Bahnexperte Werner Ried sagt, das Saarland braucht 50 neue Bahnhöfe

Zukunft des Schienenverkehrs : Experte: Saarland braucht 50 neue Zug-Haltepunkte

Das Saarland braucht zu seiner wirtschaftlichen und touristischen Fortentwicklung bessere Bahnverbindungen mit bis zu 50 zusätzlichen Haltepunkten und Bahnhöfen sowie die Reaktivierung stillgelegter Zugstrecken.

Das war der Tenor des Vortrags „Die Zukunft des saarländischen Schienenverkehrs in den nächsten 20 Jahren“, die Verkehrsgeograph und Bahnexperte Werner Ried am Mittwochabend im vollbesetzten Sitzungssaal der Bahndirektion am Saarbrücker Hauptbahnhof hielt. Der Saar-Landesregierung um Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) warf er im ergänzenden SZ-Gespräch vor, noch immer keinen schlüssigen Verkehrsentwicklungsplan vorgelegt zu haben. Somit sei der Zugang zu Fördergeldprogrammen bei Bund und EU verwehrt.

„Die Großregion Saar-Lor-Lux hatte mit der Montanindustrie als Initiator mal eines der dichtesten Bahnnetze der Welt“, betonte Ried. Inzwischen sei aber das Streckennetz von einst 3300 Kilometern auf 1600 Kilometer geschrumpft und die Bahn hierzulande in einem Netz voller Lücken abgehängt. Alleine seit Ende der 1980er Jahre seien 140 Kilometer Einzelstrecken stillgelegt worden. Als Strecken für eine Reaktivierung bieten sich nach Ansicht Rieds an: Die Bliestalbahn Homburg-Zweibrücken, die nach seiner Prognose als erste Priorität bis 2025 kommen dürfte, sowie die Niedtalbahn Dillingen-Bouzonville, die Primstalbahn Dillingen-Schmelz, die linke Saartalstrecke mit Rosseltal und Bisttal Saarbrücken- Großrosseln/Überherrn, die Merzig-Büschfelder Eisenbahn (Losheim) sowie die Hochwaldbahn Türkismühle-Hermeskeil.

Als Aufbruchstimmung wertete es Ried, dass das Saarland sich am Deutschland-Takt der Bahn beteiligen wolle, wonach der Personenverkehr auf der Schiene bis zum Jahr 2030 verdoppelt werden solle. „Aber es passiert noch nichts“, bemängelte er, „die einzigen, die noch fehlen, sind die Saarländer“. In seiner visionären Zeitreise sprach sich Ried dafür aus, bis 2024/29 die Städte Saarbrücken-Metz-Luxemburg-Trier mit ihrem Hinterland und Intracity-Zügen schneller als bisher zu verbinden, wozu er den Neubau einer Brücke bei Thionville/Yutz anregte. Weitere Visionen: „2033 fahren keine Dieselzüge mehr, sondern wir fahren nur noch elektrisch, der Taktverkehr nach Paris ist wieder verdichtet und in viereinhalb Stunden sind wir mit dem Zug in London“.

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