Alexandre Ari Piazza und Gervasio Tarafona-Valle in Saarbrücken.

Open Air : Weitgereiste Saarbrücker Musiker

Premiere auf dem St. Johanner Markt: Bei ihrem ersten Straßenkonzert in Saarbrücken spielten Alexandre Ari Piazza aus Brasilien und Gervasio Tarafona-Valle aus Uruguay sanften Blues.

Die Töne sind leise und erreichen am Donnerstagmorgen trotzdem jeden Winkel des St. Johanner Marktes. Am Stengelbrunnen haben Alexandre Ari Piazza aus Brasilien und Gervasio Tarafona-Valle aus Uruguay ihre Instrumente aufgebaut, sie teilen sich einen Notenständer und spielen sanften Blues. Alexandre zupft den Kontrabass, Garvasio hat seine Klarinette dabei.

Die Kaffeetrinker in den Straßencafés und die Passanten horchen auf, denn die ersten Töne verraten schon, dass hier Profis am Werk sind. Musiker, die mehr können als ein paar Akkorde spielen. Alexandre und Gervasio sind Musikstudenten der Hochschule für Musik Saar. Auf der Straße haben sie noch nie zuvor gespielt: „Wir hatten einfach Lust dazu. Wir machen normalerweise nur klassische Musik, aber der Blues macht einfach Spaß“, sagt Gervasio.

Der 30-Jährige ist weitgereist. Er spricht acht Sprachen, war bislang für eineinhalb Jahre auf Weltreise, bevor er das Studium in Saarbrücken aufnahm. In Deutsch, Italienisch, Latein, Portugiesisch, Englisch oder Japanisch kann er sich verständigen, bald auch in Arabisch. Denn er hat schon eine neue Aufgabe im Auge. Seit Oktober ist er im Saarland, steht vor dem Masterabschluss und wird noch vor den Prüfungen eine Stelle als Dozent am nationalen Konservatorium in Palästina annehmen. „Dann pendele ich zwischen den beiden Ländern, bis die Prüfungen abgeschlossen sind“, sagt Gervasio, der sich bei seiner Weltreise immer mit Straßenmusik ernähren konnte.

Das geht auch in Saarbrücken. Die beiden jungen Männer bekommen kaum Münzen in die Instrumentenkiste gelegt. Meist lassen Passanten einen kleinen Schein zurück, große Anerkennung für die hohe Qualität dieser beiden Straßenmusikanten. Alexandre (29) wird erst in drei Jahren seinen Abschluss machen und liebt Saarbrücken. Die Menschen in der Landeshauptstadt seien offen und flexibel, wie man es sonst selten finde. Die Hochschule habe ein ausgesprochen hohes Niveau, so der Südbrasilianer, der später in sein Land zurückgehen möchte. „In Brasilien können gut ausgebildete Musiker gut leben“, sagt er.

Außerdem sei seine Heimat mit Deutschland eng verbunden. „In der brasilianischen Stadt Blumenau gibt es das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. Wegen der deutschen Auswanderer wird die Sprache an vielen Schulen unterrichtet“, erzählt er. Dann greifen sie wieder zu den Instrumenten und wollen gerade anfangen, da kommt der Ordnungsdienst vorbei. Aber die beiden Studenten kennen sich aus, zücken die Erlaubnis der Stadt und wissen, dass sie alle 30 Minuten den Standort wechseln müssen. Musiker müssen auch in Saarbrücken von Ort zu Ort reisen, für die beiden Weltbürger kein Thema. Für die Gäste am Markt diesmal sehr schade, denn das Konzert am Donnerstagmorgen war etwas Besonderes.

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