bedingungsloses Grundeinkommen: In Saarbrücken gibt es eine Diskussionsrunde

Gleicher Betrag für alle : Saarbrücker Treff wirbt für bedingungsloses Grundeinkommen

In zwei Veranstaltungen, heute und am 26. Oktober, diskutiert der „Offene Treff“ neue Einkommensmodelle mit Politikern und Verbandsvertretern.

Das bedingungslose Grundeinkommen, kurz BGE, ist derzeit in vieler Munde. Kurz gesagt geht es darum, jedem Menschen in Deutschland einen gewissen Betrag zu zahlen – unabhängig vom Alter und davon, ob er einer Erwerbsarbeit nachgeht oder nicht. Die Höhe des auszuzahlenden Betrags und die Finanzierung des Ganzen werden auch unter den Befürwortern kontrovers diskutiert. Zum Beispiel am heutigen Donnerstag, wenn um 19 Uhr in der Nauwieser Neunzehn in Saarbrücken eine Lesung zum Thema stattfindet. Oder am Samstag, 26. Oktober, zwischen 10 und 14 Uhr bei der Stiftung Demokratie Saarland (Europaallee 18, Saarbrücken).

Dort werden der ehemalige Landtagsabgeordnete Michael Hilberer (Piratenpartei) und Sarah Klein (LAG Digitalisierung der Grünen) sowie Sarah Sterz (Algoright) und Werner Rätz (attac) diskutieren. Diese Veranstaltung wird von der attac Gruppe Saar und den Jusos Saar zusammen mit Ursela Barteczko und ihrem „Offenen Treff für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ organisiert, der seit Jahresbeginn an jedem vierten Donnerstag im Monat stattfindet. Derzeit immer im Haus der Umwelt. Insgesamt gehören etwa 20 Personen zum Kreis der Teilnehmern.

„Mit dem Thema beschäftigt man  sich im Saarland schon länger. Aber irgendwie war alles ein bisschen eingeschlafen“, sagt die 27-jährige Barteczko. Sie erfuhr im Rahmen eines Seminars der Studienstiftung erstmals von dem Konzept. Danach ließ sie das Thema nicht mehr los: „Im Laufe der Zeit ist mir immer mehr aufgefallen, in welchen Bereichen sich das positiv auswirken würde. Ein Beispiel ist die Klimakrise. Ich denke, dass man die nicht ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen lösen kann.“ Da man das Thema so abgekoppelt von der Arbeitsplatzfrage diskutieren könne.

Politisch interessiert ist die aus Celle stammende Wahlsaarländerin schon länger. Durch die Wahlerfolge der AfD wurde das SPD-Mitglied noch einmal zusätzlich politisiert. „Den großen Wurf zu der Frage, wie wir gesellschaftlich einmal leben wollen, sehe ich zur Zeit bei keiner Partei“, meint Barteczko. Ihr Offener Treff soll daher parteiunabhängig und sachorientiert sein.

Barteczko hat einen Master in Biotechnologie, will aber einen in „Data science und künstliche Intelligenz“ nachlegen: „Ich fand die aktuellen Fragen so drängend, dass ich mich beruflich lieber damit beschäftigen wollte als mit Biotechnologie.“ Zusätzlich studiert sie an der Fernuni Hagen Politik, Verwaltungswissenschaften und Soziologie. „Es gibt genug Arbeit. Man muss nur aufhören, Arbeit mit Erwerbsarbeit gleichzusetzen“, findet Barteczko. „Es ist auch Arbeit, wenn ich mich zu Hause um meine Kinder kümmere oder mir Zeit nehme, um meine Eltern zu pflegen. Von dieser Arbeit wird es immer genug geben.“

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