1. Saarland
  2. Saarbrücken

Angehende Lehrer und Musiker machen Schüler mit dem Grundgesetz bekannt

Theater und Pädagogik : Studierende vermitteln Kindern spannend unsere Verfassung

Angehende Lehrer und Musiker erarbeiten das Stück „Captain Grundgesetz auf großer Mission“. Das kommt in der Grundschule Kirchberg prima an.

„Du bist voll hässlich, du Opfer.“ Da stellt man gutgelaunt ein hübsches Foto von sich ins Netz. Und wumm, hagelt es Häme und Hass-Kommentare. Katrin heult. Die 70 Drittklässler im Theatersaal der Kirchbergschule überrascht das Ganze indes wenig. Wohl aber, dass plötzlich ein kastenförmiger Superheld in Aktion tritt und mit dem ausziehbaren Plastikschwert für Recht und Ordnung kämpft. Beziehungsweise jemandem mal tüchtig die Leviten liest.

Schon geben Karo und Nadine klein bei: „Ich hab nicht drüber nachgedacht“, meint die eine. Die andere sagt in Richtung Publikum: „Das war Gruppenzwang. Ihr kennt das ja auch.“ Was die Mädchen und Jungen sofort lautstark bestätigen.

Was an diesem Morgen aber am meisten verblüfft, ist die Hauptperson: ein taffes, rappendes, tanzendes … Gesetz. „Es ist für alle da, ob schwarz oder weiß, das ist ihm gleich. Passt auf, dass dich niemand verletzt: Das ist Captain Grundgesetz.“ So geht die Hymne, in die alle nach kurzem Üben mit Julius Gorges und der Band einstimmen. Volltreffer.

So wünscht man sich jede Prüfung. Denn genau darum handelte es sich bei dieser Theateraufführung von 13 Studierenden des Lehramtes Primarstufe letztlich. Während einer Lernwerkstatt für Ästhetische Bildung unter dem Motto „Kinder, Grundrechte und unser Grundgesetz“ hatten sie das Stück „Captain Grundgesetz auf großer Mission“ erarbeitet.

Für die fünf assistierenden Studenten des Studiengangs Jazz und Aktuelle Musik gab es immerhin einen „Didaktik“-Schein im Gegenzug für ihre sehr bereichernde musikalische Unterstützung – eine Premiere innerhalb dieses Arrangements.

Jahr für Jahr kooperieren die Hochschulen HBKsaar, HfM Saar und Universität des Saarlandes in der Lehrveranstaltung „Ästhetische Dimensionen des Lernens in der Primarstufe“. Ziel ist es unter anderem, Studierenden praxisnah den unverzichtbaren Wert ästhetischer Bildung in Lernprozessen zu vermitteln. Das betonte Kunstpädagogin Laura Delitala-Möller bei der Nachbesprechung, vor der die aufgeregten Kinder zur Zeugnisausgabe entlassen waren.

Das diesmal recht sperrige Thema war einem Zufall geschuldet. „Ich las in der Zeitung von der Neuerscheinung ,Würde, Freiheit, Gleichheit: Unser Grundgesetz’.“ Zum 70. Geburtstags des deutschen Grundgesetzes hatten Susanne und Matthias Strittmatter dieses Kinderbuch veröffentlicht. Bei einer Lesung entschied Dozentin Laura Delitala-Möller: „Wir machen daraus  ein Theaterstück.“

Was bei Autorin Strittmatter zunächst für etwas Fassungslosigkeit sorgte. „Es geht darum, die Idee weiterzutragen. Besser als in diesem Buch kann man das nicht vermitteln“, lautete die Begründung des Dozentinnen-Quartetts, das Sportpädagogin Andrea Dincher, Musikpädagogin Barbara Neumeier und Regisseurin Jamie Trautmann komplettieren.

So wie dem Autorenpaar liegt den Pädagoginnen viel daran, die Grundrechte und -werte unserer demokratischen Gesellschaft für Kinder erfahrbar und nachvollziehbar zu machen. Wofür sich die intermediale Verbindung von Musik, Bildender Kunst, Bewegung und Darstellendem Spiel besonders eigne.

Die Studenten haben sich der Sache jedenfalls mit viel Fantasie, Gestaltungswillen und Spielfreude angenommen. In ihr kurzweiliges Theaterstück integrierten sie Szenen aus dem Schulalltag, bei der Lehrerin Deppenwurz permanent Kinder diskriminiert, aber auch einen flippigen Showmaster und eine fluoreszierende Wiese.

Dort verpuppen sich im Schwarzlicht neon-leuchtend wunderschöne Schmetterlinge: „Sei immer du selbst“, lautet ihre Botschaft, „du hast das Recht, dich zu entfalten.“

Auch Rektor Michael Jung zeigte sich begeistert, und er meldete schon mal vorausschauend Bedarf für 2021 an: Nur zu gern würde er mit seiner Schule nächstes Jahr wieder den Gastgeber für die Präsentation geben.