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Ärzte im Saarland verschreiben weniger Antibiotika

Studie von Ersatzkassen und Kassenärzte : Unnötige Antibiotika-Verordnungen im Saarland seit 2017 gesunken

Die Ärzte im Saarland verschreiben bei akuten Atemwegsinfektionen einer Studie zufolge inzwischen seltener Antibiotika. Damit scheinen die Bemühungen der vergangenen Jahre gegen den unnötigen Einsatz von Antibiotika zu wirken.

Bei Grippe und Erkältungen mit Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen sind sie nämlich nicht nur oft wirkungslos – sie können sogar Schäden anrichten, da Bakterien durch die unnötige Antibiotika-Einnahme resistent werden können.

Eine Studie im Rahmen des bundesweiten Modellvorhabens „Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ (Resist) von Ersatzkassen und Kassenärzten belegt den Rückgang der Verordnungen: Während in der Wintersaison 2016/2017 noch 29 Prozent der Patienten von Haus-, Kinder- und HNO-Ärzten mit akuten Atemwegsinfekten ein Antibiotikum erhielten, waren es 2018/2019 noch 24 Prozent. Dieser Trend machte sich bei den 209 Saar-Ärzten, die an dem Projekt und an einer speziellen Fortbildung teilnahmen, noch stärker bemerkbar: Sie senkten ihre Verordnungsrate im gleichen Zeitraum von 26 auf 20 Prozent.

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) führen das auf eine bessere Kommunikation zwischen Arzt und Patient sowie gezielte Fortbildungen der Ärzte und Patienteninformationen mit Tipps zum Umgang mit Erkältungskrankheiten zurück. Durch das Projekt sei zudem die Qualität der Wirkstoffauswahl verbessert worden, weil sich nach dem Grundsatz „so schmal wie möglich, so breit wie nötig“ eine Verschiebung von Breitspektrum-Antibiotika hin zu Wirkstoffen mit einem schmaleren Wirkspektrum beobachten lassen.

Der Leiter der vdek-Landesvertretung Saarland, Martin Schneider, bezeichnete die Resistenzbildung bei Antibiotika als „die große Herausforderung für die globale Gesundheit“. Das Projekt habe eindrucksvoll bestätigt, dass durch gute Kommunikation und Information der unnötige Einsatz von Antibiotika gesenkt werden könne. Er plädierte dafür, das Konzept zukünftig dauerhaft und bundesweit für alle gesetzlich Versicherten anzubieten. KV-Vorstand Dr. Joachim Meiser sagte, das Projekt habe gezeigt, dass eine gute Arzt-Patient-Kommunikation zu messbar besserer Medizin führe. Es sei sowohl bei den beteiligten Ärzten als auch bei den Medizinischen Fachange­stellten auf große Akzeptanz gestoßen. Gerade im Saarland hätten besonders viele Ärzte Interesse gezeigt, dies erkläre auch das gute Ergebnis im Saarland.