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Drama: „Baby Macbeth“ für ganz Kleine und Große

Drama : „Baby Macbeth“ für ganz Kleine und Große

Von Siliva Buss

„Unglaublich“, staunte die belgische Presse vor ein paar Tagen über den Mut von Agnès Limbos. Wagt die Grande Dame des Objekttheaters es in ihrer neuesten Produktion doch, kleinen Kinder ab einem Jahr ausgerechnet Shakespeare zu kredenzen. Diesen alten Meister, in dessen Tragödien sich Liebe immer auf Mord und Totschlag reimt.

In „Baby Macbeth“, das knapp drei Wochen nach der Brüsseler Uraufführung am Mittwoch zum Festival Loostik ins Theater im Viertel kommt, lässt Limbos etwa Hamlet einen Mini-Schädel zücken und Romeos und Julias Familien kleine Schwerter, um sich zu bekämpfen. Doch siehe da, nicht nur die Kritikerin der Zeitung Libre Belgique selbst, auch die Zwei- und Drei-Jährigen Zuschauer, die sie befragte, zeigten sich beglückt.

„Theaterstücke für die Kleinen sind oft viel zu süßlich“, sagt Agnès Limbos im SZ-Gespräch. Die 65-jährige Künstlerin, die in Belgien und im Kongo aufwuchs, tritt mit ihrer 1984 gegründeten Compagnie Gare Centrale in aller Welt auf, gastierte auch schon vor langer Zeit bei den Saarbrücker Festivals Perspectives und Intermarionett. Limbos hat sowohl mit kleinen wie großen Zuschauern viel Erfahrung, beide sollen bei „Baby Macbeth“ auf ihre Kosten kommen.

„Wir haben ein kleines elisabethanisches Theater dafür gebaut“, erzählt sie. Gespielt wird auf einem großen Tisch, drumherum sitzen die Kleinen, gleich hinter ihnen ihre Eltern, damit sie sich geborgen fühlen. Vier Kleine wird sie auf die Bühne bitten, in edlen Roben mit Krönchen dürfen sie wie Könige und Königinnen auf Trönchen sitzen. Sie spiele in ganz engem Kontakt mit den Kleinen und spreche nicht nur Altenglisch, sondern auch lautmalerische Baby-Sprache, sagt Limbos.

Die Künstlerin hat eine richtige Schatzkammer voll mit alten Spielzeugen, Puppen, Gegenständen, die sie auf Flohmärkten sammelt. Der Vorteil alter Sachen — laut Limbos: Sie haben selbst schon eine Geschichte, eine Seele, an der sich nicht nur Limbos Fantasie, sonder auch die des Publikums entzünde.

Vorstellungen: 12. Oktober, 9.30 Uhr, 11.30 Uhr, 15 Uhr. TIV, Dauer: 25 Minuten, Infos: Tel. (0681) 501 1105

www.loostik.eu