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Awo zu Todesfällen im Altenheim: "Halten jederzeit Vorschriften ein"

Todesfälle im Püttlinger Seniorenheim : „Halten jederzeit Vorschriften ein“

Awo: Viele Todesfälle im Püttlinger Altenheim liegen auch an Vorerkrankungen.

Nachdem im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Püttlingen 19 Personen gestorben sind, die mit dem Corona-Virus infiziert waren, sind Vorwürfe gegen das Heim laut geworden. Demnach sollen vor der ersten Meldung von Krankheitsfällen am 31. März Mitarbeiter zum Beispiel nicht konsequent Mund- und Nasenschutz getragen und trotz Besuchsverbots Angehörige Zutritt gehabt haben. Hat das die Ausbreitung des Virus erleichtert?

Awo-Pressesprecher Jürgen Nieser weist das am Montag zurück: „Wir empfinden es als rufschädigend, dass versucht wird, uns zu unterstellen, wir hätten die Ausbreitung des Virus erleichtert und fahrlässig Menschenleben gefährdet. Wir haben jederzeit die Vorschriften ordnungsgemäß umgesetzt.“ Das gelte auch für die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz. Auch das Besuchsverbot seit 18. März sei in der Einrichtung konsequent umgesetzt worden. Nieser: „Besuche waren/sind nur in besonderen Ausnahmefällen möglich. Ausnahme ist die Sterbebegleitung durch Angehörige. Deshalb waren Angehörige im Heim.“ Im Rahmen des Besuchsverbots sei auch gewährleistet, dass der Essenslieferant nicht in den Pflegebereich kommt. Alle externen Lieferungen würden an der Pforte abgegeben. Nieser betont, auch den Umgang mit Schutzausrüstung habe das Gesundheitsamt kontrolliert und in keinster Weise beanstandet. Das Pflegepersonal sei aber nicht getrennt in jene, die die Infizierten betreuen, und den Rest, die die anderen Bewohner betreuen, ergänzt Lars Weber, Pressesprecher des Regionalverbandes. Wer Infizierte in deren Zimmer betreue, ziehe sich direkt vor der Tür die Schutzausrüstung an und diese direkt nach dem Verlassen des Zimmers wieder aus. So werde gewährleistet, dass sich Pfleger nicht untereinander infizieren.

Wie konnte es dann aber zu so vielen Todesfällen kommen? Nieser betont, auf Initiative der Awo seien direkt nach Ausbruch des Corona-Virus in Püttlingen alle Bewohner und Mitarbeiter getestet worden. Er weist darauf hin, dass in der Corona-Statistik auch Menschen erfasst werden, die an ihrer Vorerkrankung gestorben seien, aber auch mit dem Virus infiziert waren. „Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten alles unternommen, um unsere Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen. Wir waren dabei in ständigem Kontakt und in kontinuierlicher Abstimmung mit Heimaufsicht und zuständigem Gesundheitsamt.“

Lars Weber sagt, das Gesundheitsamt habe sofort gehandelt, als am 31. März die ersten Corona-Fälle gemeldet wurden. „Noch am selben Tag war eine Ärztin aus dem Gesundheitsamt vor Ort, um die weiteren Schutzmaßnahmen festzulegen.“ Der zuständige Hausarzt habe alle Mitarbeiter bis zum 1. April auf das Virus getestet. „Alle Bewohnerinnen und Bewohner, die noch nicht getestet wurden, wurden am 2. und 3. April abgestrichen“, erklärt Weber.

„Die Einrichtung wurde unter Quarantäne gestellt. Bei der Pflege der bestätigt Erkrankten tragen Pflegekräfte vollständige Schutzkleidung. Bei der Pflege der nicht infizierten Bewohner tragen die Pflegekräfte Mund-Nasen-Schutz.“ Die letzte gemeldete Neuinfektion sei am 9. April gewesen, deshalb habe sich die Quarantäne bis zum 23. April verlängert.