Thomas Blug. Schindel rechnet fest mit einem Rechtsstreit beim Verwaltungsgericht. Es sehe nicht so aus, als würde Denzer freiwillig sein Amt zur Verfügung stellen.

Unterdessen ist die Anordnung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Saarlouis zu Reihenuntersuchungen krankgemeldeter Berufsfeuerwehrleute beim Chef der Amtsärzte-Vereinigung auf Kritik gestoßen. Dr. Jürgen Rissland hält die gezielte Untersuchung in Einzelfällen für ein „probates Mittel“, um Aufschluss über den medizinischen Sachverhalt zu gewinnen. Aber: „Wenn eine Vielzahl von Patienten innerhalb kürzester Zeit untersucht werden soll, stellt das die Amtsärzte schon vor große Probleme“, so der Vorsitzende des Landesverbandes Saarland der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Das OVG hatte verlangt, dass Amtsärzte alle krankgeschriebenen Feuerwehrbeamten der Landeshauptstadt untersuchen. Auslöser: die über Nacht aufgelaufenen Atteste, die dazu führten, dass die einzige kommunale Berufsfeuerwehr im Saarland nicht mehr einsatzfähig war. Vorausgegangen war der Beschluss des Verwaltungsgerichts über die unverzügliche Rückkehr des versetzten Berufsfeuerwehrchefs Josef Schun. Die Richter am OVG wollten mithilfe der Reihenuntersuchung herausfinden, ob sich Simulanten unter den Arbeitsunfähigen befinden. Binnen einer nur wenige Tage angesetzten Frist mussten darauf drei Mediziner des Gesundheitsamtes 90 Feuerwehrleute untersuchen. Ihr Ergebnis: Die Krankschreibungen waren nicht zu beanstanden.

Mittlerweile hat sich der umstrittene Feuerwehrchef Josef Schun selbst krankgemeldet. Nur einen Tag nach seiner Rückkehr auf seinen alten Posten ließ er sich ab Mittwoch per medizinischem Attest vom Dienst befreien. Bis einschließlich Montag, 29. April, gilt nach SZ-Informationen die Krankschreibung. Am Dienstag ist bereits eine weitere Sitzung des Wachmannschaftsbeirates angesetzt, um über die künftige Arbeit zwischen Belegschaft und Feuerwehrführung zu beraten. Das Verhältnis zwischen Schun und den Feuerwehrleuten gilt in weiten Teilen als belastet.

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