Auch im Regionalverband ist am 22. Januar Deutsch-Französischer Tag

Kostenpflichtiger Inhalt: Deutsch-französische Freundschaft : Wo Michel und Marianne sich mögen

Vor 57 Jahren wurde der Élysée-Vertrag unterzeichnet. Der Deutsch-Französische Tag am 22. Januar erinnert daran.

Hier der Michel, drüben Marianne – mehr Leben „auf der Grenze“ als im Regionalverband Saarbrücken geht eigentlich nicht. In Großrosseln-Naßweiler gibt’s sogar eine Straße, die auf einer Seite deutsch, auf der anderen französisch ist. Und keltische Stämme gehören zu den frühen gemeinsamen Vorfahren. Zum Deutsch-Französischen Tag in genau einer Woche – der 22. Januar erinnert an den Abschluss des Elysée-Vertrags 1963 zwischen beiden Nationen – wollten wir aus berufenem Munde wissen, was die Nähe zu Frankreich bedeutet, ob nun persönlich, historisch oder kulturell.

Professor Peter Moll ist Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) Saar in Saarbrücken. Die DFG ist einer von etwa 130 deutsch-französischen Vereinen in Deutschland und mit etwa 400 Mitgliedern auch einer der größten. Was dem Wahl-Saarländer persönlich die Nähe zu Frankreich bedeutet, schildert er so: „Als ich 1959 von der Uni Hamburg nach Saarbrücken wechselte, war die Möglichkeit, jederzeit mit dem Rad mal kurz nach Frankreich zu fahren ein ganz entscheidender Grund, in dieser geschichtlich wie geographisch interessanten Gegend zu bleiben.“ Als „Zugereister“ sehe er „noch heute das Bemühen um grenzüberschreitende Kontakte in der Zivilgesellschaft als eine spannende Daueraufgabe an, der ich mich im Rahmen der Deutsch-Französischen Gesellschaft ebenso intensiv widme wie mit meinen landeskundlichen Wanderungen in den grenznahen Gebieten von Saar-Lor-Lux“.

Welche Chancen bietet die Nähe zu Frankreich für den Regionalverband – und wo könnte noch zugelegt werden? Dass auch durchaus Unterschiedliches zusammengebracht werden muss, liegt auf der Hand. Professor Moll: „Auf beiden Seiten der Grenze ist eine hohe Bevölkerungsdichte mit entsprechend vielfältiger Infrastruktur technischer wie kultureller Art.“ Die Zukunft müsse „ein intensiveres Miteinander bringen: in den Bereichen ÖPNV, Gesundheitswesen, Sport und Freizeit, insbesondere aber im Sektor Kultur.“ Etwa die Zusammenarbeit von Museen und ein  wechselseitiges Nutzen der Einrichtungen auf der jeweils anderen Seite. Zu all dem muss man sich aber auch wechselseitig verstehen: „Der einzig wirksame Schlüssel dazu heißt: Die Sprache des Nachbarn beherrschen. Sich für seine Befindlichkeiten interessieren. Über seine Lebensumstände informiert sein. Aber auch: gemeinsam für den Grenzraum werben, zum Beispiel im Kultur- und Freizeittourismus – Stichwort: gemeinsames zweisprachiges Tourismusbüro“, sagt Peter Moll.

Von daher, sagt der Saarbrücker Professor, „bin ich immer noch über die unverantwortliche Äußerung der neuen Kulturministerin zum angeblichen Tode der Frankreich­strategie des Saarlandes entsetzt. Es ist doch gerade ihre Verantwortung, sie am Leben zu erhalten und zum Blühen zu bringen“.

So hoffe er sehr, dass Ministerpräsident Tobias Hans „für eine baldige Korrektur und Aktionswende sorgt“.

Ministerin Christine Streichert-Clivot hatte im November, noch nicht lange im Amt, den Teil der „Frankreichstrategie“ der Landesregierung in Frage gestellt, der besagt, aus dem Saarland innerhalb von 30 Jahren ein zweisprachiges Bundesland zu machen. „Ob das realistisch ist, bezweifle ich sehr stark“, sagte sie. Die Landesregierung hatte Anfang 2014 das Ziel der Zweisprachigkeit als eines der zentralen Elemente ihrer Frankreich­strategie vorgestellt.

www.dfg-saar.de

Professor Peter Moll Foto: Robby Lorenz. Foto: Robby Lorenz

www.saar-mosel-wanderungen.de