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Zehn Jahre Fanradio des 1. FC Saarbrücken: Aus Ähs und Öhs ist Kultradio geworden

Zehn Jahre Fanradio des 1. FC Saarbrücken : Aus Ähs und Öhs ist Kultradio geworden

Fanradio von Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken hat sich aus Experiment zur festen Institution gemausert.

„Tooor! Tooooor! Tooooor!“ brüllen sie im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion in ihre Mikrofone. Die Zuhörer hängen an ihren Lippen. Vom Experiment hat sich das Fanradio des 1. FC Saarbrücken Kultstatus unter den Freunden der Blau-Schwarzen erarbeitet. Seit mehr als zehn Jahren melden sich Reporter via Internet von Dorfsportplätzen und Stadien.

Die Idee eines Radios für Fans kam von Frank Strack und Frank Brach, die für den Internet-Sender RMN-Radio tätig waren. Nachdem ein Versuch bei Borussia Neunkirchen nicht den gewünschten Erfolg brachte, fand Strack im FCS und seinem damaligen Präsidenten Horst Hinschberger mehr Unterstützung. „Das Fanradio war Teil des Konzeptes, Fans und Interessenten mit einer zeitgemäßen Ansprache wieder näher an den Verein heranzuführen“, sagt Hinschberger heute: „Das Fanradio hat geholfen, Aufbruchstimmung zu vermitteln. Es hatte damit großen Anteil an den beiden Aufstiegen bis in die 3. Liga.“

Neben Strack wurden in der Anfangszeit gestandene Radiomoderatoren für das Projekt begeistert. Beispielsweise Sandra Betrand von Radio Salü oder Christoph Tautz und Frank Falkenauer vom Saarländischen Rundfunk. „Christoph und ich durften die Premiere kommentieren. Im Buchwegstadion gegen den FSV Mainz II. 90 Minuten am Stück live war auch für uns Neuland“, erzählt Falkenauer: „Einmal war ich mit Frank Strack auf einem Dorfsportplatz. Das Spiel war so langweilig, da habe ich angefangen, Kartoffelchips zu essen. Das gab heftige Reaktionen, dabei hatten wir nur Lust auf Chips.“

Das Fanradio meldete sich damals nicht nur von Spielen der Männer. Auch 2008 beim DFB-Pokalhalbfinale der Frauen zwischen dem TuS Köln und dem FCS war es vor Ort. „Der FCS ging früh in Führung, gewann am Ende 2:0“, erinnert sich Strack, „von Minute zu Minute steigerte sich unsere Begeisterung und die Zuhörerzahl. Plötzlich waren es über 2000. Das war damals ein Rekord.“ Zum Finale nach Berlin durften sie nicht: Die Übertragungsrechte wären zu teuer.

Schon damals zeichnete sich ein Paradigmenwechsel ab. Die Radio-Profis zogen sich wegen anderer beruflicher Verpflichtungen mehr und mehr zurück. Auch die Zusammenarbeit mit RMN endete. Nun übernahm der Verein mit anderen Providern die Übertragung. Fans begannen, für Fans zu kommentieren. So wie Patrick Reitler. „Meinen ersten Auftritt mit dem Headset auf dem Kopf hatte ich am 1. März 2008 bei der Partie Köllerbach gegen den FCS. Gerne erinnere ich mich an diesen 2:1-Sieg gegen die Köllerbacher“, sagt Reitler, der bei einem saarländischen Rundfunkanbieter arbeitet, dort aber nicht am Mikrofon tätig ist, „mit Grausen aber erinnere mich mich, wie peinlich es mir war, irgendwann ans Mikrofon zu dürfen und vor Aufregung nur ein paar unzusammenhängende Ähs und Öhs herauszustottern. Ich war froh, dass ich von den alten Hasen noch einiges lernen durfte, ehe ich plötzlich und unerwartet nach drei Monaten als ‚Showpraktikant‘ zum ‚Chefreporter‘ aufstieg.“ Es stießen Kai Zimmer und Sven Stiller dazu, später Frederic Graus sowie einige „Feuerwehrleute und Gastmoderatoren.“

„Die Urväter und -mütter haben Radio-Journalismus betrieben auf hohem Niveau“, beschreibt Reitler den Unterschied, „wir versuchen mehr Emotionen zu vermitteln, trotz der wachsenden Routine bleiben wir Amateure und stehen dazu“. Einer der sportlichen Höhepunkte war für ihn und seine Fanradio-Mannschaft der Aufstieg in die 3. Liga 2010 beim Spiel in Bonn. „Damals nahmen wir uns ausnahmsweise auch live eine 20-minütige Auszeit“, erzählt Reitler: „Während wir den armen Zeitungsreporter-Kollegen Horst Fried einfach die Geschehnisse auf dem Platz kommentieren ließen, tranken wir vor der Reporter-Kabine ein Bierchen“.

Viele Fans des FCS-Fanradios kommen von außerhalb des Saarlandes. „Es ist einfach ein tolles Angebot an alle, die nicht zu einem Spiel kommen können. Auch meine Kinder, die ja bekantlich nicht mehr hier wohnen, verfolgen jede Übertragung und fiebern voll mit“, erzählt der aktuelle FCS-Präsident Hartmut Ostermann: „Das Fanradio ist zu einem wichtigen Bestandteil unserer Fankultur geworden. Das wird der Verein auch in Zukunft unterstützen und fördern.“