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Ein stolzes Jubiläum : „Arbeitsrechte fallen nicht vom Himmel“

Ein stolzes Jubiläum : „Arbeitsrechte fallen nicht vom Himmel“

Der altehrwürdige Rechtsschutzsaal in Bildstock feierte 125-jähriges Bestehen mit einer Vielzahl von Gästen.

Die Bergleute rütteln am schweren Eisengitter und rufen: „Mir wolle hier raus!“. Kurz darauf stellt sich heraus, dass die Tochter eines Kameraden nur gegen sexuelle Gefälligkeiten arbeiten soll. Die Lehre aus den Missständen: „Wir brauchen einen Rechtsschutzverein“. Wie es letztlich zu dessen Gründung und zum Bau des zugehörigen Rechtsschutzsaales kam, erzählten Mitglieder des Theatervereins Hasborn. Aus dessen Stück „Eckstein ist Trumpf“ spielten sie einige Szenen anlässlich des Festaktes zum 125-jährigen Bestehen des Hauses in Bildstock – immerhin das erste Gewerkschaftsgebäude in Deutschland.

Es war ein Abend voller Prominenz aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben, bei dem vor allem die schweren frühen Jahre des Bergbaus an der Saar im Fokus standen. „Arbeitsrechte fallen nicht vom Himmel“, erinnerte Bürgermeister Rolf Schultheis in seiner Eröffnungsrede dementsprechend. Stattdessen müssten sie immer wieder aufs Neue hart erkämpft werden. Man wolle sich heute also nicht nur an die technischen Fortschritte erinnern, sondern auch an das Leid der Bergleute und ihrer Familien wegen der anfangs sehr schlechten Arbeitsbedingungen. Dietmar Geuskens, Leiter des IGBCE-Bezirks Saarbrücken, ließ die Historie Revue passieren. So sei innerhalb recht kurzer Zeit die Zahl der Bergarbeiter von etwa 4600 auf fast 19 000 angewachsen. Er erinnerte an 12-Stunden-Schichten untertage und daran, dass die Bergleute mit eisernen Absperrgittern daran gehindert wurden, aus den Grubenstollen herauszukommen. „Die Absperrgitter bildeten den Nährboden für den Protest“, so Geuskens. So kam es dann zu ersten Streiks, angeführt von Nikolaus Warken, der in Hasborn geboren wurde. Mit Hilfe von Industriellen-Familien wie Vopelius und Stumm habe man es geschafft, den 1889 gegründeten Rechtsschutzverein zu zerschlagen. „Die Preußische Bergverwaltung griff kompromisslos durch“, sagte Geuskens. Im Mai 1892 schließlich sammelten Bergleute Steine vom Grubengelände, um mit dem Bau des Rechtsschutzsaales zu beginnen. MdL Eugen Roth, Vorsitzender des Beirates der Stiftung Rechtsschutzsaal und Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz/Saar sprach die Schlussworte. „Wir haben nirgendwo sonst in Deutschland einen Ort, wo Sozialgeschichte so sehr geschrieben wurde“, so Roth. Er lobte die „tolle und würdige Feier“ und plädierte für eine höhere Förderung, damit das Angebot im Rechtsschutzsaal erweitert werden könne. Doppeldeutig sagte er: „Die Pläne sind da – es fehlt die Kohle.“

Bei den Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum blieb im Rechtsschutzsaal kein einziger Stuhl unbesetzt. Foto: Thomas Seeber

Eine Diskussionsrunde zur Zukunft der Industriekultur im Allgemeinen und des Rechtsschutzsaales im Besonderen mit hochrangigen Vertretern der saarländischen Politik rundete den Abend ab. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger plädierte für „mehr Solidarität mit dem Haus der Solidarität“, etwa durch Gewerkschafts-Veranstaltungen vor Ort. Justiz-Staatssekretär Roland Theis  teilte mit, dass das Land voll hinter dem Saal stehe und regte an, ihn als Ort für soziale Debatten zu nutzen. MdL Barbara Spaniol  setzte sich für mehr Investitionen ein.