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Zwei Weihnachtsmärkte
Zwei unterschiedliche Weihnachtsmärkte

Der Nikolaus beschenkte die Kinder an der evangelischen Kirche in Herrensohr.
Der Nikolaus beschenkte die Kinder an der evangelischen Kirche in Herrensohr. FOTO: Iris Maria Maurer
Herrensohr/Bildstock. Während es in Herrensohr eher gemütlich zuging, war der Bildstocker Marktplatz mit Besuchern richtig gut gefüllt.

Eine Lichterkette verleiht dem Magnolienbaum weihnachtliches Gepräge. Der von Laternen beleuchtete Weg führt durch den Pfarrgarten zu einem lauschigen „Heißer Hugo“- und Flammkuchen-Bermuda-Dreieck, in dem eine Gruppe angeheiterter junger Männer gerade fröhlich den eigenen Untergang zelebriert. Schalmaienmusik weht von der Kreuzkirche herüber. Willkommen beim 42. Kaltnaggischer Weihnachtsmarkt, der trotz oder eher gerade wegen seiner überschaubaren Proportionen so beliebt ist. „Er hat den Charakter eines Nachbarschaftsfestes“, weiß Karin Lackas, Vorsitzende des veranstaltenden Ortsinteressenvereins (OIV) Herrensohr. An „Bord“ war wieder die „Stammbesetzung“, zu welcher der Après-Ski-Club und die Freunde der Jugend des TuS Herrensohr gehören. Ein wenig Sorge bereite ihr nur der Altersdurchschnitt der Aktiven, „aber das hört man ja überall“.


Seit drei Jahren ist man mit dem Markt zu Gast bei der evangelischen Kirchengemeinde, die sich einmal mehr als charmanter Gastgeber erwies. Nach dem vom Turm geblasenen Willkommen eröffnete eine kleine, festliche Andacht den Markttag. In dessen Verlauf schaute der Nikolaus gleich zweimal vorbei.

Im Inneren der Kirche gab es beim Hobbymarkt einiges zu entdecken: von der gehäkelten Schweinefamilie bis hin zu Mützen mit Fellbommel und Tablet-Taschen aus Leder. Ihre Stricknadeln dabei und zwischendrin immer wieder im Einsatz hatte Angela Heck. Sie bot ihre Strümpfe & Co. traditionell zu Gunsten einer Behinderteneinrichtung in Kaisersesch an. „Schön heimelig“ findet die Saarbrückerin das Ambiente hier in Herrensohr. Man kennt sich und hat etliche anregende Gespräche. „Ich geb auch gern Tipps.“



Nur neun Kilometer Luftlinie entfernt, bot sich ein völlig anderes Bild: Hunderte Besucher genossen am vergangenen Samstagabend das laute, bunte Treiben auf dem Marktplatz in Bildstock. „Fröhliche Weihnacht“ singend zog der Chor der Grundschule mit blinkenden Mützen durch die Menge. Rund 25 Standbetreiber versorgten die Gäste mit Speis und Trank und originellen Geschenkideen, vorneweg die lokalen Turmnudeln und die Briefmarken à la Hoferkopf.

Mit 30 Aktiven zugegen war beispielsweise das THW, der jüngste Helfer zehn und der älteste 64 Jahre alt, verriet Ortsjugendleiterin Kira Kilian. Zu tun ist genug, so werden am Stand unter anderem 100 Kilogramm Kartoffeln geschält, gerieben und zu Dibbelabbes verarbeitet. Die Teilnahme am Friedrichsthaler/Bildstocker Weihnachtsmarkt sei „sehr wichtig“ für den Verein. Immerhin will man damit das Sommer-Zeltlager in Thüringen für die 55 jungen Mitglieder finanzieren.

Weitere kulinarische Highligts waren das überm Feuer im Topf dampfende Kesselgulasch der Motorradfreunde Friedrichsthal. Und natürlich Oma Molters Rumkugeln. Zum 8. Mal boten die „Blauen“ – eine einst auf dem Campingplatz aus einer Laune heraus gegründete, garantiert unpolitische Gruppe – selbst gemachte Schnäkereien an. Oma Anita ist mittlerweile 81 und hat es noch drauf, wie eine Kostprobe verriet. Wichtigste Zutat ist übrigens nicht der namensgebende Alkohol, sondern „viel Liebe“. „Das hier ist einfach ein schöner Tag“, strahlte Jan Klein. Was finanziell dabei rauskommt, sei „nebensächlich“.

Was sein Bruder Philip schnell korrigierte: Der Erlös des „blauen“ Mistelverkaufs, letztes Mal 950 Euro, geht schließlich ans Neunkircher Kinderhospiz. Weshalb möglichst viele der 90 frisch geernteten Deko-Schmarotzer ein Zuhause finden sollten.