Am Tag des offenen Denkmals zum Schwarzenbergturm in Saarbrücken

Heimatkunde : Blick von Saarbrücken bis zu den Vogesen

Am Tag des offenen Denkmals gab’s auch Infos über die Geschichte des Schwarzenbergturmes.

Waldesruh und Waldeslust würden durch den Bau eines Aussichtsturmes am höchsten Punkt des Saarbrücker Stadtwaldes empfindlich gestört – befanden die Gegner des Plans. Es gab Gutachten und Gegengutachten, und schließlich setzten sich die Befürworter vom St. Johanner Verschönerungsverein durch.

Am 27. Juni 1930 erfolgte die Grundsteinlegung für den Schwarzenbergturm. Den 46 Meter hohen Turm aus Eisenbeton zog die am Kieselhumes ansässige Baufirma für „Eisenbeton und neuzeitlichen Straßenbau“ Heinrich Lenhard in nur sechs Wochen hoch. Zum Einsatz kam die damals noch junge Technik der „Gießmastanlage“: An einer Art Kran wird der flüssige Beton hochgehievt und wie aus einem langen Gießkannenhals in die Verschalung gefüllt.

Im Turm führt eine Treppe an den Wänden bis zur Aussichtsplattform auf knapp vierzig Metern Höhe. Am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, erläuterte der ehemalige Denkmalpfleger der Stadt Saarbrücken, Hans Mildenberger einem guten Dutzend Besucher im Turminneren die wenigen Quellen zur Entstehungsgeschichte des Schwarzenbergturmes. Denn der Tag des offenen Denkmals widmete sich diesmal dem Bauen zwischen den Weltkriegen – der 100. Geburtstag des Bauhauses lenkte den Blick auf architektonische Merkmale wie die Verwendung von Sichtbeton und das betont schlichte Äußere.

Der Aussichtsturm bot sich ob seiner Höhe auch als Träger für einen Sendemast an. 1956 scheiterte die Direktübertragung der Feierlichkeiten zum „Saarabkommen“, dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik, aus dem Staatstheater jedoch an technischen Problemen.

Mildenberger berichtete von unverwirklichten Plänen: 1951 wurde an eine Seilbahn von der Stadt zum Turm gedacht, etwas später an vollständigen Abriss, um einen 300 Meter hohen Sendemast zu errichten. Der  Zweite Weltkrieg hinterließ außer einigen Einschusslöchern – wohl von Flugzeug-MGs – keinen nennenswerten Schaden.

Ein altes Foto zeigt eine sonntäglich gekleidete Familie beim Mahl vor dem Turm, sie sitzt auf Hockern an einem Tisch mit Decke, Geschirr und Sektgläsern und blickt etwas unwirsch zum Fotografen.

Blick vom Turm auf den Sendemast im Wald. . Foto: BeckerBredel

Die langen Sperrungen des beliebten Ausflugszieles von 1975 bis 1984 und von 2001 bis 2013 waren wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten nötig. Frischen Wind um die Nase und Blick in die Ferne gibt es immer – bei gutem Wetter bietet der Turm eine herrliche Aussicht von Saarbrücken bis zum Schaumberg und sogar bis zu den Vogesen.

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