Barbara Meyer-Gluche kandidiert als Bürgermeisterin in Saarbrücken.

Neues Personal im Saarbrücker Rathaus : Grüne wird voraussichtlich Bürgermeisterin in Saarbrücken

Barbara Meyer-Gluche wird die erste Bewährungsprobe für Jamaika im Saarbrücker Stadtrat. Die Grünen-Politikerin will Bürgermeisterin der Landeshauptstadt werden. Dafür braucht sie in geheimer Abstimmung das Votum von mindestens 32 der 63 Saarbrücker Stadtverordneten.

Das Bündnis aus CDU, Grünen und FDP  besteht aus 34 Stadtverordneten.  Die nach der Kommunalwahl Ende Mai neu entstandene Jamaika-Koalition wirkt ge- und entschlosssen. Dennoch: Ganz sicher kann sich Meyer-Gluche nicht sein, in der Stadtratssitzung am 3. Dezember zur Nachfolgerin von Bürgermeister Ralf Latz (SPD) gewählt zu werden.
Die Saarbrücker Grünen haben schon einmal eine Überraschung erlebt, als es darum ging, einen der Ihren in die Chefetage des Rathauses zu wählen. 2001 fehlten dem Grünen Dieter Grünewald drei Stimmen aus der damaligen rot-grünen Koalition. Obwohl SPD und Grüne eine Mehrheit im Stadtrat hatten, wurde der CDU-Mann Dieter Ehrmanntraut zum Baudezernenten gewählt. Das Bündnis von SPD und Grünen zerbrach.

Barbara Meyer-Gluche kann wohl dennoch entspannt in die Wahl gehen. Vergangene Woche hat der Stadtrat die Ausschreibung der Stelle, die frei wird, weil die Amtszeit von Ralf Latz endet, einstimmig verabschiedet. Die Stelle wurde dabei sogar auf die Grünen-Kandidatin zugeschnitten. Als Bürgermeisterin wäre sie nicht nur, wie Latz bisher, für die städtischen Fianzen, sondern auch für „Nachhaltigkeit“, also etwa für Umwelt- und Klimaschutz, zuständig.

Die 13-köpfige Grünen-Stadtratsfraktion hat ihre Vorsitzende einstimmig für die Wahl nominiert.  Das war abzusehen, weil Barbara Meyer-Gluche bereits Kandidatin der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl war. Sie holte dabei 14,4 Prozent der Stimmen.

Barbara Meyer-Gluche ist 35 Jahre alt. Man schicke die Saarbrückerin nun erneut für die Grünen ins Rennen, weil sie „eine Expertin auf dem Gebiet der Finanzpolitik mit Verwaltungserfahrung“ und „zugleich in der Partei seit vielen Jahren ehrenamtlich aktiv und tief verwurzelt ist“, teilt die Grünen-Stadtratsfraktion mit.

Die gebürtige Saarländerin war nach Angaben der Fraktion beste Volkswirtin ihres Jahrgangs an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Neben einem Master in Volkswirtschaftslehre hat sie dort vorher außerdem einen Magister Artium der Politikwissenschaften abgeschlossen. Nach ihrem Studium ist sie 2011 zurück ins Saarland gekommen. Beruflich war sie bis 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Finanz- und Haushaltspolitik in der Grünen-Landtagsfraktion tätig. Seit über zwei Jahren arbeitet sie als Referentin in der Haushaltsabteilung im saarländischen Ministerium für Finanzen und Europa. Sie ist dort als stellvertretende Referatsleiterin für Finanzplanung, Steuerschätzung, Bund/Länder- und Kommunalfinanzen zuständig.

In ihrer Partei ist Meyer-Gluche seit Jahren ehrenamtlich in unterschiedlichsten Funktionen aktiv. Seit 2018 ist sie Generalsekretärin der Grünen Saar, seit 2014 Kreisvorsitzende in Saarbrücken. Bei der Kommunalwahl im Mai hat sie erstmals ein Stadtratsmandat errungen. Mit ihr und Torsten Reif als Spitzenkandidaten haben die Grüne ihr Ergebnis in Saarbrücken auf 20 Prozent fast verdoppelt. Als Fraktionsvorsitzende hat Meyer-Gluche die Koalitionsverhandlungen im Stadtrat „in einem Verhandlungsteam geführt und ist schließlich mit der Empfehlung der Partei-Basis eine Koalition mit CDU und FDP auf Grundlage des ausgehandelten Koalitionsvertrages eingegangen“, schreibt die Fraktion.

Die zweite Führungsstelle, die die Jamaika-Koalition zu besetzen hat, wird im August frei. Das Vorschlagsrecht für die Nachfolge von Sportdezernent Harald Schindel (Linke) liegt dann bei der FDP:

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