Am Freitag hat das Saarland den 100. Geburtstag des Landes gefeiert

Kostenpflichtiger Inhalt: 100. Geburtstag : Auf dem Weg in ein neues Saarhundert

Am Freitag hat die Staatskanzlei des Saarlandes den 100. Geburtstag des Landes gefeiert. Bei der Feierstunde und dem anschließenden Neujahrsempfang ging es aber nicht nur um die Geschichte des Landes, auch seine Zukunft stand im Fokus.

100 Jahre. Ein ganzes Jahrhundert. So alt ist das Saarland seit Freitag. Daher hat die Staatskanzlei in die Saarbrücker Congresshalle eingeladen. Zur Feierstunde, zu „Saarhundert“; eine Stunde zu Ehren des Jahrhunderts. Danach das Geburstags-Fest auf dem Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) im Foyer der Halle. Eine Party gemeinsam mit Ehrenamtlern, die sich für die Landes- und Heimatgeschichte engagieren. Die hat die Staatskanzlei dieses Jahr auf die Gästeliste schreiben lassen.

Hans begrüßt die rund 1900 Geladenen am Freitag zunächst zur Feierstunde. Darunter auch Außenminister Heiko Maas (SPD). Und den Freiburger Historiker Jörn Leonhard. Beide sollten neben Hans reden. So erklärt der Professor den Gästen, warum das Saarland ausgerechnet am 10. Januar 1920 auf die Welt gekommen ist. Titel seines Vortrages: „Der lange Schatten des überforderten Friedens: die Begründung des Saargebiets 1920.“ Er referiert über den Versailler Vertrag, der am 10. Januar 1920 in Kraft tritt. Und der dem Saarland damals Grenzen gibt, die den heutigen ähneln. Dieser Vertrag macht das Saargebiet erstmals zu einem politischen Gebilde, zu einem Lebensraum für Menschen, die sich, je länger sie ihren Sonderstatus haben, als Einheit fühlen: als Saarländer.

Saarländer, die damals mit den Franzosen nicht so einverstanden sind. Sie wehren sich gegen ihren Sonderstatus, gegen die französische Grubenverwaltung, gegen die Regierungskommission des Völkerbundes. Sie wollen zurück nach Deutschland. „War das Saargebiet von 1920 noch ein Kind der deutsch-französischen Feindschaft, so ist das Saarland, wie es heute besteht, ein Kind der Aussöhnung“, sollte Tobias Hans in der Congresshalle sagen.

Wie der Professor skizziert auch Hans in seiner Rede die Saargeschichte: Das Saargebiet, 1935 wieder zurück nach Deutschland; der Zweite Weltkrieg, der Wechsel in den französischen Wirtschaftsraum, am 23. Oktober 1955 die Volksbefragung, 1957 die Eingliederung in die Bundesrepublik. 1959 die DM als Währung. „Das wechselhafte Schicksal hat hier im Grenzraum einen ganz besonderen Menschenschlag geformt“, stellt Hans fest: „Da ist der besondere Zusammenhalt untereinander, laut einer Bertelsmann-Studie der stärkste in ganz Deutschland.“ Die Bergbaukrise der 1960er, die Stahlkrisen. „Kohle und Stahl waren ein Segen  – nicht nur für unsere Region“, blickt Hans zurück. Sie hätten „das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik Deutschland überhaupt erst möglich gemacht.“

Die Montanindustrie hat das Saarland aber auch immer wieder zu Strukturwandeln gezwungen. Wobei jetzt wieder einer anzustehen scheint: Stahl- und Autoindustrie stehen vor großen Umbrüchen. Und beide sind Job- und Umsatzgaranten im Saarland. Hans ist zuversichtlich, denn die Geschichte des Landes sei eine Erzählung „des permanenten strukturellen Wandels“. Und: „Keine Region in Europa, die sich so oft wandeln, die sich so oft umorientieren musste. Und immer haben wir es irgendwie geschafft. Wir haben es oft genug gezeigt: Wir können den Wandel.“ Er erzählt von den Investitionen und Stärken des Saarlandes. Von der guten Forschungslandschaft, der exzellenten Informatik, der IT-Branche, dem starken Mittelstand, dem Handwerk: „Wir setzen alles daran, uns an die Spitze des Fortschritts zu setzen und unsere Saarwirtschaft auf diese Art zukunfts- und wettbewerbsfähig zu machen“, sagt Hans. Und: „Wir stellen heute schon die Weichen für den modernsten Industriestandort von morgen.“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagt in seiner Rede: Das Saarland hat Europa in seiner DNA. Foto: BeckerBredel

Zwischen den Ansprachen spielt das Staatsorchester des Saarlandes Beethoven, Hartmann und Hindemiths Werk „Mathis der Maler“. Und zum Abschluss die Nationalhymne. Doch zuvor spricht Außenminister Maas. Er stammt aus einer Stadt, die ein Paradestück saarländischer Geschichte ist. Aus Saarlouis. Eine Stadt, die die Franzosen 1680 gebaut haben. Und in der sie 150 Jahre das Sagen haben (von 1682 bis 1815). Als das Saargebiet 1920 entsteht, fällt es in den Zuständigkeitsbereich „des deutschen Außenministers“, wie Maas erklärt. Da es nicht mehr zu Deutschland gehörte. Maas erinnert auch an die Feindschaft mit den Franzosen, an die Kriege – und vor allem daran, wie beide diese Feindschaft überwunden haben. Als Beispiel führt er einen Fußballverein an. Maas: „2004 haben sich die Fußballclubs FC Habkirchen und des US Frauenberg zusammengeschlossen.“ Eine grenzübergreifende Spielgemeinschaft. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal beschäftigte sich sogar der DFB und die Politik. „Weil keiner so recht wusste, in welche Liga der Verein einzuordnen war.“ Das Beispiel zeige, dass das Bewusstsein, „dass Grenzen menschengemacht sind und deshalb von Menschen überwunden werden können“, im Saarland tief verwurzelt sei. Solche Beispiele seien ein Garant dafür, dass „die Feindschaft der Vergangenheit genau das bleibt, was sie ist: Vergangenheit“. Es sei einfach kein Widerspruch „Saarländer, Deutscher und Europäer zu sein. Sondern ein großes, historisches Glück. Das Saarland hat Europa in seiner DNA.“ Oder wie Hans sagt: „Das Saarland, wie es heute besteht, ist damit ein Kind Europas. Und was anders können Kinder Europas sein als gute, überzeugte Europäer?“