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Daheim ist es immer noch am schönsten - auch im Palaver
Ach wie schön: Das Viertel lebt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der Samstag in der warmen Jahreszeit schreit gewissermaßen nach Aktivität. Ob im Garten, in Haus und Hof: Es wird gewerkelt, es werden Dinge erledigt, die keinen Aufschub dulden. Alle Geräusche unter freiem Himmel zusammengenommen, ergibt das einen Sound, den man in der kalten Jahreszeit sicherlich ein wenig vermissen wird. Von Michèle Hartmann

Sommer, Sonne, Bewegungsdrang. An einem Samstag sieht das so aus: Ein Mensch in der Nachbarschaft kehrt arg rustikal den Balkon, wobei nicht auszuschließen ist, dass er entweder schon hackedicht ist, oder sein Gehör nicht mehr gut funktioniert. Jedenfalls kollidiert der Besenstiel bei jedem ausholenden Fege-Manöver  mit dem Geländer. Rumms. Rumms. Rumms.


Eine Straße weiter ruft ein Kleinkind nach seiner Mutter. „Maaaama“. Nicht einmal, sondern anhaltend über viele quälende Minuten. „Maaaama“. Nicht auszuhalten, wenn die Erziehungsberechtigte mal reagieren würde. Wenn sie wenigstens mal „Ja“ sagen könnte, damit dieses verdammte Geplärre ein Ende hat. Aus einer anderen Ecke dringen an diesem Samstag auch recht geräuschvoll die Szenen einer Ehe. Ein Disput zwischen Ihm und Ihr unter dem blauen Himmelszelt hat sich entfacht. Ein Fall für Zeitgenossen, die stets neugierige Anteilnahme hinsichtlich ihrer Mitmenschen verspüren. Im vorliegenden Fall können sie jedes Wort verstehen. Und ich kann ihnen sagen: Es ging nicht um den Klimawandel oder um den Austritt aus der Nato, sondern um die kleinen Scheußlichkeiten, die der schnöde Alltag liebend gern bereit hält.

Während dessen piept in der Küche die Spülmaschine, die ihre Arbeit hinter sich hat. Und der Nachwuchs poltert die hölzerne Treppe herunter auf der Suche nach Nahrung. In  unmittelbarer Nähe frisst sich ein Schlagbohrer in die Wand. Wie schön, dass wenigstens Dübel nicht lärmen. Heckenschnitt eine Straße weiter ist heute auch angesagt. Und das Zerkleinern von Holz mit der Motorkettensäge. Der nächste Winter naht mit Riesenschritten. Und er wird kalt. Sehr kalt, wenn man die Stunden zugrunde legt, die dem Zerkleinern von Stämmen gewidmet sind.  Nun, wenn das so ist, dann wollen wir mal ein bisschen das Umfeld aus der Musikanlage beschallen. Mit einem uralten Stück, das durch Mark und Bein geht: „Free, free Nelson Mandela!“



Es ist Samstag, ein geräuschvoller Tag. Und ach wie schön: Das Viertel lebt.